Am Flughafen München räumt Lufthansa auf. Nach dem Aus der Regionaltochter Lufthansa Cityline werden mehrere geparkte Jets an andere Airports verlegt. Besonders viele CRJ900 gehen nach Saarbrücken, ein Teil der A319 nach Berlin. Hintergrund sind der Lufthansa zufolge Kapazitäts- und Kostengründe – dabei geht es vor allem auch ums Parken.

Am 16. April hatte die Lufthansa überraschend mitgeteilt, dass sie ihre Tochtergesellschaft schneller abwickeln will als geplant. 27 Maschinen der Flotte blieben daraufhin am Boden, das Personal wurde freigestellt. Der Finanzvorstand des Konzerns, Till Streichert, hatte den Schritt mit der aktuellen geopolitischen Lage – dem Irankrieg, Streiks sowie hohen Treibstoffkosten begründet. Die Cityline hat deutschlandweit an die 1.300 Beschäftigte. Lufthansa hat mit der Stilllegung der Cityline bis Oktober um die 20.000 Kurzstreckenflüge gestrichen.

Flughafen München: Welche Cityline-Flieger werden verlegt – und wohin

Für die Maschinen der Flotte heißt es seither: Stillstand. Sie parkten in München und Frankfurt. Mehrere Flugzeuge sind nach Angaben des Branchenmagazins Aerotelegraph in letzter Zeit aber bewegt worden. Demnach sind Maschinen der Cityline-Frachtflotte ins Ausland verlegt worden. Eine Maschine sei über Sofia nach Malta geflogen, so das Magazin. Eine zweite stehe noch für Wartungsarbeiten in Sofia.

Die restlichen Flugzeuge bleiben bislang in Deutschland: Insgesamt 16 Maschinen vom Typ Bombardier CRJ 900 würden bis Ende Juli nach Saarbrücken verlegt, bestätigt die Lufthansa auf Anfrage. Sechs der kanadischen Kurzstreckenjets stehen nach Lufthansa-Angaben in Klagenfurt.

Warum zieht ein Großteil der Flotte überhaupt nach Saarbrücken um? Offenbar sind die Parkgebühren dort günstiger als in München. Direkt bestätigen will das der Konzern nicht. „Im Zuge der vorläufigen Betriebsstilllegung von Lufthansa Cityline hat Lufthansa entschieden, die in ihrem Eigentum stehenden Flugzeuge aus Kapazitäts- und Kostengründen an verschiedenen Flughäfen zu parke“, sagt eine Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion.

Flughäfen erheben für das Abstellen von Luftfahrzeugen eigene Entgelte, die in sogenannten Entgeltordnungen individuell an den Flughäfen geregelt sind. Für Airlines kann es sich daher lohnen, längere Abstellungen an Standorte mit günstigeren Konditionen und weniger Betrieb zu verlagern. An großen Drehkreuzen wie München sind Abstellplätze dagegen knapper und werden für den laufenden Betrieb benötigt. „Das Abstellentgelt beträgt pro angefangene 24 Stunden und pro angefangene 1.000 kg der Höchstabflugmasse 4 Euro,“ heißt es in der Entgeltordnung des Airports Saarbrücken. Am Flughafen München gilt seit Beginn des Jahres eine neue Entgeltordnung. Darin werden für die gleichen Konditionen 7,45 Euro aufgeführt. Wie allerdings die konkreten Vereinbarungen zwischen der Lufthansa und den Flughäfen aussehen, ist nicht öffentlich bekannt.

Das passiert mit den Cityline-Maschinen, die in München bleiben

Modelle vom Typ Airbus 319 sind ebenfalls München nach Berlin verlegt worden. Daten von „AirNav-Radar“ legen nahe, dass im August sieben Maschinen von München nach Berlin umgezogen sind oder es noch werden. Die Lufthansa bestätigt nur, dass sich mehrere dieser Maschinen in Berlin befinden würden. Eine konkrete Zahl, wie viele dort abgestellt sind, nennt das Unternehmen nicht. Die übrigen sechs Airbus A319 verblieben vorerst in München, so die Lufthansa-Sprecherin.

Kleiner als München: Der Flughafen in Saarbrücken.

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Kleiner als München: Der Flughafen in Saarbrücken.
Foto: Oliver Dietze, dpa

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Kleiner als München: Der Flughafen in Saarbrücken.
Foto: Oliver Dietze, dpa

Was mit diesen Maschinen am Münchner Flughafen passiert, lässt sich auf Flugtrackingdiensten gut nachvollziehen. Sie sind mit sogenannten Platzrunden regelmäßig für 30 bis 40 Minuten in München in der Luft. Diese Flüge werden üblicherweise für Wartungen und Kontrollen vorgenommen.

Für den Flughafen München hatten die Streichungen der Lufthansa direkte Konsequenzen. Bisher bediente die Cityline von hier aus zahlreiche europäische Strecken und innerdeutsche Verbindungen. Sie war zentraler Zubringer für das weltweite Langstreckennetz der Lufthansa. Die Flugrouten der Cityline sollen künftig von der neu gegründeten Tochtergesellschaft „Lufthansa City Airlines“ bedient werden. Diese arbeitet nicht mit den klassischen Gewerkschaften UFO für das Kabinenpersonal oder der Vereinigung für die Piloten Cockpit, was bei Arbeitnehmervertretern auf Widerstand trifft.

Der Flughafen München teilt auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass sich die Einschränkungen nur schwer beziffern ließen. „Dies liegt insbesondere daran, dass der Zeitraum der Einstellung des Flugbetriebs mit dem Höhepunkt der Nahostkrise zusammenfiel. Infolgedessen wurden die Flugverbindungen von und in diese Region erheblich reduziert. Dies führte dazu, dass im ersten Halbjahr am Flughafen München sowohl die Zahl der Passagiere als auch die Anzahl der Flugbewegungen unter dem Niveau des Vorjahres lagen“, sagt ein Sprecher. Grundsätzlich würden am Flughafen nur selten Maschinen über einen längeren Zeitraum abgestellt, so der Sprecher. „Die betroffenen Flugzeuge sind derzeit in Lufthansa-Bereichen abgestellt und haben keine Auswirkungen auf den laufenden Flugbetrieb oder die täglichen operativen Abläufe am Flughafen“, sagt er.

Lufthansa unter Druck: Gewinn des Unternehmens eingebrochen

Einige der Bombardier-Jets hätten nach Konzernangaben das Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit ohnehin schon fast erreicht. Sie würden ausgeflottet und so die Betriebsausgaben des Unternehmens senken, hieß es im Frühjahr. Eine Maßnahme, die sich in der Lufthansa-Bilanz bisher nicht niederschlägt. Am Dienstag (4. August) sprach Vorstandschef Carsten Spohr von einem möglichen Gewinnrückgang. (mit dpa)