David Walther (l.) und Carlos Rincon, Wissenschaftliche Mitarbeiter der Professur Werkstoffe und Zuverlässigkeit mikrotechnischer Systeme der TU Chemnitz, installieren einen neuen Teststand in der Kammer eines Helium-Kryostaten. Foto: Uwe Zschenderlein für die TUC
Fraunhofer, TU und Wirtschaft wollen neue Bauteile und Materialien bei minus 269 Grad Celsius entwickeln
Chemnitz, 12.08.26. Weil Sachsen in der Quantentechnologie ganz vorne mitmischen will, gerade Quantencomputer aber eisige Kälte lieben, haben Chemnitzer Forscher nun ein eigenes Kryo-Labor eingerichtet: Im „Cryo-Lab for Materials and Electronics Packaging Chemnitz“ (Cryme) wollen Wissenschaftler der TU und des Fraunhofer-Nanoelektronikinstituts „Enas“ gemeinsam bei Temperaturen nahe am absoluten Nullpunkt neue Bauteile, Materialien und Konzepte für Quantencomputer, -Sensoren und -Kommunikationssysteme entwickeln. Das hat die TU Chemnitz mitgeteilt.
„Die Komplexität dieses speziellen Forschungslabors ist in Deutschland und Europa einzigartig.“
Cryme-Laborleiter Dr. Remi Pantou
„Als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts steht Quantencomputing auch für Technologieführerschaft, hochkarätige Arbeitsplätze und Spitzenforschung“, betont Prof. Bernhard Wunderle von der Chemnitzer Uni. Im neuen Labor sehen er und seine Kollegen einen „wesentlichen Baustein für Innovationen, neue Großforschungsprojekte, exzellente Lehre und die Gewinnung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern“. In puncto Ausrüstung und Komplexität sei „Cryme“ einzigartig in Deutschland und Europa, ergänzt Enas-Gruppenleiter Dr. Remi Pantou. „Mehrere Unternehmen haben ihr Interesse an einer Zusammenarbeit angekündigt.“
Offiziell eröffnen wollen die Chemnitzer ihr Labor am 2. September 2026 mit einem Seminar über „Test und Zuverlässigkeit zwischen Eis und Feuer: Neue Labore und Methoden von 4 K bis 700 K“. Untergebracht ist das Lab im „Forschungszentrum für Materialien, Architekturen und Integration von Nanomembranen“ (Main) der TU Chemnitz.
Freistaat strebt Führungsposition in Quantentechnologien an
Sachsen versucht bereits auf verschiedenen Pfaden, in den Quantentechnologien eine führende Position zu erlangen. So hat die Uni Leipzig zwei Hersteller von Quantencomputern und -prozessoren ausgegründet. Im Fraunhofer-Zentrum „Eas“ in Dresden experimentieren die Forscher mit abhörsicherer Quantenkommunikation. Erst kürzlich hat die TU Dresden ein drei Millionen Euro teures „Quantum Communication, Computing, and Sensing Lab“ eröffnet. Auch das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW), die Dresdner Planckinstitute und weitere Forschungseinrichtungen beteiligen sich an diesen Entwicklungen. Diese und weitere Akteure haben sich inzwischen im Netzwerk „Quantum Saxony“ zusammengetan.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: TU Chemnitz, Oiger-Archiv