Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026

Stand: 12.08.2026 10:39 Uhr

Seit Januar 2026 ist Sven Schulze (CDU) der jüngste Ministerpräsident Deutschlands. Der 46-Jährige aus dem Harzrand-Dorf Heteborn soll am 6. September die stärkste AfD in einem deutschen Landtag besiegen. Acht Monate hat er dafür Zeit.

von Lars Frohmüller, MDR SACHSEN-ANHALT

Sven Schulze ist kein geschliffener Verkäufertyp wie sein Herausforderer aus dem AfD-Lager. Der Mann, der in Heteborn im Harz aufgewachsen ist, ist eher bodenständig. Die Wende erlebte er als Zehnjähriger – mit Westfernsehen, heimlich unterm Dach. Anschließend Ärger in der Schule, weil er davon erzählte. Die erste Westreise nach Schöppenstedt in Niedersachsen, für 100 Westmark Begrüßungsgeld inklusive Besuch im Spielzeugladen. Die Mutter war Lehrerin und arbeitete in Aschersleben, deshalb musste auch der Sohn dort zur Schule gehen.

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Die Kandidaten im Porträt

Und Schulze kennt auch das typische Landleben: „Meine Großeltern, die hatten immer Schweine. Die musste ich jeden Tag ausmisten“, sagte er in einem Gespräch am Theater Magdeburg im Frühjahr. Direkt nach der Wende wollten er und seine Freunde einen Fußballklub gründen. Die Älteren sagten: unmöglich, viel zu wenig Einwohner im 350-Seelen-Dorf Heteborn. Die Jungs gründeten trotzdem eine Großfeldmannschaft. Der Bürgermeister war so beeindruckt, dass er den Teenager fragte, ob er nicht in den Gemeinderat wolle. Mit 19 Jahren saß Schulze drin. Um wenige Jahre später auch der Chef der Jungen Union im Land zu werden.

Porträtbild des Spitzenkandidaten für die CDU zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Sven Schulze. Darauf montiert sind eine Grafik mit der Aufschrift des Namen und das Logo der CDU.

Die Kandidaten. Das MDR-Interview.

Vom Rasenmäher zum EU-Abgeordneten

Schulze gehörte noch zur Generation, die zwischen Bundeswehr und Zivildienst wählen musste. Er entschied sich für den Zivildienst auf dem Bauhof im benachbarten Hedersleben. „Montags die Müllkübel im ganzen Dorf leeren, freitags den Rasen auf dem Sportplatz mähen.“ Schulze begründet mit dieser Erfahrung auch seine Forderung, dass Menschen, die Leistungen vom Staat bekommen, dafür auch etwas zurückgeben sollen.

Nach dem Abitur in Aschersleben auf dem Stephaneum studierte er Wirtschaftsingenieurwesen in Clausthal-Zellerfeld, arbeitete dann sieben Jahre als Ingenieur und Vertriebsleiter in Maschinenbauunternehmen im Harz – bei klassischen Automobilzulieferern. Er wird später immer wieder darauf verweisen: seine Erfahrung genau dort, wo heute die Probleme des Landes zu lösen sind.

2014 holte ihn die CDU ins Europaparlament. Oder besser: Er holte sich selbst hinein. Er forderte den alteingesessenen Mandatsträger Horst Schnellhardt heraus. Als der ihm in einer Kampfkandidatur mangelnde Erfahrung vorwarf, konterte Schulze: „Ich stehe mitten im Leben.“ Am Ende zog er für Sachsen-Anhalt ins Europaparlament ein. Noch heute nutzt er seine Kontakte nach Brüssel.

Porträtbild des Spitzenkandidaten für die CDU zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Sven Schulze. Darauf montiert sind eine Grafik mit der Aufschrift Die Faktenbasis und das Logo der CDU.

Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt

Sven Schulze sucht den Konflikt

Schon 2009 forderte Sven Schulze als Chef der Jungen Union seine Partei heraus. Reformieren solle sich seine CDU im Land, ihr „wirtschaftsliberales und wertekonservatives Profil schärfen“. 2014 gehörte er zur Gruppe „CDU 2017“ um Jens Spahn, die ebenfalls Reformen in der Partei forderte. Angela Merkel als Parteichefin wurde von der Gruppe zu einer Kursänderung gedrängt.

Schulze selbst wurde später Generalsekretär der CDU in Sachsen-Anhalt und musste nach dem Rauswurf von Innenminister Holger Stahlknecht aus dem Kabinett Haseloff auch dessen Platz als Landesvorsitzender übernehmen. Schon damals mit der Option im Blick eines Tages auf Haseloffs Stuhl zu sitzen, den er seit Januar 2026 tatsächlich innehat.

Sven Schulze sitzt beim Landesparteitag auf dem Podium.

Familie, Kinder, Cola

Der bekennende Fußballfan Schulze ist auch leidenschaftlicher Radfahrer. Auf Sommertouren schon als Wirtschaftsminister bereist er Sachsen-Anhalt, von dem er behauptet, jede Straße durch seine Arbeit im Land zu kennen.

Er ist Vater von drei Kindern. Der älteste Sohn aus einer früheren Beziehung macht derzeit eine Ausbildung. Mit seiner Frau Kati hat das Paar zwei weitere schulpflichtige Kinder, die während seiner Brüsseler Zeit mit dabei waren. Beide sprachen als Kleinkinder fließend Französisch – seit der Rückkehr nach Magdeburg hat die Sprache allerdings gelitten.

Seine Frau, die leidenschaftliche Köchin und studierte Architektin, gewann 2014 im ZDF die Küchenschlacht. Kulinarisch rettete sie ihn vor Tütengewürzen und hielt ihm schon in Brüssel den Rücken frei. In einem Interview sagte er: „Ich hätte mich scheiden lassen, wenn sie nur Hausfrau hätte sein wollen.“ Auch seine Frau wolle kein klassisches Rollenmodell leben. Etwas hat sie ihrem Mann offenbar jedoch nicht abgewöhnen können: eine Leidenschaft für Cola.

Sven Schulze CDU neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt mit seiner Urkunde Magdeburg

Koalition: Klare Worte – mit einer Lücke

Politisch betont Sven Schulze immer wieder seinen klaren Kompass. Doch dieser wird ihn im September vor Herausforderungen stellen. Schulze schließt eine Koalition mit der AfD und der Linkspartei aus. „In meinem Kabinett wird kein Minister der AfD und keine Ministerin der Linkspartei sitzen.“ Seine Aussage bei Markus Lanz zur Ministerpräsidentenwahl sorgte für Kontroversen: „Ich bin ziemlich sicher, wenn es zu einer solchen Situation kommen würde, dass es aus der Mitte keine Mehrheit gibt, dann wird es wahrscheinlich über den längeren Zeitraum erstmal keine Wahl des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt geben.“

Am 6. September wird der Wähler zunächst seine Entscheidung fällen. Danach zeigt sich, wie hoch die Wählergunst für Schulze ist. Und was Schulze aus der Summe seiner Erfahrungen für das Land macht.

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MDR (Lars Frohmüller, Anne Gehn-Zeller) | Erstmals veröffentlicht am 11. August 2026