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Leipzig – Sie durchkämmen jeden Meter Gelände, sie drehen jeden Stein im Geisterdorf um! Auf der Spurensuche nach dem Drohnen-Vorfall am Leipziger Airport konzentriert sich die Polizei jetzt ganz offensichtlich auf den verlassenen Ort Kursdorf. Der vom Flughafen umgebene Ort ist seit 2017 ohne Einwohner.
Nachdem bereits am Dienstag eine Hundertschaft der Polizei in Kursdorf gesucht hatte, wurde auch am Mittwoch ein Großaufgebot im Umfeld des Flughafendorfs beobachtet. Eine Sprecherin des Generalbundesanwalts bestätigte den Einsatz. Wonach gesucht wurde, wollte sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Mehrere Medien hatten am Vortag über den Fund einer vermeintlichen Richtantenne berichtet. Derzeit kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese den mutmaßlichen Saboteuren zur Signalverstärkung bei der Steuerung der mit Sprengstoff beladenen Drohne diente.

Seit 2017 lebt niemand mehr in Kursdorf. Die Natur holt sich den Ort Stück für Stück zurück
Foto: Michael Strohmeyer
Schwerwiegender Angriff auf Logistikinfrastruktur
Ob die Suche am Mittwoch Erfolg hatte, bleibt unklar. Fakt ist jedoch, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen weiter mit größtem Aufwand betreibt. Die Behörde sprach nach dem Vorfall, bei dem am Dienstag vergangener Woche eine mit dem Sprengstoff Semtex bestückte Drohne zwischen mehreren ukrainischen Frachtflugzeugen entdeckt worden war, von einem „schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland“.
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Foto: Michael Strohmeyer
Das Dorf, das der Flughafen verschluckte
Kursdorf ist ein ehemaliges Dorf bei Schkeuditz (Sachsen), das heute vollständig vom Gelände des Flughafens Leipzig/Halle, der Autobahn A14 und weiteren Verkehrstrassen umschlossen wird. Einst lebten dort rund 200 Menschen. Mit dem Ausbau des Flughafens, insbesondere nach der Ansiedlung des DHL-Drehkreuzes Anfang der 2000er-Jahre, nahm die Lärm- und Umweltbelastung massiv zu. Die Flughafenbetreiber boten den Bewohnern daraufhin eine Umsiedlung an: Wer sein Haus aufgab, erhielt als Ersatz ein Grundstück mit Neubau in Schkeuditz-Altscherbitz, dem sogenannten „Neu-Kursdorf“.

Vom Airport umschlossen: Hinter Flughafenparkplätzen liegt der verlassene Ort
Foto: Michael Strohmeyer
Viele gingen zunächst widerwillig, weil ein normales Leben zwischen startenden und landenden Flugzeugen kaum noch möglich war. Bis 2017 verließen die letzten Einwohner den Ort; seitdem gilt Kursdorf als Geisterdorf. Heute stehen dort nur noch wenige Gebäude, darunter die denkmalgeschützte Kirche, während das ehemalige Dorf mitten im Flughafengelände wie eine Insel aus einer anderen Zeit wirkt.