Wegen der fließenden Grenzen soll nicht nur in der Stadt Augsburg, sondern auch im Landkreis Augsburg das Hohe Friedensfest gefeiert werden. Dafür macht sich die V-Partei3 im Landkreis stark. Doch so einfach ist das nicht.
Friedensfest: Stadt und Land sind ein gemeinsamer Lebensraum, argumentiert die V-Partei³
Nach Auffassung der V-Partei³ spiegelt die derzeitige Regelung die Lebenswirklichkeit der Region nicht mehr wider. Stadt und Landkreis würden einen gemeinsamen Wirtschafts-, Kultur- und Lebensraum bilden. Täglich pendeln zehntausende Menschen zwischen Stadt und Landkreis, zahlreiche Behörden, Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Vereine werden von Bürgerinnen und Bürgern beider Gebietskörperschaften gleichermaßen genutzt, viele gemeinsame Verbünde wie AVV haben sich bewährt.
„Das Hohe Friedensfest steht heute für Frieden, Demokratie, Religionsfreiheit, Toleranz und den Dialog zwischen Menschen unterschiedlichster Herkunft und Weltanschauung. Diese Werte gelten nicht nur innerhalb der Stadtgrenzen, sondern für die gesamte Region Augsburg“, erklärten Stadtrat Roland Wegner und Kreisrätin Andrea Abold.
Friedensfest Augsburg: Das müsste passieren, damit der Landkreis den Feiertag bekommt
Damit der besondere Feiertag auch auf den Landkreis Augsburg ausgedehnt wird, müsste der Landtag das Feiertagsgesetz ändern. Der Anstoß dazu kann aus der Mitte des Landtags, von der Staatsregierung oder durch Volksbegehren kommen. Das Feiertagsrecht fällt in die Gesetzgebungskompetenz der Länder.
Gemeinden, Städte oder auch Landkreise können die Einführung oder auch den Wegfall eines Feiertags nicht selbst regeln. Das obliegt ausschließlich dem jeweiligen Landesgesetzgeber. Was sagen Landtagsabgeordnete aus dem Landkreis dazu?
Zusätzlicher Feiertag für den Landkreis: Das sagen Landtagsabgeordnete dazu
„Das Augsburger Friedensfest ist ein starkes Zeichen für Frieden und Zusammenhalt – und gerade deshalb sollte es dort verankert bleiben, wo seine Geschichte und Identität liegen: in der Stadt Augsburg“, sagt Carolina Trautner (CSU). Friedliches Miteinander müsse jeden Tag gelebt werden. „Entscheidend ist nicht, ob wir einen weiteren freien Tag haben, sondern ob die Menschen bereit sind, Toleranz, Respekt und gegenseitige Verständigung im Alltag zu leben.“
Genau das geschehe bereits an vielen Stellen im Landkreis Augsburg. „Das ist aus meiner Sicht der richtige Weg, um die Werte des Friedensfestes mit Leben zu füllen. Deshalb lehne ich eine Ausweitung des Friedensfestes auf den Landkreis Augsburg ab. Das ist ausdrücklich keine Absage an die Bedeutung des Friedensgedankens für die gesamte Region. Im Gegenteil: Die Botschaft des Friedensfestes sollte weit über die Stadtgrenzen hinaus wirken.“ Das Friedensfest müsse nicht größer werden, um stärker zu wirken.
Wer hat die meisten Feiertage in Deutschland?
Die Feiertage im Bundesland-Vergleich:
- Bayern: 13 bis 14 Feiertage (je nach Gemeinde und Stadt Augsburg)
- Baden-Württemberg und das Saarland: jeweils 12 Feiertage
- Nördliche und östliche Bundesländer (etwa Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein): jeweils 10 Feiertage
Der Grünen-Abgeordnete Maximilian Deisenhofer hält die Umsetzung für schwierig: „In Zeiten von ausbleibendem Wirtschaftswachstum müssen wir eher froh sein, wenn der deutschlandweit einzigartige Feiertag für die Stadt Augsburg erhalten bleibt.“ Auch die Ex-Staatsministerin Trautner hat die Wirtschaft im Blick: „Gerade für unsere mittelständisch geprägte Region bedeutet ein weiterer arbeitsfreier Tag zusätzliche Kosten und einen entsprechenden Ausfall an Arbeitsleistung. Unternehmen, Handwerk und Dienstleister stehen ohnehin vor großen Herausforderungen.“
Landtagsabgeordneter Anton Rittel: Zusätzlicher Freier Tag trifft Betriebe im Augsburger Umland
Anton Rittel (Freie Wähler) sagt: „Gerade Handwerk, Mittelstand und viele Arbeitgeber stehen ohnehin unter enormem Druck: Fachkräftemangel, hohe Lohnnebenkosten, steigende bürokratische Anforderungen. Ein zusätzlicher arbeitsfreier Tag würde die Betriebe im Augsburger Umland unmittelbar treffen, ohne dass diese Kommunen historisch Teil des Friedensfestes sind. Deshalb würde ich nicht den Feiertag ausweiten, sondern die Botschaft dahinter. Wenn wir den Feiertag einfach im Landkreis übernehmen, hätten zwar mehr Leute frei. Aber die Welt ist deshalb nicht einen Deut friedlicher.“ Die Geschichte des Friedensfestes gehöre zu Augsburg. Seine Botschaft könne aber weit über die Stadt und unsere Region hinauswirken. Rittel: „Das wäre für mich der richtige Weg: Den besonderen Augsburger Feiertag und seine Geschichte bewahren, aber seine Botschaft weit über die Stadtgrenzen hinaustragen. Denn für Frieden braucht es nicht zwingend einen zusätzlichen arbeitsfreien Tag. Es braucht Menschen, die ihn leben.“