Wo in Mahlsdorf heute ein Möbelmarkt, Gewerbehallen und große Parkplatzflächen stehen, soll langfristig ein gemischtes Stadtquartier entstehen. Der Bezirk hat dafür jetzt eine Entwicklung angestoßen, die bereits seit Jahren vorbereitet wird.
Multipolster, direkt neben der Roller-Filiale: Noch dominieren Stellplätze und gewerblich genutzte Flächen das Grundstück an der B1/B5. Der Bebauungsplan sieht hier langfristig Wohnungen und Gewerbe vor. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Am Übergang zwischen der B1/B5 und dem historischen Ortskern von Mahlsdorf könnte sich das Stadtbild in den kommenden Jahren deutlich verändern. Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf hat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan 10-135 gefasst. Auf dem rund 4,9 Hektar großen Areal rund um den Roller-Markt an der Hönower Straße soll langfristig ein gemischtes Quartier mit Wohnungen, Gewerbe und öffentlichen Nutzungen entstehen.
Ganz neu ist die Idee nicht. Bereits 2020 hatte der Eigentümer erste Entwürfe für eine Neubebauung des Grundstücks vorgelegt. Ende 2025 erklärte der Bezirk allerdings noch, dass weder ein Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan noch ein Bauantrag vorliege. Mit dem aktuellen Beschluss ist nun der nächste formale Schritt getan. Eine konkrete Bauplanung ist damit allerdings noch nicht beschlossen.
- Bezirk: Marzahn-Hellersdorf
- Grundstück: Alt-Mahlsdorf 24, 26, und Hönower Straße 9
- Derzeitige Nutzung: Einzelhandelsbetriebe und Fachmärkte
- Geplante Bebauung: Wohnhäuser und Gewerbeflächen
Mit „Handwerkermeile“: Wohnungen statt Fachmarktstandort
Das Areal ist heute als Sondergebiet für großflächige Einzelhandels- und Fachmärkte ausgewiesen. Neben dem Roller-Möbelmarkt befinden sich dort weitere Gewerbeflächen, großflächige Stellplätze und teilweise leerstehende Gebäude. Der Standort war ursprünglich entwickelt worden, um eine ehemalige Gewerbebrache mit Fachmärkten zu beleben.
Diese Nutzung soll sich nun grundlegend verändern. Der neue Bebauungsplan setzt auf eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe. Entlang der B1/B5 ist eine gewerbliche Nutzung in den Erdgeschossen vorgesehen, darüber sollen Wohnungen entstehen. Geplant ist unter anderem eine sogenannte „Handwerkermeile“ für kleinere und mittlere Unternehmen sowie Handwerksbetriebe.
Nach dem derzeitigen Planungsstand könnten auf dem Grundstück insgesamt rund 52.600 Quadratmeter Brutto-Grundfläche entstehen. Davon sind etwa 42.500 Quadratmeter für Wohnnutzungen vorgesehen, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Wie viele Wohnungen daraus letztlich entstehen, steht derzeit jedoch noch nicht fest.
Zum Waldowpark wird die Bebauung niedriger
Die geplante Bebauung soll sich zur bestehenden Nachbarschaft hin deutlich staffeln. Entlang der B1/B5 sind überwiegend vier Vollgeschosse mit einem Staffelgeschoss vorgesehen. Am Kreuzungspunkt von B1/B5 und Hönower Straße könnte ein Gebäude mit bis zu fünf Geschossen einen städtebaulichen Akzent am Ortseingang setzen.
Richtung Waldowpark nimmt die Höhe dagegen deutlich ab. Dort sind zwei- bis dreigeschossige Einfamilien- und Reihenhäuser vorgesehen. Begrünte Innenhöfe und gemeinschaftlich nutzbare Freiflächen sollen den Übergang zur kleinteiligen Bebauung Mahlsdorfs herstellen. Auch die Länge einzelner Gebäude soll begrenzt werden.
Vom großflächigen Fachmarktstandort geht der Blick auf die gewachsene Struktur Mahlsdorfs mit Kleinsiedlungen und Grünflächen. Die neue Planung sieht einen abgestuften Übergang zur Nachbarschaft vor. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Stadtteilbibliothek soll bleiben und deutlich größer werden
Eine wichtige Rolle spielt auch die Stadtteilbibliothek Mahlsdorf an der Hönower Straße. Bereits Ende 2025 hatte der Bezirk erklärt, dass die Bibliothek bei allen damals diskutierten Varianten erhalten bleiben sollte. Vorgesehen waren zu diesem Zeitpunkt mindestens 600 Quadratmeter Publikumsfläche statt der damals vorhandenen 260 Quadratmeter.
Die aktuellen Planungen gehen nun noch darüber hinaus: Die Bibliothek soll nach dem derzeitigen Stand um rund 1.050 Quadratmeter erweitert werden. Darüber hinaus sind in der Planungsskizze unter anderem ein Café, eine Apotheke, ein Sanitätshaus und eine Tanzschule vorgesehen. Für eine brachliegende Fläche nahe der Dorfkirche wird laut Marzahn-Hellersdorf LIVE außerdem ein Jugendclub als mögliche Nutzung geprüft.
Gewerbeareal in Mahlsdorf vor Neustart: Baubeginn und Fertigstellung noch offen
Der Aufstellungsbeschluss ist zunächst der Startpunkt für die weitere Planung. In den kommenden Verfahrensschritten wird unter anderem festgelegt, wie dicht und hoch gebaut werden darf, wie der Verkehr organisiert wird und welche Maßnahmen zum Schutz vor Lärm notwendig sind. Auch die künftige Infrastruktur des Quartiers muss noch genauer geplant werden.
Bevor daraus verbindliche Baurechte entstehen, ist zudem die Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen. Wann auf dem Areal tatsächlich die ersten Gebäude entstehen könnten, bleibt vorerst abzuwarten.
Quellen: Marzahn-Hellersdorf LIVE, Berliner Morgenpost, Mila Berlin, Stefan Ziller, Alles Mahlsdorf, Drucksache 19/24415

