Stacheldraht, Stachelmatten und Beton – der Mauerbau in Bildern
Stand: 11.08.2026 13:04:01

Am frühen Morgen des 13. August 1961 riegeln rund 10.000 Volks- und Grenzpolizisten Berlin ab. Sie reißen Straßen auf und errichten aus Steinen und Asphalt erste Barrikaden. Einen Tag später folgen die ersten Stacheldrahtabsperrungen – der Mauerbau beginnt. Die geheime Militäroperation mit dem Codenamen „Aktion Rose“ hatte das Ziel, die massenhafte Flucht von DDR-Bürgern in den Westen sofort zu stoppen.
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In Straßen direkt an der Sektorengrenze nutzen Anwohner das Chaos der ersten Stunden, um noch zu Fuß in den Westen zu kommen. Hier in der Bernauer Straße liegt die Häuserfront im Osten, der Bürgersteig davor aber schon im Westen. Diese Anwohnerinnen und Anwohner nehmen mit was sie tragen können und rennen rüber. Allein am 13. August 1961 gelingt noch 800 Menschen die Flucht nach West-Berlin.
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West-Berlinerinnen und West-Berliner beobachten den Bau der Grenzanlagen an der Harzer Straße. Hier entsteht eines der kompliziertesten und gefährlichsten Grenzgebiete Berlins, denn die offizielle Sektorengrenze zwischen Treptow (Ost-Sektor) und Neukölln (West-Sektor) verläuft exakt an der Außenwand der östlichen Häuserzeile. Deshalb werden die Häuser im Osten ab September 1961 zwangsgeräumt, die Fenster und Türen zur Harzer Straße hin komplett zugemauert. Ab 1963/64 werden die Häuser abgerissen.
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Das Ende der West-Einkäufe: Viele Ost-Berliner haben vor dem Mauerbau oft in West-Berlin eingekauft. Das war günstiger, außerdem gab es Südfrüchte und Sonderwaren. Mit dem Mauerbau fällt dieser Annehmlichkeit auf einen Schlag weg. Auf diesem Bild reicht eine Westberlinerin einer Ostberlinerin noch ein Paket mit Lebensmitteln über den Grenzzaun – unbemerkt von den Volkspolizisten.
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14. August 1961: Die Schlagzeile „SED riegelt West-Berlin für Flüchtlinge ab“ in der Frankfurter Rundschau dokumentiert die Schließung der Sektorengrenze in Berlin in Westdeutschland. Die Berichterstattung am Tag nach dem Mauerbau macht deutlich, dass die Aktion der SED dem Stoppen des Flüchtlingsstroms dient und kritisiert die zurückhaltende Reaktion der West-Mächte.
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14. August 1961: Am ersten Montag nach Beginn des Mauerbaus, kommt das Zentrale Notaufnahmelager in Marienfelde an seine Grenzen. Geflüchtete vom Wochenende des Mauerbaus und Ost-Berliner, die sich in West-Berlin aufgehalten haben, warten stundenlang erschöpft auf ihre Registrierung. Das Lager war durch den massiven Flüchtlingsstrom der Wochen zuvor ohnehin überlastet.
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Familien, Freundinnen und Nachbarn werden durch die Berliner Mauer voneinander getrennt. Zwei Frauen winken über die noch nicht fertiggestellte, halbhohe Berliner Mauer den Menschen auf der anderen Seite zu, die sie bis vor Kurzem noch regelmäßig treffen konnten.
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16. August 1961: Der größte und bedeutendste Protest der West-Berliner gegen den Mauerbau vor dem Rathaus Schöneberg. Rund 500.000 West-Berliner versammeln sich vor dem politischem Mittelpunkt West-Berlins und Sitz des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt (SPD). Der hält eine seiner bekanntesten Reden und kritisiert die verhaltene Reaktion der westlichen Schutzmächte (USA, Großbritannien, Frankreich) gegenüber der UdSSR. An die Grenzsoldaten appelliert er, Menschlichkeit zu zeigen und nicht auf die eigenen Landsleute zu schießen.
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Am 25. September 1961 versucht eine ältere Frau aus einem Haus im Ostsektor über ein Sprungtuch in den Westteil Berlins zu fliehen. Während Männer sie am Fenster festhalten und zurückziehen wollen, versuchen Helfer auf West-Berliner Seite, sie nach unten zu retten. Zuvor hatte die Frau bereits ihren Hund und ihre Handtasche in das Sprungtuch geworfen. Schließlich gelingt es den Helfern, sie loszureißen.
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Die Berliner Sebastianstraße (zwischen den heutigen Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg im Westen und Mitte im Osten) gilt als eines der drastischsten Symbole der Berliner Teilung. Denn hier wird die Mauer mitten durch die Straße und direkt an den Häuserfronten entlang gebaut. Die Häuser auf der Nordseite gehören zu Ostberlin, die Häuser auf der Südseite zum Westen der Stadt. Besonders kurios: Der Bürgersteig vor den West-Berliner Häuser gehört offiziell zu Ost-Berlin.
