Plakate gegen Rassismus an einer Schule in München.

AUDIO: Neue Beratungsstelle in Leipzig will Lehrern helfen (Symbolbild) (3 Min)

Prävention

Stand: 11.08.2026 16:21 Uhr

Rassistische Beleidigungen auf dem Schulhof und Hakenkreuze auf der Schulbank – menschen- und verfassungsfeindliche Vorfälle häufen sich an Sachsens Grundschulen. Eine Befragung unter Lehrkräften und Schulleitungen in Leipzig und den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen zeigen bedenkliche Ergebnisse. Demnach ist die Dunkelziffer bei solchen Fällen wohl noch deutlich höher als die ans Schulamt gemeldeten Zahlen. Eine neue Bildungsstelle soll Lehrkräften und Schulen helfen damit umzugehen.

von Philipp Brendel, MDR SACHSEN

Ein Handy liegt auf einer Laptoptastatur. Das Display zeigt das Google Logo

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Ausgrenzung und Diskriminierung – das seien die häufigsten gemeldeten Vorfälle, die Lehrkräfte aus Grundschulen in Leipzig und den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen in einer Befragung angaben, sagte Anna Schüller. Sie ist Projektkoordinatorin der neuen Bildungs- und Beratungsstelle „Hand“, die eine Anlaufstelle für Grundschulen der Stadt Leipzig sein möchte.

Das Erich Zeigner Haus in Leipzig

Das Erich-Zeigner-Haus in Leipzig hat eine neue Beratungs- und Bildungsstelle für Grundschulen eröffnet.

Dunkelziffer verfassungfeindlicher Vorfälle wohl höher

Bei der stichprobenartigen Befragung, auf die rund 180 Lehrkräfte antworteten, seien teilweise erschreckende Ergebnisse herausgekommen, erklärte Schüller. So sei davon auszugehen, dass die Dunkelziffer bei menschen- und verfassungsfeindlichen Vorfällen deutlich höher ist als die ans Schulamt gemeldeten Vorfälle.

So hätten etwa 60 Prozent der Lehrkräfte berichtet, dass sie Diskriminierung von ausländisch gelesenen Menschen an der Schule beobachtet hätten. Etwa beleidigten Kinder andere Kinder als „Ausländer“ oder als „Du Jude“, so Schüller. Zudem würden Whitepower oder der Hitlergruß in der Schule gezeigt. Kinder kritzelten Hakenkreuze in Mathehefte oder bastelten welche aus Lego.

Schwelle hoch, Vorfälle zu melden

Wie aus der Untersuchung hervorgeht, sind viele der befragten Lehrkräfte im Umgang mit solchen Vorfällen verunsichert. So haben auf die Frage „Ich habe Sorge, zur Zielscheibe zu werden, wenn ich mich gegen rechtsextreme Haltungen engagiere“, etwa ein Drittel mit einer starken oder teilweisen Zustimmung reagiert.

Diese Ergebnisse machten auch deutlich, warum manche Fälle von Diskriminierung und Ausgrenzung nicht gemeldet würden, so Schüller. „Entweder ist die Schwelle zur Schulleitung zu gehen möglicherweise zu hoch“, erklärt die Projektkoordinatorin. „Oder die Lehrkräfte fühlen sich mit so einer Situation überfordert, entsprechend zu reagieren.“

Lehrer wünschen sich Beratungen und Materialien

Viele Lehrkräfte wünschten sich deswegen auch konkrete Handlungsempfehlungen, erklärte Schüller. „Ein zentrales Ergebnis ist, dass sie sich Fortbildungen, Materialien und Workshops wünschen.“

Anna Schüller

Anna Schüller begleitet Lehrerinnen und Lehrer im Projekt „Hand“ im Erich-Zeigner-Haus.

Wir beraten die Lehrkräfte auch im Hinblick, wenn ein konkreter Vorfall auftritt an ihrer Schule und wie sie dann vorgehen können.

Anna Schüller | Projektkoordinatorin

Und daran wolle das Erich-Zeigner-Haus nun ansetzen mit der neuen Beratungsstelle. „Wir beraten die Lehrkräfte auch im Hinblick, wenn ein konkreter Vorfall auftritt an ihrer Schule und wie sie dann vorgehen können“, verdeutlichte Schüller. Zudem würden Angebote zur Prävention sowie Workshops und Beratungen vermittelt. Bei allem, was kritisch zu sehen ist – eine Erkenntnis der Befragung stimme sie optimistisch, sagte Schüller: „Es gibt demokratische Lehrkräfte an unseren Schulen. Sie sind gefestigt und demokratisch.“

Viele Bücher und Prospekte auf einem Tisch

Im Erich-Zeigner-Haus in Leipzig gibt es breites Angebot auch an Weiterbildungsmaterialien für Lehrkräfte zum Thema verfassungs- und menschenfeindliche Vorfälle.

Uni-Dozentin: Mit Prävention frühzeitig ansetzen

Von den Ergebnissen der Stichprobe ist Heike Rauhut nicht überrascht. Sie arbeitet in der Lehrkräfteausbildung der Uni Leipzig und ist Kooperationspartnerin im Projekt. So gebe es entsprechende Rückmeldungen von Lehramtsstudenten aus Schulpraktika. „Das deckt sich mit vielen Berichten und Beschreibungen von Studierenden, die Beobachtungen machen von rechtsextremen Codes und die Vorfälle beobachten von Diskriminierung auch von Seiten der Lehrkräfte gegenüber Kindern“, erklärte Rauhut. Auch viele Studierende fragten nach Hilfen, wie sie auf solche Situationen reagieren könnten.

Heike Rauhut

Es gebe sehr großen Nachholebedarf für Weiterbildungen für Lehrkräfte wenn es um Alltagsrassismus und Verschwörungserzählungen geht, sagt Heike Rauhut.

Wir wissen aus der Forschung, dass Kinder nicht politikfern sind, sondern ein sehr starkes Wissen haben.

Heike Rauhut | Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Universität Leipzig

Gerade in den Grundschulen sollte Prävention früh ansetzen, so Rauhut. „Wir wissen aus der Forschung, dass Kinder nicht politikfern sind, sondern ein sehr starkes Wissen haben.“ Politische Haltungen der Eltern würden bereits im Grundschulalter übernommen. „Es geht darum, aktuelle gesellschaftliche Themen, die Kinder in die Schule hineintragen, zu thematisieren und ihnen diese Themen zugänglich zu machen.“ Rauhut zufolge gibt es einen sehr großen Nachholbedarf für Weiterbildungen von Lehrkräfte, um etwa Alltagsrassismus und Verschwörungserzählungen zu erkennen.

Finanzierung bis Ende des Jahres gesichert

Das neue Beratungs- und Bildungsangebot von Uni Leipzig, Schulamt und Erich-Zeigner-Haus soll dazu beitragen. Lehrkräfte, die Gesprächsbedarf haben oder Unterstützung suchen, können sich an das Erich-Zeigner-Haus wenden. Die Finanzierung des Pilotprojekts ist bisher bis Ende des Jahres durch die Stadt gesichert.

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