Eigentlich sind es nur leichte Pappbrillen mit dunkler Filterfolie. Vor der partiellen Sonnenfinsternis sind sie in Düsseldorf aber zur gefragten Mangelware geworden. Bei einer Stichprobe der Redaktion bei Fielmann und Apollo an der Schadowstraße hängt jeweils schon an der Eingangstür der Hinweis: „Lieber Kunde! Die Sonnenfinsternisbrillen sind ausverkauft“. Ähnliche Hinweise gibt es bei Aldi und DM im Kö-Bogen. Dennoch kommen immer wieder Menschen in die Geschäfte und fragen nach den heiß begehrten Brillen.
Ein Händler an der Rethelstraße in Düsseltal hatte angekündigt, er würde am Mittwoch noch eine Lieferung bekommen. Das machte schnell die Runde. „Ich habe im Internet gelesen, dass es hier noch welche geben soll“, sagte eine junge Frau am Vormittag in der langen Warteschlange, die sich vor dem Laden gebildet hatte. Ob sie am Ende Erfolg hatte, ist nicht bekannt.
Hundertprozentig keinen Erfolg hatten Brillensuchende am Dienstagmorgen bei einem Optiker an der Benderstraße in Gerresheim: „Solche Brillen haben und hatten wir nie“, sagt der freundliche Mitarbeiter unserem Reporter. Er empfiehlt stattdessen, eine Bestellung bei Amazon aufzugeben. Für Prime-Kunden erfolge die Lieferung am darauffolgenden Tag – das sei doch was. Das Gleiche bei einem zweiten Optiker in der Nähe: Auch dort sind die Brillen nicht im Verkauf, auch dort verweist man aufs Internet.
Gerade das ist aber kurz vor dem Ereignis keine besonders verlässliche Lösung. Wer online bestellt, muss nicht nur auf die Lieferzeiten achten, sondern auch darauf, ob das Produkt tatsächlich für die Sonnenfinsternis geeignet ist. Eine sichere Schutzbrille sollte eine CE-Kennzeichnung tragen und der Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 entsprechen. Die Filterfolie darf außerdem keinerlei Kratzer, Risse oder Löcher aufweisen. Normale Sonnenbrillen reichen genauso wenig aus, selbst besonders dunkle Modelle nicht.
Die Schutzbrillen sind nötig, weil bei einer Sonnenfinsternis der Mond zwar einen Teil der Sonne verdeckt, das verbleibende Licht aber weiterhin die Netzhaut schädigen kann. Wer keine geprüfte Brille mehr bekommt, sollte deshalb nicht direkt in den Himmel schauen – und ebenso nicht auf CDs, Filmstreifen oder geschwärzte Gläser zurückgreifen.
Auch bei Fielmann an der Nordstraße zeigt sich, wie groß der Andrang inzwischen ist. Dort gehen nach Angaben einer Mitarbeiterin derzeit etwa 170 Anrufe pro Tag allein wegen der Sonnenfinsternisbrillen ein, „am liebsten hätten wir dafür eine extra Bandansage“, sagt sie lachend.
Manche Filialen hätten gar keine Ware erhalten, andere rund 100 Stück – und die seien direkt verkauft gewesen. „500 Brillen hätte jede Filiale locker verkaufen können“, schätzt die Mitarbeiterin. Bei Mediamarkt und Saturn seien Kunden teilweise noch auf Restposten gestoßen. Im regulären Sortiment werden die Brillen dieses Jahr jedoch laut der Elektrofachmarktkette nicht geführt.
Wer sich im Internet auf die Suche nach Verkaufsstellen in Düsseldorf begibt, wird früher oder später auf den Namen Optik Giessen an der Rethelstraße stoßen. Wir haben mit Inhaber Robert Giessen telefoniert, der uns bestätigt, 1000 Stück bestellt zu haben. Er gehe aber davon aus, dass nur ein Bruchteil der Bestellung bei ihm eintreffen werde. Die Lieferung wird für Mittwochvormittag erwartet.
Viele weitere Optiker verweisen Suchende auf Planetarien und Sternwarten. In Düsseldorf selbst gibt es allerdings kein öffentliches astronomisches Planetarium. Dadurch bleibt vielen nur, weiter von Geschäft zu Geschäft zu laufen – oder auf eine schnelle und qualifizierte Online-Lieferung zu hoffen.