Ein lächelnder, älterer Herr vor dem Bargheer Museum, Leiter Dirk Justus.

AUDIO: Vom Nachbarn zum Museumschef: Dirk Justus sucht Nachfolger (10 Min)

Stand: 12.08.2026 13:09 Uhr

Dirk Justus leitet das Eduard Bargheer Museum im Hamburger Jenischpark. Um den Nachlass des Hamburger Malers zu verwalten, hat er sein Leben komplett umgekrempelt. Jetzt sucht der 87-Jährige einen Nachfolger.

von Daniel Kaiser

Man spürt mit jedem forschen Schritt durchs Museum, mit jedem Blick auf die Bilder und mit jeder Anekdote zum Künstler: Dirk Justus ist in seinem Element. Er ist der wichtigste Botschafter für den Hamburger Maler Eduard Bargheer, einem Lieblingskünstler von Altkanzler Helmut Schmidt.

Bargheer wurde vor fast 125 Jahren in Hamburg-Finkenwerder geboren. Seit neun Jahren leitet Dirk Justus das damals neu gegründete Eduard-Bargheer-Museum gegenüber auf der anderen Seite der Elbe im malerischen Jenischpark.

Vom Nachbarn zum Erben

Das Watt bei Kampen, gemalt von Eduard Bargheer 1930

„Das Watt bei Kampen“, gemalt von Eduard Bargheer 1930.

„Es ist mein Lebensthema“, sagt Justus. „Ich habe Bargheers Bilder schon geliebt, bevor ich ihn persönlich kennengelernt habe – diese lebendige, zupackende Art seiner Malerei, dieses Expressive auf das Wesen der Dinge Konzentrierte hat mir immer gefallen.“

Dann wurden sie in Blankenese Nachbarn und haben sich über die Jahre angefreundet. „Das hat dazu geführt, dass er mich und meinen Lebenspartner zu seinen Nachlassverwaltern und Erben gemacht hat“, erzählt Justus. Er selbst war damals bei einem großen Unternehmen tätig und sein Partner Peter Silze war Filialleiter einer Bank. „Wir haben unsere Berufe an den Nagel gehängt, um uns dieser Aufgabe zu widmen.“

Plötzlich Nachlassverwalter! Erbschaftssteuer war ein großes Thema. Die beiden haben ihr Leben für die Kunst umgekrempelt. „Wir waren beide nicht vom Fach. Das war ein echter Sprung ins kalte Wasser“, erinnert sich Justus.

Langer Weg zum eigenen Museum

Ein erster Plan war eine Galerie in Altona. Die Pläne hatte Bargheer noch erlebt, vor der ersten Ausstellung 1979 starb er allerdings. Heute, viele Jahre später, gibt es ein idyllisch gelegenes, grün bewachsenes, bienenumsummtes Museum im Norden des Jenischparks. Hier finden immer wieder Ausstellungen statt, bei denen Bilder aus dem Nachlass Bargheers mit den Werken anderer Künstler in einen Dialog treten – gerade mit Photographien von Alfred Ehrhardt. Bis zum Museum in den Räumen des früheren Gartenbauamtes war es allerdings ein langer, steiniger Weg.

Das denkmalgeschützte Jenisch Haus von 1834 gehört zur "Stiftung Historische Museen Hamburg"

Nah an der Elbe liegt einer der schönsten Landschaftsparks der Hansestadt. Mit drei Museen bietet er auch Kunstgenuss.

„Ich habe damals einen Hinweis von einem Freund erhalten, der im Gartenbauamt gearbeitet hat. Der wusste, dass das Gebäude aufgegeben werden soll“, so Justus. Nach langem Hin und Her gab es eine öffentliche Ausschreibung, die er und sein Partner gewonnen haben. „Das ist eine starke Geschichte, hat aber wirklich Nerven und wegen der ganzen Aufregung über die Jahre wahrscheinlich meinem Freund auch das Leben gekostet.“

Im Sommer fühlt es sich ein bisschen an wie in Italien

Vor neun Jahren ist das Museum endlich fertig. Es ist heute ein kleines Kunstjuwel mit interessanten Ausstellungen und einer einmaligen Lage. Zwischen den Bildern blickt man immer wieder durch Fenster wie durch Bilderrahmen in den Park. Der Geist im Museum ist freundlich und familiär, die Führungen durch die Ausstellungen sind mit Liebe gemacht. Im Sommer fühlt es sich ein bisschen an wie in Italien, wo Bargheer die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat.

Otto Niemeyer-Holstein: Der Arno bei Florenz (1954)

In Lüttenort auf Usedom sind die Wege des Malers Otto Niemeyer-Holstein durch das südeuropäische Land förmlich zu spüren.

Es gibt auf dem Gelände den Fundus mit allen Bildern Bargheers und auch ein Kreativ-Atelier, in dem insbesondere Kinder und Jugendliche einen Zugang zur Kunst beim Selbermachen erleben können. Nebenan, im alten heruntergerockten Schaugewächshaus, ist ein Café mit Schallplatten-Archiv zum Selberauflegen geplant. Außerdem gibt es im Hintergrund auch eine Stiftung, die den Künstlernachwuchs fördert. Dieser Ort im Jenischpark ist noch lange nicht auserzählt.

Nachfolger für Justus gesucht

Dirk Justus ist 87 Jahre alt – kaum zu glauben! Er ist fit und nimmt jede Treppe mit Schwung. Aber er merkt schon, wie ihm die Aufgabe manchmal zu viel wird. Denn einen großen Etat gibt es nicht. „Deshalb suchen wir jetzt auch einen Nachfolger für mich, einen Administrator, der sich um die ganzen Verwaltungssachen kümmert.“

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Sein Sohn Jens Ehrhardt hat das Millionenprojekt initiiert. Der preisgekrönte Architekt Francis Kéré gestaltet das Haus.

Erinnerung an Maler soll lebendig gehalten werden

Justus will die Erinnerung an den bedeutenden Maler auch noch für die nächste Generation lebendig halten. Er weiß sehr gut, wie groß die Herausforderung ist. „Studien sagen, dass acht Prozent der Bevölkerung ins Museum gehen. Die Zielgruppe ist klein. Und ich weiß nicht, welche Rolle bildende Kunst künftig überhaupt noch spielen wird.“ Das merke immer wieder bei Gesprächen mit Künstlern. „Die sind selbst hochgradig verunsichert“, berichtet Justus.

Das Eduard Bargheer Museum soll nach seinem Willen weiter eine Heimat für Kunst sein, die abseits der großen Bildertempel und des Kunstmarktes mit seinen bizarren Preisen gesehen werden will. Dirk Justus und sein Partner haben hier etwas Wunderbares geschaffen. Er genießt es selbst jeden Tag, wenn er ins Museum kommt: „Das ganze Ambiente ist einmalig, man kann hier durchatmen und entspannen. Es ist einfach dieser Wohlfühlfaktor.“

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