Bereits im Kindesalter wusste sie, dass sie ihn eines Tages heiraten würde. Ehe Maite Itoiz und John Kelly 2001 tatsächlich vor den Traualtar treten sollten, machte sie sich als Sopranistin einen Namen – während er mit der Kelly Family eine ganze Generation prägte. Heute arbeiten und leben sie zusammen. Warum das eine nicht ohne das andere geht, haben sie uns verraten.
„Wir kommen aus unterschiedlichen Musikwelten“, sagt Maite Itoiz. Der verschiedenen Wurzeln zum Trotz feiern John Kelly und sie dieses Jahr ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum als Duo und ihre Silberhochzeit. Anlässlich der Jubiläen erscheint am 25.09. das gemeinsame Album „Best of 20 Years“, zudem startet bald die Anniversary Tour des Ehepaars.
Im Interview mit unserer Redaktion sprechen Maite und John über ihre musikalischen und familiären Einflüsse. Zudem teilen sie ihre persönlichen Wahrnehmungen der Kelly-Family-Zeit.
Frau Itoiz, Herr Kelly, in 2026 feiern Sie beide Ihre Silberhochzeit und Ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum als Duo. Zusammenleben und zusammenarbeiten: Würde das eine ohne das andere nicht gehen?
Maite Itoiz: Ich stimme Ihnen zu: Das eine würde ohne das andere bei uns nicht funktionieren. Wir kommen aus unterschiedlichen Musikwelten. Wäre ich mit John nicht privat liiert, würde ich heute wahrscheinlich nur mit klassischen Musikerinnen und Musikern zusammenarbeiten. Ende der 90er haben wir beide ein Duett unplugged aufgenommen – nur so zum Spaß. Unsere Familien hat das Lied sehr berührt. Das war der Impuls, um uns auch beruflich zusammenzutun.
John Kelly: Natürlich sollte die Liebe immer an erster Stelle stehen. Das ist bei uns natürlich der Fall. Hinzu kommt, dass wir denselben Beruf haben. Auch wenn wir unterschiedliche musikalische Wurzeln haben, hilft das enorm. Der eine versteht sofort, was der andere meint.
John, stimmt es, dass Maite Ihnen bereits im Kindesalter prophezeit hat, dass Sie beide eines Tages heiraten werden?
Kelly: (lacht) Ja, die Geschichte ist tatsächlich wahr. Wissen Sie, ich glaube fest daran, dass es zwischen zwei Menschen eine Seelenverwandtschaft geben kann. Man trifft auf eine Person und es fühlt sich an, als würde man sie schon aus einem anderen Leben kennen.
John Kelly von Schwestern verkuppelt
Seit wann kennen Sie sich?
Kelly: Seit etwas mehr als 50 Jahren – Maite war damals ein Jahr alt, ich war acht. Das war die erste Begegnung unserer Familien, bei unserer zweiten war Maite sechs. Natürlich habe ich mich als damals 14-Jähriger nicht in ein viel jüngeres Mädchen verliebt. Aber sie hinterließ als Person einen Eindruck bei mir, weil sie schon in jungen Jahren eine eigene, sehr starke Identität hatte. Maite wusste schon damals, was sie wollte. Es sollte dann 15 weitere Jahre dauern, bis wir uns wiedersahen. Meine Schwestern hatten das Treffen organisiert, weil ich zu schüchtern war (lacht).
Bald erscheint Ihr Duett-Album. Wie groß war die Herausforderung, Auszüge Ihres gesamten Repertoires von der Kelly Family bis Elfenthal auf einem Werk zu vereinen?
Itoiz: Wir haben versucht, unseren verschiedenen musikalischen Projekten Raum zu geben und nostalgische Lieder zusammenzustellen. Dabei ging es uns nicht viel anders als bei der Planung unserer Auftritte. Ein Konzert dauert nur circa zwei Stunden, doch wir haben so viel Material. Manchmal ist es gar nicht so leicht, sich zu entscheiden.
Kelly: Letztendlich ist unsere Wahl auf 24 Lieder gefallen, die auf zwei CDs bzw. zwei Vinyls aufgeteilt worden sind. Darunter sind auch ein paar neue Lieder und zwei bisher unveröffentlichte Songs, die unsere Fans aber schon von unseren Live-Auftritten kennen. Sie lieben diese Songs – und jetzt haben wir sie endlich aufgenommen.
John, warum spielt die Kelly Family nach wie vor eine so große Rolle in Ihrem Leben, dass Sie noch heute deren Songs singen?