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9. Oktober 1961: Nach und nach wird der provisorische Stacheldrahtzaun in eine dauerhafte Steinmauer umgebaut. Die dafür zuständigen Bautrupps bestehen aus regulären Ost-Berliner Bauarbeitern, die die DDR-Führung dafür von regulären Wohnungsbaustellen abzieht. Sie arbeiten unter permanenter Bewachung, um sie einerseits vor Protesten aus West-Berlin zu schützen und andererseits ihre Flucht in den Westen zu verhindern. In den ersten Tagen des Mauerbaus gelingt manchen Arbeitern noch die Flucht von der Baustelle in den Westen.
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28. Oktober 1961: In der Friedrichstaße stehen sich am US-Army-Checkpoint in der amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber. Auslöser der Konfrontation war der Streit um die Ausweispflicht von einem US-Diplomaten. Die Konfrontation dauert 16 Stunden und zählt zu einem der gefährlichsten Momente des Kalten Krieges. Am Ende machen US-Präsident John F. Kennedy und der sowjetische Premier Chruschtschow einen Deal und es fällt kein einziger Schuss. Die USA akzeptieren fortan die Existenz der Mauer, während die Sowjets den West-Alliierten den freien Zugang nach Ost-Berlin garantieren.
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Im Oktober 1961 sind emotionale Szenen an der Mauer häufiger zu sehen. Denn während direkt nach dem 13. August manche Menschen noch einen Funken Hoffnung hatten, dass der Mauerbau durch diplomatische Verhandlungen wieder beendet wird, wird den Menschen im Herbst 1961 bewusst, dass die Trennung von Familien und Freunden dauerhaft sein würde. Außerdem gehen die DDR-Grenzposten im Laufe des Oktobers zunehmend radikaler gegen das bloße Winken über die Grenze vor – bis zur Festnahme wegen „Verbindung zur Westseite“.
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20. November 1961: Die provisorischen Stacheldrahtsperren zwischen dem Brandenburger Tor und dem Reichstagsgebäude werden an der Ebertstraße durch eine zwei Meter hohe und zwei Meter dicke Mauer aus Betonplatten ersetzt. An diesem Tag – genau 100 Tage nach dem Beginn des Mauerbaus – zementiert die DDR-Führung die Teilung an diesem prominenten Abschnitt mitten in Berlin endgültig. Am Abend desselben Tages gibt es Proteste von mehr als 4.000 West-Berliner Jugendlichen und Studierenden.
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West-Berlin, Oktober 1961: An der Sektorengrenze hängt ein Plakat mit einem Artikel aus dem SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ über Walter Ulbrichts Rede vom 15. Juni 1961: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Die Plakate und riesigen Schautafeln wurden im Westen so dicht wie möglich an den Grenzzäunen und Mauern aufgestellt, dass die DDR-Grenzsoldaten sie auf ihren Wachtürmen ununterbrochen lesen sollten.
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1961: Ein VW-Lautsprecherwagen des West-Berliner Senats fährt täglich an der Mauer entlang, um die Menschen im Osten aufzuklären. Es werden Nachrichten aus West-Zeitungen vorgelesen, die aktuellen Flüchtlingszahlen vermeldet, gezielt Falschmeldungen der DDR-Medien korrigiert und West-Musik gespielt. Die Durchsagen richten sich an die Bewohner der Ost-Berliner Grenzbereiche und die Grenzsoldaten. Von der DDR-Seite aus ertönen regelmäßig Propaganda-Parolen aus ostdeutschen Lautsprecherwagen – hier in der Zimmerstraße in Kreuzberg.
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Ein Extrablatt der „Leipziger Volkszeitung“ vom 13. August 1961 bezeichnet den Mauerbau als Maßnahme der DDR-Regierung zur „Sicherung des Friedens“. West-Berlin wurde als Zentrum für Spionage, Sabotage und Menschenhandel dargestellt. Die Mauer als Schutzmaßnahme, um einen angeblich drohenden militärischen Überfall der NATO abzuwehren. Im offiziellen Sprachgebrauch der DDR war das Wort „Mauer“ über Jahrzehnte tabu. Stattdessen wurde sie als Friedensmaßnahme und später als „Antifaschistischer Schutzwall“ bezeichnet.
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1961: Ein Bauer aus Ost-Berlin bestellt sein Feld bis dicht an die Sperranlagen der Mauer in Schönefeld. Die Mauer wurde hier am Schönefelder Feldweg zum Teil mitten durch gewachsene Agrarflächen und Äcker gezogen. Damit beginnt für die Landwirte in den Randbezirken und im Umland ein extrem gefährlicher Arbeitsalltag unter permanenter Beobachtung durch Grenzsoldaten. Die sollten verhindern, dass ein Bauer die Feldarbeit nutzt, um seine Maschine plötzlich zu wenden und durch den Stacheldraht in den Westen durchzubrechen.
