Das öffentliche Image von Schützen ist wohl nicht das beste. „Viele glauben doch, Schützen sind dicke alte Männer, die marschieren und nur Bier trinken“, sagt Frank R. Vossen, 2. Chef des St. Sebastianus Schützenvereins. „Aber das stimmt überhaupt nicht.“ Dass Schützen bei ihren Festen auch mal ein Bierchen trinken, will Vossen gar nicht abstreiten, aber das werde bei anderen Festen auch im privaten Rahmen ebenso gemacht, sei also nichts Besonderes. „In erster Linie setzen wir uns für die Gemeinschaft, für die Nachbarschaft, für unser Viertel ein“, sagt er.
„Nehmen wir nur mal den Niederkasseler Martinszug. Da nehmen bis zu 2000 Menschen teil. Wir organisieren das alles einschließlich der Spendensammlungen und der Sponsorengelder. Jedes Kind bekommt eine gut gefüllte Martinstüte. Die Gelder, die übrig bleiben, spenden wir an die Tafel, den Abenteuerspielplatz Oberkassel und Vereine wie It’s for Kids, Düsseldorfer Straßenkinder, die Armenküche oder den Gute-Nacht-Bus.“ Und der Martinszug sei nicht die einzige soziale Aktion, die die Schützen in und für Niederkassel durchführen würden.
Daran hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert und wird sich wohl so schnell nicht ändern, denn die Niederkasseler Schützen sind eine „schöne generationsübergreifende Gemeinschaft“, wie Paulina Vossen sagt. „Ich bin Schützin seit meiner Geburt. Für mich gehören die Schützen zu meiner Familie.“ Also gehört auch Günter Jörke dazu. Jörke trat 1961 den Sebastianern bei und wurde jetzt für seine 65-jährige Mitgliedschaft mit der Brillantnadel des Vereins und der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet. „Günter war für uns immer ansprechbar, war immer dabei und war 30 Jahre lang Fahnenoffizier der 1. Freischütz-Kompanie“, sagt Frank Vossen.
Die Freischützen bezeichnen sich selbst als Niederkassels Kultur- und Kompetenzkompanie. Damit soll gezeigt werden, dass die Kompanie das Schützenleben mit einem Augenzwinkern und einer guten Portion Humor versieht. Schuld daran ist auch Jörke, denn er gehörte 1962 zu den Mitgründern der Freischütz-Kompanie und war so etwas wie ein Aufrührer im Niederkasseler Schützenwesen. „Günter ist 1961 bei den 1. Grenadieren eingetreten. Das war damals wohl eine Altherren-Gesellschaft in dunklen Anzügen. Günter aber wollte keinen Anzug tragen und hat die Freischütz-Kompanie gegründet“, sagt Frank Vossen. „Und beim Freischütz geht bis heute eben alles etwas lockerer zu.“
Bis heute, denn die jungen Leute in der Freischütz-Kompanie, so wie Paulina und Johanna Vossen, hatten bisher keine Abspaltungsgedanken. „Wir sind so herzlich aufgenommen worden, werden ernst genommen und wenn nötig von allen unterstützt. Und man kann von den Erfahrungen der alten Schützen auch so einiges lernen“, sagt Paulina Vossen. „Ich fühle mich ganz einfach bei den Freischützen richtig wohl.“ Diese Wohlfühlatmosphäre zahlt sie mit traditionsbewusstem Einsatz zurück. So war Paulina Vossen im Jahr 2023 erste Kompaniekönigin und ist aktuell amtierende linksrheinische Jungschützenkönigin, also die beste Schützin unter 24 Jahren der Schützenvereine in Niederkassel, Oberkassel, Heerdt und Lörick. Zudem ist sie im Hauptverein zweite Jungschützenbetreuerin und damit mit für das Wohlfühlgefühl junger Menschen im St. Sebastianus-Schützenverein zuständig.
Das Niederkasseler Schützenfest endet am Montagabend (10. August) mit der Ermittlung der neuen Königspaare und dem anschließenden Krönungsball.