Kelly: Weil es mir nach wie vor Spaß macht. Und vor allem, weil ein Teil unseres Publikums aus Kelly-Fans besteht. Ich schätze, die Hälfte sind John-Kelly-Fans. Es sind auch nur ein paar Kelly-Songs drauf. Ich habe sie damals selbst komponiert. Obwohl ich sie mit meinen Geschwistern gesungen habe, sind es doch sehr persönliche Lieder. Der Rest des Albums besteht aus einem Song-Mix unserer verschiedenen Formationen – von unserer Symphonic-Rock-Band Elfenthal bis Kingdom of Navarre. Bei diesem Projekt ist meine Frau die Expertin, ich bin damals nur dazugestoßen.
Itoiz: Bei Kingdom of Navarre liegt der Fokus auf historischen Liedern, während es sich bei Autumn Melody, ein relativ junges Format, um ein akustisches Live-Programm handelt. Auch das findet auf unserem Best-of statt.
John Kelly: „Maite ist die Leaderin“
Kelly: Sogar Country-Elemente haben wir einfließen lassen. Dass unser Repertoire aus so vielen verschiedenen Musikrichtungen besteht, hat viel mit Maite zu tun. Ich komme eher aus dem Folk-Rock, während Maite für Klassik und Flamenco, aber auch für Rock-Metal steht. Sie hat das musikalische Know-how und ist die Leaderin. Mit dieser Rollenverteilung fühle ich mich wohl. Diese musikalische Gesamtverantwortung will ich gar nicht tragen.
Was unterscheidet einen John-Kelly-Fan von anderen Kelly-Fans?
Kelly: Damit wollte ich nur sagen, dass jeder Kelly-Fan – und es waren sehr viele – damals seinen Lieblings-Kelly hatte, mit dem sie oder er sich am meisten identifizierte.
Maite, wie denkt eine klassisch veranlagte Sängerin wie Sie über die Musik der Kelly Family?
Itoiz: Mein Vater war ein Gitarrenspieler [Carlos Itoiz verstarb 2020 im Alter von 87 Jahren; Anm. d. Red.], meine Mutter eine Sängerin. Ich bin also mit Musik und verschiedenen musikalischen Einflüssen aufgewachsen – auch wenn ich letztlich Opernsängerin geworden bin. In meiner Erinnerung waren die Kellys am Anfang eher volkstümlich unterwegs. Damals war ich noch sehr jung. Später, in den 90ern, war ich dann positiv überrascht. Plötzlich strahlte die Kelly Family eine unglaubliche Energie aus. Auf einmal waren sie wild und hatten lange Haare. Ich dachte: „Was ist das?“, aber ich mochte das.
Wie denken Sie heute über Kelly-Witze?
Kelly: Die Kelly Family hatte eine Wirkung, der man sich nur schwer entziehen konnte – ob man wollte oder nicht. Wir Menschen beurteilen ständig, ohne jemanden wirklich zu kennen. Ich möchte mich da gar nicht ausnehmen: Auch ich habe schon andere Künstlerinnen und Künstler beurteilt, obwohl ich sie nur aus dem Fernsehen kannte. Als ich sie dann später kennenlernen durfte, entsprachen sie meistens überhaupt nicht mehr dem Bild, das ich vorher von ihnen hatte. Auch wenn ihre oder seine Musik vielleicht nicht mein Ding ist, kann ich die Person doch trotzdem mögen.
Itoiz: Manchmal muss man aber auch ein komplettes Konzert erlebt haben, um wirklich zu wissen, ob man die Musik mag oder nicht.
Kelly: Das stimmt. Jedenfalls habe ich gelernt, so etwas nicht persönlich zu nehmen. Wenn jemand nicht mag, was Maite und ich machen, dann ist das okay. Wenn aber jemand versucht, einen Menschen gezielt fertigzumachen, dann ist es eine andere Situation. Dafür habe ich kein Verständnis.
Ihre aktuelle Elfenthal-Single heißt „Passengers“. Wir sind alle nur Passagiere auf der Erde, und doch gehen wir Menschen mit unserem Planeten nicht gut um. Wie wütend macht Sie das, Frau Itoiz? Sie haben den Song komponiert.
Itoiz: Es stimmt mich eher traurig. Das Lied soll uns daran erinnern, dass unsere Erde ein einziges Wunder ist. Sie ist unser Schatz und – im übertragenen Sinne – unser Raumschiff, in dem wir alle gemeinsam sitzen. Wir sollten uns glücklich schätzen, dass wir hier zu Gast sein dürfen. Oft vergessen wir das, was wir haben.