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Ost-Berlin, 1962: Ein Volkspolizist veranschaulicht mit einem Stadtplan die militärische Notwendigkeit des Mauerbaus. Er zeigt auf dem Plan, wie West-Berlin wie eine „Insel“ mitten im DDR-Territorium liegt und eine permanente militärische Bedrohung durch die NATO mit sich bringt. Diese propagandistischen Aufklärungsgespräche zum Alltag in der DDR, um der Unzufriedenheit der eigenen Bevölkerung entgegenzuwirken. Sie sind ein Versuch des Regimes, die Grenzanlagen moralisch und militärisch zu legitimieren.
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Trotz der erhöhten Mauer winken West-Berlinerinnen und West-Berliner weiter ihren Verwandten im Ostsektor zu. In der Bernauer Straße stehen Mutter und Kind auf einer Leiter und winken hinüber nach Ost-Berlin.
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Mauerabschnitt an der Bernauer Straße Ecke Schwedter Straße um 1962. An diesem Punkt war die Schnittstelle zwischen den Bezirken Wedding (West) und Mitte bzw. Prenzlauer Berg (Ost).
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Am 17. August 1962 wird der 18-jährige Peter Fechter bei seinem Fluchtversuch von DDR-Grenzposten angeschossen. Schwer verletzt bleibt er im Grenzstreifen liegen und verblutet vor den Augen der Menschen auf beiden Seiten der Mauer. Das Sterben des Jugendlichen löst im Westen eine Welle der Entrüstung aus.
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Tausende West-Berliner bringen nach dem Tod von Peter Fechter drei Tage lang ihre Wut und Trauer zum Ausdruck. Bürgermeister Willy Brandt zeigt Verständnis und versucht, die aufgebrachte Menge zu beruhigen. Diese Proteste markierten eine schwere innenpolitische Krise West-Berlins. Der Wut der Bevölkerung richtet sich nicht nur gegen das DDR-Regime, sondern auch gegen die westlichen Schutzmächte.
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21. August 1963: Der Übergang von der ersten, schnell hochgezogenen Mauergeneration aus Schwammsteinen zur systematischen, unüberwindbaren Festung aus Betonplatten. Nach zahlreichen Fahrzeugdurchbrüchen wird die bisherige Mauer durch eine stabilere Betonmauer ersetzt.
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13. September 1964: Der 21-jährige Mauerflüchtling Michael Meyer wird im Urban-Krankenhaus in Berlin-Kreuzberg behandelt. Bei seinem Fluchtversuch aus Ost-Berlin wird er von DDR-Grenzposten beschossen und an Arm und Oberschenkel getroffen. Ein amerikanischer Soldat zieht ihn schließlich mit einem Seil über die Mauer nach West-Berlin. Er wird 16 Wochen lang im Urban-Krankenhaus behandelt.
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Am Karfreitag, dem 16. April 1965, besuchen zahlreiche West-Berliner ihre Verwandten in Ost-Berlin. Bis zum Mittag reisen bereits mehr als 82.000 Menschen ein. Zwischen 1963 und 1971 ermöglichen Passierscheinabkommen Besuche von West-Berlinern im Ostteil der Stadt.
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März 1972: Eine Gruppe Kinder spielt an und auf der Mauer am Legiendamm im Westberliner Stadtteil Kreuzberg. Auf der Mauer sind mit weißer Farbe die Worte „Einigkeit und Freiheit für Berlin“ aufgemalt, in Anlehnung an die deutsche Nationalhymne. Eigentlich ist das Klettern auf die Mauer verboten. Bei spielenden West-Kindern drückten die DDR-Grenzposten jedoch meist ein Auge zu, um internationale Proteste zu vermeiden.
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11. August 1979. Zum 18. Jahrestag des Mauerbaus strömen Touristen auf eine Aussichtsplattform an der Bernauer Straße in Berlin. Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Tourismus an der Berliner Mauer zu einem festen, vom West-Berliner Senat geförderten Ritual entwickelt.
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In Berlin sterben insgesamt 140 Menschen beim Versuch, die Mauer zu überwinden. DDR-Grenzer verstärken die Grenzanlagen mit neuem Stacheldraht und Stachelmatten an den Häusern zwischen Neukölln und Treptow, um Fluchten aus den Fenstern nach West-Berlin zu verhindern.
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28. Januar 1985: Der Turm der Versöhnungskirche in Ost-Berlin wird gesprengt. Die DDR-Führung lässt das im Todesstreifen gelegene Gotteshaus abreißen, da es die Grenzposten behindert. Denn für sie stellte die Kirche ein Sicherheitsrisiko dar. Das Kirchenschiff bildet einen toten Winkel im Todesstreifen. Wer flüchten wollte, hätte die Kirche als Deckung nutzen können.
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In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 drängen sich nach der Öffnung des Grenzübergangs Menschen und Autos auf der Bornholmer Brücke zwischen Ost- und West-Berlin. Der Grenzübergang Bornholmer Straße war der erste Übergang in Berlin, der unter dem enormen Druck der Massen geöffnet wurde.
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