Sie sind die bekannteste Metal-Band Indonesiens. Und das, obwohl sie noch nie in diesem Land auf der anderen Seite der Erde, das rund 20 Flugstunden von Deutschland entfernt ist, aufgetreten sind. Die Rede ist von der „Bule Toxic Band“, deren Bandmitglieder überwiegend aus Augsburg kommen, und die ihre Erfolge vor allem dem Internet zu verdanken hat, was 30 Millionen Aufrufe auf Tiktok und fünf Millionen auf diversen Streamingdiensten beweisen. Dass die Band aus Deutschland in Indonesien viral so durch die Decke geschossen ist, liegt auch an ihren sozial- und gesellschaftskritischen Texten.
„Bule ist in Indonesien der Begriff für hellhäutige Ausländer“, erklärt Sänger Jens Hellmund. „Wir sind also frei übersetzt die Band der giftigen Ausländer.“ Und als solche legen sie schon mal den Finger in die Wunde der Unzulänglichkeiten des indonesischen Systems, in dem sich Minderheiten immer noch verstecken müssen oder halten die Landesflagge verkehrt herum. „Dass wir mit satirischem Einschlag über Themen singen, die in Indonesien die Leute erschüttern, wird teilweise auch kritisch gesehen“, weiß Hellmund, der unter dem Pseudonym „Audijens“ schon seit 1999 Musik macht: „Hauptsächlich Hip-Hop und Rap.“
Augsburger Band: Der Sänger war für zwei Jahre in Indonesien
Als der IT-Fachmann für seine Firma für zwei Jahre nach Indonesien geschickt wurde, um dort eine Niederlassung aufzubauen, erlernte er schnell die Sprache und schrieb alsbald Lieder auf Indonesisch. Mit verschiedenen Rappern aus dem asiatischen Land hat er dann als „Yen“ ein Album aufgenommen und es zu einer gewissen Popularität gebracht. „Irgendwann wollte ich dann einen Metal-Song machen“, lacht der 42-jährige Münchner, der zwei Kinder im Alter von vier und acht Jahren hat. Und so kam der Augsburger Aaron Hoffmann ins Spiel.
Der 21-Jährige mit den langen Rastazöpfen und den zahlreichen Piercings im Gesicht war bis dahin als Gitarrist von Tina Schüssler oder bei der Band „Sprachrohr“ aktiv. „Er hat mich angerufen und wir haben zusammen einen Song aufgenommen“, lacht Aaron Hoffmann, der auch einen Teil der Gesangsparts übernommen hat: „Nachdem der gut ankam, haben wir dann daraufhin eine komplette Band zusammengestellt.“
Mit dabei bei der „Bule Toxic Band“ ist seitdem sein Stiefvater Jan Skirde, der hauptberuflich als Pfleger im Bezirkskrankenhaus arbeitet und nebenzu eine Schlagzeugschule betreibt. Der 39-Jährige spielt nicht nur Heavy-Metal, sondern mit der Tanz- und Stimmungsband „Ricardos“ auch regelmäßig auf dem Augsburger Plärrer. Ebenfalls aus der Fuggerstadt stammt der zweite Gitarrist Darius Herr. Von der Heidenheimer Band „Brainstorm“ kommt Bassist Jim Ramses, Patrick P., der als DJ die Turntables scratcht, ist in München zuhause. „Jeder hat sein eigenes Studio. Wir kommunizieren nur über Video-Chat“, erzählt Aaron Hoffmann, dass man sich bisher nur für Video-Drehs in Präsenz getroffen hat. Ihren Stil würden die Bandmitglieder zwischen New Metal Core mit minimalem Power-Metal irgendwo zwischen Linkin Park und Guano Apes ansiedeln.
Die Band aus Augsburg verdient inzwischen sogar schon Geld
„Bisher war das alles nur Hobby, aber durch das intensive Streaming wird auch schon Geld verdient“, freut sich Hoffmann, der als Musiklehrer und Krankenpfleger jobbt, dass er nun von seiner Musik leben kann. Gerade arbeitet er an einem weiteren Projekt „One fourty“. Noch populärer wurde die „Bule Toxic Band“, als der bekannteste indonesische Comedian Panddji Pragiwaksono einen ihrer Songs als Intro-Musik für seine Bühnenshow auserkoren hat. „Fünf Millionen Klicks freuen einen einerseits natürlich sehr, aber ich habe auch Schlafstörungen bekommen, weil ich immer wieder nachgesehen habe, wie unsere Songs laufen“, gibt Jens Hellmund Einblicke in sein Seelenleben.
„Wir sollten jetzt die Gunst der Stunde nutzen“, sagen die Musiker – und planen gerade ein neues Album, das auch englische Texte enthalten soll, um sich internationaler aufzustellen. Außerdem träumen sie von einem Auftritt in dem Land, in dem sie so bekannt sind. „Die Leute wollen uns sehen. Wir hatten auch schon eine Einladung zum Hämasonic, dem größten Metal-Festival Asiens, aber in Indonesien wird schlechter bezahlt als in Deutschland. Deshalb würden sich die Kosten einer Tour niemals decken“, sagt Jens Hellmund. Ein Besuch in dem Land, in dem er zwei Jahre gelebt hat, wird sich deshalb wohl so schnell nicht realisieren lassen. So werden sie als „Bule Toxic Band“ weiterhin von Augsburg aus über Indonesien herfallen.