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Kelly: Der Mensch neigt dazu, Dinge zu verkomplizieren. Vieles könnte einfacher sein. Und ich glaube, dass man aus dem Negativen auch immer etwas Positives herausziehen kann. Man kann daraus lernen. Mir fällt auf: Überall, wo der Mensch seine Finger nicht im Spiel hat, läuft es in die richtige Richtung – sei es in der Tierwelt oder seien es die Wolken, die einfach weiterziehen. Greift aber der Mensch ein, hat es häufig die Zerstörung zur Folge. Maite und ich haben das große Glück, mit unserer Musik Harmonie zwischen Menschen schaffen zu können. Musik kann helfen.
„Ich habe sowohl unter Brücken als auch in den teuersten Hotels geschlafen. Beide Erfahrungen waren wichtig.“
John Kelly über seine prägende Kelly-Family-Zeit
Spricht da ein echter Kelly aus Ihnen, der zunächst ganz ursprünglich und mit einfachen Mitteln als Straßenmusiker angefangen hat?
Kelly: Natürlich hat mich die Kelly-Family-Zeit sehr geprägt. Ich habe sowohl unter Brücken als auch in den teuersten Hotels geschlafen. Beide Erfahrungen waren wichtig.
Für meine Eltern war es nie ein Antrieb, bekannt oder reich zu werden. Berühmtheit und Geld war für sie nur ein Werkzeug, um mit ihrer Musik möglichst viele Menschen erreichen zu können.
Daher werden Sie auch kaum Interviews meiner Eltern finden. Meine Mutter hat nie Interviews gegeben, von meinem Vater gibt es maximal drei oder vier. Sie brauchten das einfach nicht. In erster Linie glaubten sie an Liebe – auch im göttlichen Sinne. Insofern bin ich mir sicher, dass meine eigentliche Prägung noch weiter zurückliegt, also vor der Straßenmusiker-Zeit.
Wie waren Ihre Eltern wirklich? Ihre Mutter, Barbara-Ann Kelly, starb früh mit 36, Ihr Vater Anfang der 2000er mit 71 …
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Kelly: Für mich waren sie einmalig! Die Mutterliebe war bei meiner Mama besonders stark ausgeprägt. Und mein Vater war ein sehr ehrlicher Mensch, bei dem die Wahrheit an erster Stelle stand. Ob man ihn mochte oder nicht: Bei ihm wusste man immer, woran man war – weil er einem alles direkt ins Gesicht sagte. Beide haben meinen Geschwistern und mir Demut mit auf den Weg gegeben. Und Demut ist eine Rettung für jeden von uns. Wir kommen alleine und wir gehen alleine – mit nichts in der Hand.
Über die Gesprächspartne
- Maite Itoiz ist eine aus Navarra stammende spanische Sopranistin, klassische Gitarristin, Komponistin und Produzentin. Als Opernsolistin trat sie zusammen mit Größen wie Anna Maria Kaufmann auf, ihr Vater Carlos galt als begnadeter Flamenco-Gitarrist. Seit 2006 leitet Itoiz die Formation Elfenthal, die sie mit ihrem Mann John Kelly gegründet hat.
- John Kelly ist ein in Spanien geborener irisch-US-amerikanischer Sänger und Komponist. Er ist Mitbegründer der Kelly Family, deren Frontmann er in den ersten acht Jahren der Band war. In seine Kelly-Ära fallen Nummer-1-Hits wie „The Last Rose of Summer“ oder „Who’ll come with me“.
Maite Itoiz & John Kelly Tourneedaten 2026
- 24. Sep. Celle CD-Kaserne
- 25. Sep. Emden Festspielhaus
- 26. Sep. Bad Oeynhausen Theater im Park
- 27. Sep. Berlin Ernst Reuter Saal
- 29. Sep. Lübeck Kolosseum
- 30. Sep. Osterode a. Harz Stadthalle
- 01. Okt. Bad Orb Konzerthalle
- 02. Okt. Halle Steintor Varieté
- 03. Okt. Magdeburg Altes Theater
- 04. Okt. Osterholz Scharmbeck Stadthalle
- 06. Okt. Soest Stadthalle
- 07. Okt. Rheine Stadthalle
- 08. Okt. Euskirchen Stadttheater
- 09. Okt. Mannheim Capitol
- 10. Okt. Neunkirchen Neue Gebläsehalle
- 11. Okt. Aalen Stadthalle
- 13. Okt. Neu Isenburg Hugenottenhalle
- 14. Okt. Wetzlar Stadthalle
- 15. Okt. Limbach Oberfrohna Stadthalle
- 16. Okt. Nürnberg Kleine Meistersingerhalle
- 17. Okt. Bad Neustadt Stadthalle
- 18. Okt. Hof Freiheitshalle