Der südwestfranzösische Küstenort Le Porge ist nicht am Boden, sondern sehr lebendig – und das wollen seine Bewohner und Geschäftsleute auch zeigen. Am Freitagabend kamen Hunderte Menschen ganz in Weiß gekleidet an den Strand, um zu essen, zu trinken und damit jene zu unterstützen, die dringend Kundschaft brauchen: die Gastronomen, die seit den schweren Waldbränden Ende Juli einen dramatischen Umsatzeinbruch erleben. „Wir machen keinen Trauermarsch in Weiß, keine Rave-Party und kein Besäufnis, sondern das ist ein solidarischer Akt“, erklärte der Unternehmer Pierre-Alexandre Jeandel, der die Idee für die Veranstaltung hatte und in den sozialen Medien zu ihr einlud. In Videos stellte er zudem all jene vor, die auf Gäste warten: die Bäcker, die Bars, Restaurants und Surfschulen.

Le Porge in Südwestfrankreich: Der beißende Rußgeruch ist verschwunden

Le Porge gehört zu den Orten, die besonders unter dem Feuer-Inferno in der Region westlich von Bordeaux litten. Von den rund 240 Häusern, die insgesamt zerstört wurden, standen 183 in dem Dorf. Tausende Touristen und Einheimische mussten ihre Häuser und Ferienunterkünfte verlassen. Der Wald um die Gemeinde ist großflächig verbrannt.

In Le Porge wurden durch die Waldbrände im Südwesten von Frankreich zahlreiche Häuser zerstört.

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In Le Porge wurden durch die Waldbrände im Südwesten von Frankreich zahlreiche Häuser zerstört.
Foto: Katharina Kausche/dpa

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In Le Porge wurden durch die Waldbrände im Südwesten von Frankreich zahlreiche Häuser zerstört.
Foto: Katharina Kausche/dpa

Statt der für die Gegend typischen hohen Pinien ließen die Flammen nur noch schwarze, verkohlte Baumstämme zurück. Insgesamt 42.000 Hektar haben sie bei zwei gleichzeitig wütenden Großbränden nördlich der Bucht von Arcachon sowie weiter südlich bei Biscarrosse zerstört.
Inzwischen gelten sie als unter Kontrolle. Die Feuer sind eingedämmt, wenn auch noch nicht vollständig gelöscht. Die Aufräumarbeiten sind angelaufen und die Menschen in ihre Behausungen zurückgekehrt, sofern diese noch bewohnbar sind.

Aber dringlich ist für die Gegend auch, dass der verbleibende Teil der Sommersaison noch gerettet wird. Mehr als 40.000 Menschen im Departement Gironde leben vom Tourismus, der dort sieben Prozent zur Wirtschaftsleistung beiträgt. Für sie ist es entscheidend, dass auf die Feuer-Krise nicht noch eine wirtschaftliche folgt. „Le Porge ist ein kleines Dorf und wenn es nun den Geschäftstreibenden schlecht geht, hat das schlimme Folgen“, so Pierre-Alexandre Jeandel. Ähnlich geht es den anderen Ortschaften in der Gegend, die sonst im Sommer viele Touristen anziehen und immer noch ungewöhnlich leer sind, obwohl der beißende Ruß-Geschmack aus der Luft verschwunden ist. Der Himmel strahlt wieder klar und blau. Die dichte Rauchschicht, die ihn wochenlang überlagerte, ist verschwunden. 

Minister: „Wir wollen die Tourismus-Saison retten“

„Lasst uns nicht im Stich“, lautete ein Appell der örtlichen Union der Hotel- und Gaststättenberufe und -industrien Umih. Rund 2000 Unternehmen, die meisten von ihnen in der Tourismus-Branche tätig, haben das Angebot der Regierung angenommen und Kurzarbeit beantragt. Insgesamt 20.000 Angestellte sind davon betroffen. Einen allgemeinen staatlichen Ausgleich für Umsatzeinbußen gibt es nicht, aber Erleichterungen bei Sozialabgaben, steuerliche und finanzielle Hilfen. „Die Tourismus-Saison in den betroffenen Regionen ist nicht vorbei, wir wollen sie retten und können das auch“, versicherte Serge Papin, Minister für Handel, Handwerk und Tourismus.

Die Campingplätze, hier eine Anlage bei Lacanau in der Region Gironde, erwarten wieder Urlauber.

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Die Campingplätze, hier eine Anlage bei Lacanau in der Region Gironde, erwarten wieder Urlauber.
Foto: Katharina Kausche/dpa

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Die Campingplätze, hier eine Anlage bei Lacanau in der Region Gironde, erwarten wieder Urlauber.
Foto: Katharina Kausche/dpa

„Kommt zurück!“, titelte die Tageszeitung „Le Parisien“, die im Inneren Reportagen aus jenen Gemeinden um die stark von den Bränden betroffene Landzunge Cap Ferret veröffentlichte. „Bitte schreiben Sie in Ihrer Zeitung, dass alles bereit für die Gäste ist“, wird der Leiter des Campingplatzes „Pasteur“ im Örtchen Arès, Jean-Marie Ducamin, zitiert. „Das Wetter ist perfekt. Die schönen Bilder der Bucht, die wir so lieben, sind immer noch da.“ Von 150 Campingplätzen im Departement Gironde sind nur noch zwei geschlossen.

Die Reservierungen in den von Bränden betroffenen Orten steigen langsam wieder

Tatsächlich berichten viele Hoteliers von einer steigenden Zahl an Reservierungen für die nächsten Tage und Wochen, während es kaum mehr Stornierungen gibt. Die ersten, die zurückkommen, seien Menschen aus der Region, sagt Sophie Rocher, Betreiberin des „Hôtel du Porge“. „Die Leute rufen an, weil sie teils einfach nur ein paar Tage oder ein Wochenende kommen wollen, um uns zu unterstützen.“

Hinzu kommt prominente Hilfe. Mehrere Stars, die in der Region verwurzelt sind, unter ihnen die Schauspielerin Laura Smet und der Regisseur Guillaume Canet, riefen in den sozialen Netzwerken dazu auf, Urlaub in der Gegend zu machen, um sie zu unterstützen, oder Geld für Hilfsorganisationen vor Ort zu spenden. Er bleibe trotz allem positiv gestimmt, sagte der Sternekoch Thierry Marx, Vorsitzender der nationalen Union der Hotel- und Gaststättenberufe und -industrien Umih. „Man muss den Touristen sagen, dass sie kommen sollen. Lasst diese Regionen nicht hängen, seid vorsichtig, aber kommt!“