Bis 1962 wurde im Moerser Schacht IV der ehemaligen Zeche Rheinpreußen noch Kohle gefördert. Heute ist die Anlage ein vom Grafschafter Museums- und Geschichtsverein betreutes Industriedenkmal mit Räumen voller historischer Geräte aus der Arbeitswelt der damals dort beschäftigten Bergleute.

Jetzt kam noch ein weiteres derartiges Gerät dazu. Im Rahmen einer in der ehemaligen Schacht IV-Förderhalle stattfindenden Veranstaltung übergaben zwei Mitarbeiter der Lübecker Firma „Dräger Medizin- und Sicherheitstechnik“ einigen Vertretern der zum Museums- und Geschichtsverein gehörigen „Arbeitsgruppe Schacht IV“ ein wertvolles, insbesondere bei Grubenbränden eingesetztes Pressluft-Atemgerät. „Wir haben hier im Haus schon eine recht beachtliche Sammlung von Bergbau-Rettungsgeräten, angefangen bei solchen aus dem Jahre 1893 bis in die Gegenwart hinein, aber diese spezielle, unter dem Namen BG 4 2010 von der Firma Dräger entwickelte Version war lange Jahre das einzig fehlende darin“, freute sich der „Schacht IV“-Arbeitskreisleiter André Thissen angesichts dieser nicht nur historisch ziemlich wertvollen Spende.

„Ja, das ist schon ein ganz besonderes Geschenk“, sagte auch Vereinskollege Heinz Bernard und führte weiter aus: „Das ist ein Kreislaufgerät. Es filtert mit einer speziellen Patrone die CO-Anteile aus der Atemluft und presst den Rest dann wieder gereinigt in den Atemkreislauf zurück. Damit atmeten unsere Grubenwehr-Leute bei ihren Einsätzen drei bis vier Stunden, ohne sich selber in Gefahr zu bringen.“

Hilfe beim Grubenbrand in Frankreich

Heinz Bernhard war selbst mehr als 20 Jahre bei der Grubenwehr und weiß, was das bedeutet. Das erste 1904 von Dräger entwickelte Bergbau-Atemschutzgerät sei natürlich noch nicht ganz so ausgeklügelt gewesen wie heute, habe aber bereits zwei Jahre später bei dem legendären Grubenbrand im französischen Courrieres gute Dienste geleistet, berichtete der für den deutschen Markt zuständige „Service-Teamleiter der Firma Alex Kalfhaus. Damals waren den französischen Kumpels mehrere Grubenwehren aus dem Ruhrgebiet zur Hilfe geeilt, was angesichts des zu diesem Zeitpunkt wenig freundschaftlichen Klimas zwischen Frankreich und Deutschland keine Selbstverständlichkeit war. Die deutschen Grubenwehr-Leute bargen zwar keine Lebenden mehr, unterrichteten ihre französischen Kollegen aber nach dem Abschluss der Rettungsarbeiten in der Handhabung der damaligen Dräger-Geräte und erhielten dafür sowohl von französischer als auch von deutscher Seite große offizielle Anerkennungsbezeugungen.

1930 spielten die zu diesem Zeitpunkt schon deutlich weiter entwickelten Atemschutzgeräte der Firma eine weitere wichtige Rolle bei einem schweren Grubenunglück in der Zeche Anna bei Alsdorf. Und auch bei einer Schlagwetter-Explosion 1966 auf der Zeche Rossenray, bei der es laut Heinz Bernard glücklicherweise keine Menschenleben zu beklagen gab, waren die Dräger-Geräte eine große Hilfe. So begleiteten sie den Ruhrgebiets-Bergbau schon von Anfang an und machten die dortigen „Werkschutzkumpel“ auch außerhalb ihrer Zechen immer wieder zu gefragten Helfern, wie zum Beispiel bei einem Brand in einer Düsseldorfer Papierfabrik.

„Eine echte Bereicherung“

„Das neue Dräger-Gerät ist eine echte Bereicherung für unsere Sammlung“, bedankte sich Vereinsmitglied Georg Becker bei den Firmen-Vertretern Alex Kalfhaus und Markus Heimann. „Wir sind nur ein kleiner Verein und könnten ein solches Gerät für unsere Sammlung gar nicht kaufen. Umso mehr freuen wir uns über diese großzügige Spende.“ Das neue Exponat mit dem Namen „Kreislauf-Atemschutzgerät BG 4“ wird in der bisher aus elf ähnlichen Exponaten bestehenden Bergbau-Sammlung des Moerser Museums „Schacht IV“ jetzt einen weiteren ehrenvollen Platz einnehmen.