rbb|24: Was ist aus Ihrer Mutter geworden?
Dombrowski: Sie hat einen Herzschrittmacher bekommen und zum Glück überlebt. Ich konnte sie später in West-Berlin wiedersehen.
rbb|24: 16 Ihrer 20 Monate im Zuchthaus Cottbus haben Sie unter Zwangsarbeit verbracht. Wie sah ein typischer Tag für Sie dort aus?
Dombrowski: In meiner Zelle mit rund 40 Quadratmetern waren 28 Männer, zwei Waschbecken, die Fenster vergittert und mit Stahlblechen verhängt. Wir haben im Dreischichtsystem gearbeitet und Gehäuse für Praktica-Kameras hergestellt [mdr.de].
Ich muss aber sagen, mein eigenes Schicksal betrifft mich dabei weniger. Mich haben viel mehr die Geschichten von Mitgefangenen belastet: Zum Beispiel von Ehemännern, denen die Stasi eingeredet hat: „Ihre Frau, die hat doch schon längst einen anderen.“ Oder ein Mitgefangener aus Dresden, dem sein Vater gesagt hat, der SED-Genosse war: „Bevor du in den Westen gehst, schieß ich dir eine Kugel in den Kopf“. Oder ein Mitgefangener, der in eine Selbstschussanlage geraten war. Er war völlig entstellt. Und er wusste, er wird nie in den Westen freigekauft. Er hat ein Glas zerkleinert und die Scherben runtergeschluckt, weil er lieber verbluten wollte. Ein 62-jähriger Unternehmer ist in meiner Anwesenheit verstorben; an einem Magendurchbruch, weil ihm nicht geholfen wurde. Das sind Dinge, die mich bis heute belasten.