Die Polizisten haben spezielle Stäbe dabei, sie durchforsten Gärten, Grundstücke, Felder. Systematisch gehen sie am Donnerstagvormittag das Umfeld der Inninger Straße im Augsburger Stadtteil Haunstetten ab. Sie öffnen Mülltonnen, begutachten den Inhalt. Wonach die Beamten konkret suchen, teilt die Polizei derzeit nicht mit. Es gehe um die „Auffindung weiterer Beweismittel“, heißt es eher vage. In der Nachbarschaft bleibt der Einsatz nicht verborgen – es ist nicht der erste der vergangenen Tage. Im Fokus steht ein Asylheim in dem, so stellt es sich zum jetzigen Zeitpunkt dar, zwei Männer ihr Obdach mit einem zutiefst aggressiven Mann teilen mussten und dafür mit ihrem Leben bezahlten: Mohamad K., 29 Jahre alt und aus Syrien.

Am Donnerstag bestätigt die Polizei einen Bericht unserer Redaktion, wonach der Tatverdächtige und die beiden Opfer alle in der Unterkunft lebten. Ein Bekannter des getöteten 54-Jährigen hatte der Polizei am Montag mitgeteilt, dass er den Mann nicht mehr erreiche. „Die eingeleiteten polizeilichen Sofortmaßnahmen führten dann gegen 16 Uhr zum Auffinden des 54- und des 39-Jährigen“, so die Polizei. Konkret öffneten die Beamten einen schwarzen Müllcontainer, der Passanten am Montag ebenfalls aufgefallen war. Der Täter muss die beiden Opfer darin nach der Tat deponiert haben. Um den Fall aufzuklären, hat die Kriminalpolizei inzwischen eine eigene Ermittlungsgruppe namens „Babylon“ gegründet.

Doppel-Totschlag in Haunstetten: Kripo Augsburg richtet Ermittlungsgruppe ein

Die „EG“, wie es im Polizeijargon heißt, dürfte vor allem nach weiteren Beweisen suchen, die dafür sprechen, dass Mohamad K. der Täter ist. Sie muss aber auch zentrale Fragen beantworten, nämlich wann die Delikte konkret verübt wurden und auf welche Weise der Täter vorging. In dem Gebäude lebten zuletzt 17 Männer aus diversen Ländern.

Augsburger Polizei findet zwei Leichen: Die Bilder vom Großeinsatz in Haunstetten

Polizeieinsatz Inningerstraße Inningerstr,. Augsburg-Haunstetten

Im Umfeld eines Asylheims im Augsburger Stadtteil Haunstetten soll es zu einem Tötungsdelikt gekommen sein. Die Polizei hat am Montag zwei Leichen gefunden.

Es erscheint zumindest unwahrscheinlich, dass keiner von ihnen etwas mitbekommt, wenn ein Mitbewohner zwei erwachsene Menschen umbringt. Andererseits scheinen auch bislang keine handfesten Beweise dafür vorzuliegen, dass der 29-Jährige die beiden Männer etwa im Schlaf tötete. Derartige Delikte werden juristisch in aller Regel als heimtückische Morde eingestuft – und die Ermittlungen laufen wegen Totschlags in zwei Fällen.

In vergleichbaren Fällen spielen auch sogenannte Umfeldermittlungen eine wichtige Rolle: Die Ermittler wollen wissen, was für ein Typ Mensch der Verdächtige ist, mit wem er zu tun hatte, was er den Tag über so trieb. Mohamad K. muss bereits seit einigen Jahren in Deutschland sein; ausweislich eines Profils in den sozialen Netzwerken stammt er ursprünglich aus der nordsyrischen Stadt Aleppo. In einem anderen Eintrag, den er offenbar bereits vor einigen Jahren angelegt hat, heißt es, er habe mal eine Einrichtung in Augsburg besucht, die Qualifikationsangebote für Migranten organisiert. Ob er aber zuletzt einem geregelten Beruf nachging, ist bislang nicht bekannt.

29-Jähriger soll früheren Zimmernachbarn umgebracht haben: Rätsel über das Motiv

Nach Auskunft der Polizei handelt es sich beim 54-jährigen Opfer aus dem Irak um einen früheren Zimmernachbarn des Tatverdächtigen. Oft ist es so, dass das notgedrungene Zusammenleben auf engstem Raum in Asylunterkünften zu Konflikten zwischen den Bewohnern führt. Offenbar war dies auch im Fall des Gebäudes in der Inninger Straße so.

Nach Recherchen unserer Redaktion soll sich Mohamad K. bereits in der Vergangenheit gegenüber Mitbewohnern im Asylheim auffällig verhalten haben. Bestätigt wird dies offiziell von den Ermittlungsbehörden derzeit aber nicht. Weitergehende Auskünfte seien „derzeit aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht möglich“, sagt Melanie Ostermeier, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Augsburg.

In Haunstetten sorgt die Tat für Bestürzung – und sie kratzt am Sicherheitsgefühl. Es ist das vierte Tötungsdelikt innerhalb relativ kurzer Zeit im Stadtteil, wie ein Anwohner sagt.

Zwei Männer getötet und in Müllcontainer deponiert: Lesen Sie hier, was über den Tatverdächtigen bekannt ist.