
Marktbericht
Wie gewonnen, so zerronnen. Hatte der DAX am frühen Nachmittag noch bei 26.573 Punkten einen neuen Rekord erreicht, so schmolzen diese Kursgewinne am Nachmittag dahin.
Neue Inflationsdaten aus den USA haben für Ernüchterung an den Aktienmärkten gesorgt. Der Deutsche Aktienindex DAX, der am zur Mittagszeit noch auf neue Rekorde gestiegen war, beendete den Handelstag bei 26.331 Punkten.
Die Teuerung der Verbraucherpreise in den USA hat sich im Juli leicht abgeschwächt auf 3,4 Prozent, was von Analysten im Vorfeld erwartet worden war. Das bedeute aber auch: keine Entwarnung, urteilt Ralph Umlauf von der Helaba: „Vor dem Hintergrund der neuerlichen Benzinpreisanstiege gibt es für die US-Notenbank wohl keinen Grund, sich entspannt zu zeigen, zumal die Jahresraten ohnehin die Zielmarke von zwei Prozent verfehlen.“
Optimistische Prognosen von Unternehmen aus dem Technologiesektor sowie erwartungsgemäß ausgefallene Inflationszahlen heben dagegen am New Yorker Aktienmarkt die Stimmung gehoben. Der Nasdaq 100 gewann im frühen Handel 0,8 Prozent auf 29.773 Punkte. Gestützt wird der technologielastige Auswahlindex vor allem von positiven Ausblicken von Unternehmen wie Coreweave, Super Micro Computer und dem Nvidia-Partner Hon Hai, die alle eine boomende Nachfrage nach ihren Produkten im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) verzeichnen.
Die Halbleiterbranche insgesamt erhielt davon Auftrieb. Die Aktien aus der Gruppe der Magnificent 7 notierten jedoch im Minus, Ausnahme waren die Nvidia-Titel mit plus 2,7 Prozent. Der Leitindex Dow Jones Industrial hielt sich zur Wochenmitte im frühen Geschäft knapp im Plus bei 53.823 Punkten.
Witterungsbedingte Verzögerungen haben die Investitionen von E.ON im ersten Halbjahr gebremst. Bisher hat der DAX-Konzern drei Milliarden Euro etwa für Energieinfrastruktur und Digitalisierung in die Hand genommen. Für das Gesamtjahr stehen weiterhin 8,7 Milliarden Euro im Plan. Die Verzögerung bremst auch das Ergebniswachstum aus, weil das operative Ergebnis des DAX-Konzerns in weiten Teilen an den Ausbau des Energienetzes geknüpft ist. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg im ersten Halbjahr nur leicht auf 5,4 Milliarden Euro. Die Jahresziele bestätigte E.ON.
Im MDAX ist die Aktie von TKMS gefragt. Der Marineschiffbauer wird für das laufende Geschäftsjahr optimistischer. Vor allem bei der Tochtergesellschaft Atlas Elektronik sowie bei Überwasserschiffen geht das Unternehmen von einem starken Wachstum aus, wie die Tochter des Industriekonzerns ThyssenKrupp mitteilte. 2025/26 (bis Ende September) soll der Umsatz nun um zehn bis zwölf Prozent steigen. Bislang hatte TKMS zwei bis fünf Prozent in Aussicht gestellt. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 19 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebit legte von 98 Millionen auf 110 Millionen Euro zu.
TUI hat im dritten Quartal seines Geschäftsjahres aufgrund der Belastungen durch den Iran-Krieg weniger verdient als am Finanzmarkt erwartet. Das bereinigte Betriebsergebnis sank von April bis Juni um 27 Prozent auf 234 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt mit 275 Millionen Euro gerechnet. „2026 ist kein normales Jahr“, sagte TUI-Chef Sebastian Ebel. Das Marktumfeld sei schwierig. In den vergangenen vier Wochen zogen die Buchungen aber wieder an. TUI bekräftigte die im April gesenkte Gewinnprognose unter der Voraussetzung, dass sich die geopolitischen Spannungen nicht verschärfen und die Treibstoffversorgung gesichert bleibt.