Der russische Ex-Präsident und jetzige Vizechef des nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, wurde konkreter. „Russland hat das Recht, jedes Handelsschiff feindlicher Staaten anzugreifen, die sich sowohl in unseren als auch in neutralen Gewässern befinden, wenn es ausreichenden Verdacht gibt, dass es Fracht im Interesse des Gegners transportiert“, schrieb Medwedew in seinem Telegram-Kanal. Mit Gegner dürfte er die Ukraine meinen. Das betreffe jede Fracht und jedes Schiff auch außerhalb des Schwarzen Meeres.
- Schattenflotte: Furcht vor Umweltkatastrophe wächst
Die Festsetzung seiner Schiffe ärgert Russland schon lange. Moskau spricht von Piraterie und hat auch schon wiederholt damit gedroht, seine Kriegsschiffe zum Schutz seiner Handelsschiffe einzusetzen. Mehrere westliche Staaten, darunter Großbritannien, Frankreich und Schweden, setzten bereits für Russland fahrende Öltanker wegen des Verdachts der Sanktionsumgehung kurzzeitig fest. So soll etwa Russlands Ölverkauf unterbunden werden, der wichtig für die Finanzierung des Angriffskrieges gegen die Ukraine ist. Auch für andere Bereiche der russischen Schifffahrt gelten Sanktionen.
Anzahl einlaufender Schiffe in Hafen von Odessa halbiert
Der Betrieb am Hafen von Odessa hat ukrainischen Angaben zufolge wegen verstärkter russischer Angriffe deutlich nachgelassen. Im Juli hätten 159 Schiffe den Schwarzmeerhafen Hafen angelaufen, verglichen mit 400 im Vorjahresmonat, sagte der stellvertretende ukrainische Infrastrukturminister Andrij Kaschuba. Er berief sich auf Daten der ukrainischen Hafenbehörde. „Einige Schiffseigner und Verlader warten darauf, dass sich die Sicherheitslage verbessert“, ergänzt Kaschuba.
In Russland wird der Sprit wieder knapp
Die Spritkrise in Russland verschärft sich offenbar wieder. In mindestens zwölf Regionen des Landes bilden sich derzeit lange Schlangen von Autos an Tankstellen, berichtet das unabhängige russischsprachige Nachrichtenportal „Meduza“ unter Berufung auf Berichte in sozialen Medien. Auch aus Moskau und St. Petersburg werden demnach erste Engpässe gemeldet. Besonders betroffen sind dem Bericht zufolge Regionen im Westen und Süden des Landes. Die Lage sei aber nicht so dramatisch wie auf dem Höhepunkt der Spritkrise Anfang Juli.
Damals wurden in weiten Teilen Russlands Sprit und Diesel knapp, auch in Moskau und St. Petersburg mussten Autofahrer stundenlang Schlange stehen. Viele Tankstellen gaben nur noch maximal 20 Liter Treibstoff pro Tag und Person ab. Ausgelöst wurde die Spritkrise durch ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien. Schätzungen aus der Energiebranche zufolge zerstörten die Angriffe bis zu 45 Prozent der russischen Produktionskapazitäten. Zwischenzeitlich hat sich die Lage aus russischer Sicht aber gebessert.
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