Es gibt den Spruch: „The sky is the limit.“ Der Himmel ist die Grenze. Für Tim Justin Ziegenhagen gilt dieses Limit nicht: „Nach dem Himmel kommt das Weltall.“ Der 25-Jährige lebt in Oberbarmen und hat sich mit Sport, Ernährung und Gemeinschaft aus einer schwierigen Zeit befreit.

TJ, wie er allseits genannt wird, ist 25 Jahre alt und wurde in Berlin geboren. Er ist das zweitälteste von sieben Kindern, seine Mutter ist alleinerziehend. Als er fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Wuppertal. Der Vater blieb in Berlin.

TJ kam eine verantwortliche Rolle zu. Ein Leistungsdruck, dem er standhalten musste. „Ich habe von meiner Mama die emotionale Kompetenz, von meinem Vater das rationale Denken.“ Er sei schon immer ein „Draußenmensch“ gewesen, „ich habe ungern zuhause gesessen, ich bin aktiv geblieben“. Warum, wird ihm im Rückblick klar: TJ musste erwachsen sein, bevor er es war. Stillstand bedeutete, dass es nicht weitergeht. Er wollte dem gerecht werden. Und dann wurde aus der Not eine Tugend.

„Ich habe mich sehr schlecht ernährt“, gibt der 25-Jährige zu. „Döner, Burger, Chips, alles, was schnell ging. Dazu Zigaretten und Cannabis geraucht.“ Das schüttete bei ihm Dopamin aus, den Botenstoff des Glücks. Aber es war ein falsches Glück. Eines, das ihm auf Dauer zu gefährlich wurde. Eine Trennung brachte ihn zum Umdenken. Zunächst in der Ernährung: „Das Wort hat mit nähren zu tun, nicht mit vergiften.“ Dann kam der Sport. Ein Freund gründete in Wuppertal die Initiative „Egal wann, egal wo“. Das habe mit Liegestützen am Bahnsteig angefangen, während er auf den Zug wartete – statt zu rauchen. Der Slogan besagt: „Du kannst trainieren, wann und wo immer du willst.“ An einer Calisthenics-Anlage – regelmäßig ist er mit Freunden auf Anlagen in Oberbarmen und Elberfeld präsent – oder an jedem anderen Ort. Denn es ist ein Sport mit dem eigenen Körpergewicht, den man theoretisch überall umsetzen kann. „Ich könnte jetzt hier am Tisch Übungen machen“, sagt er im Gespräch in einem Café am Johannes-Rau-Platz.

Sein „Entspannungslauf“ geht über fünf bis zehn Kilometer

Sein neuer Weg begann erst vor zwei Jahren – und prägt ihn derzeit so sehr wie kaum etwas anderes. Okay, er machte eine Ausbildung zum Verkäufer im Einzelhandel und arbeitet nun als freier Mediengestalter. Auch das treibt ihn an. Doch seine Komfortzone ist an der frischen Luft. „Wir sind mittlerweile 20 bis 30 Leute“, erzählt er über das regelmäßige Gruppentraining, dessen Konzept sich überregional verbreitet hat. Sein Standardprogramm nennt er „4 x 100“: 100 Kniebeugen, 100 Klimmzüge, 100 Liegestützen und 100 Dips. Wenn er hoch motiviert ist, schafft er die Herausforderung in 20 Minuten. Es gibt aber auch Tage, da macht er einen Entspannungslauf. So nennt er das, wenn TJ fünf bis zehn Kilometer läuft. „Ich habe einen hohen Anspruch.“

Am Anfang habe er einfach gut aussehen wollen, offenbart er. Nun liegt der Fokus seiner Leidenschaft – „manchmal trainiere ich zu gierig“ – auf sozialem Engagement: Er möchte jungen Menschen eine Chance bieten, vom Smartphone wegzukommen – auch wenn er im Sozialen Netzwerk Instagram unter dem Namen „Oberbarmenengel“ schon Influencer ist und 2000 Nutzer ihm folgen. Mit Tipps wie „Neue Energie: Wie ihr in die Woche startet, zieht sich durch die ganze Woche. Wenn ihr am Montag fit seid, werdet ihr die ganze Woche fit sein. Wenn ihr am Montag mit Netflix und Süßigkeiten zuhause chillt, wird sich das so auch über die Woche ziehen.“

Und TJ stellt ebenfalls klar: „Das ist keine Phase. Das ist lebenslanges Training.“ Wer sein Ziel erreicht habe, müsse es halten. „Wir haben einen Teilnehmer, der es in einem Jahr geschafft hat, von 135 auf 82 Kilogramm abzunehmen.“ Über sein eigenes Leben reflektiert TJ überzeugt: „Ich habe jetzt die Selbstfindungsphase hinter mir und noch drei Viertel meines Lebens vor mir. Ich möchte 100 Jahre alt werden. Und wenn ich so weitermache wie jetzt, dann gelingt mir das auch.“ Grenzen seien für ihn nur Sicherheitsmechanismen. Er will sie testen und überschreiten – auch wenn er sich dafür bei Klimmzügen sogar Betonstützen an die Füße klemmt. Kann man bei Instagram sehen …