Am Nachmittag von Samstag, 22. Juli 1967 verursacht ein schweres Unwetter Millionenschäden über ganz Deutschland. Bayern, die Pfalz und Karlsruhe, mit dem ganzen Rheingebiet, sind am schlimmsten betroffen. Aus den Freibädern flüchten die Menschen vor Sturm und Hagel, Bäume werden entwurzelt und Fahrzeuge zerstört. Der Sturm bricht plötzlich am Nachmittag herein und die Menschen sind davon überrascht.

Der Sturm setzt am späten Nachmittag ein

Gegen 16.30 Uhr an diesem Samstag fängt der Sturm in Karlsruhe an. Laut Berichten des Wetteramtes wird er von einer durchziehenden Kaltfront ausgelöst. Kurz danach wird die Feuerwehr zu ihrem ersten Einsatz gerufen – und sie ist ab dann pausenlos im Einsatz bis zum nächsten Morgen, insgesamt 42 Mal. Vor allem muss die Feuerwehr entwurzelte Bäume beseitigen, hauptsächlich in der Rüppurrer Straße, der Linkenheimer Landstraße, der Durlacher Allee und der Moltkestraße, als auch abgedeckte Dächer absichern und Keller leerpumpen.

Unwetter mit Sturmschäden 1967.

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Unwetter mit Sturmschäden 1967.
Foto: • Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger 1967 A14_158_1_27

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Unwetter mit Sturmschäden 1967.
Foto: • Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger 1967 A14_158_1_27

Insgesamt werden weit über 100 Bäume im ganzen Stadtgebiet entwurzelt, zahlreiche Autos zerstört, Bauzäune umgestürtzt und unzählige Fensterscheiben zerschlagen. Heftige Sturmböen in Kombination mit Regen und Hagel peitschen eine Stunde lang über die Stadt und hinterlassen ein Bild des Chaos. Nachdem einige Ampeln plötzlich ausfallen kommt auch der Verkehr zum Stillstand.

Herabfallende Dachziegel und Äste beschädigen zudem unzählige Autos und in der Beiertheimer Allee werden sogar die Fahnenmasten vom Dach des Polizeipräsidiums gerissen und auf die Straße geworfen.

Die Autobahn und die Straßenbahnen sind auch betroffen

Auf der Autobahn gibt es zu dieser Jahreszeit natürlich viel Ferienverkehr und es kommt bei Karlsruhe zu mehreren Autounfällen. Laut Polizei sind 15 Autos involviert, teilweise mit Schwerverletzten. In der Stadt blockieren Bäume und Baumäste mehrere Stunden lang die Straßenbahngleise nach Rappenwört und auf der Neureuter Straße, so dass viele Menschen – beispielsweise diejenigen, die aus dem Freibad geflohen sind – gestrandet werden. Hier kann der Verkehr erst kurz vor 23 Uhr wieder aufgenommen werden. Glücklicherweise ist aber in der Stadt niemand verletzt.

Flucht aus der Bundesgartenschau und den Freibädern

Im Jahr 1967 findet in Karlsruhe zwischen April und Oktober die Bundesgartenschau statt. Die meisten Besucher kommen in den Schlossgarten und den Stadtgarten. Als der Sturm losbricht, befinden sich etwa 1800 bis 2000 Menschen auf der Gartenschau am Schloss. Das Unwetter löst Chaos aus, während die Leute verzweifelt nach einem Unterschlupf suchen. Nachher liegen auf dem Gelände der Gartenschau überall Blätter und abgebrochene Äste herum. Die Gartenschauleitung meint, es müsste zusätzliches Personal eingesetzt werden, um die Anlagen zu räumen und die Blumenbeete wieder in Ordnung zu bringen.

Karlsruher Schlossgarten (Archivbild).

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Karlsruher Schlossgarten (Archivbild).
Foto: Paul Needham

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Karlsruher Schlossgarten (Archivbild).
Foto: Paul Needham

Die Menschen flüchten auch aus den Freibädern. In Rappenwört, wo 13.000 Badegäste Sonne und Wasser genießen, kommt der plötzliche Wetterumschwung als unangenehme Überraschung. Als der Himmel etwas dunkler wird, packen ein paar Leute ihre Sachen zusammen, doch Tausende nehmen das Gewitter erst ernst, als Hagel vom Himmel fällt und kurz darauf der Sturm große Äste von den Bäumen reißt. Die Hagelkörner sind teilweise so groß wie Äpfel. Auch das große Zeltvordach am Badrestaurant ist in wenigen Minuten komplett zerrissen und durchlöchert. Die Badegäste fliehen in die Umkleideräume, ohne Rücksicht auf Geschlechter zu nehmen.

Rheinstrandbad Rappenwört. (Archivbild)

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Rheinstrandbad Rappenwört. (Archivbild)
Foto: Sophia Wagner

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Rheinstrandbad Rappenwört. (Archivbild)
Foto: Sophia Wagner

Da die Straßen voll mit Baumästen sind, läuft der Verkehr stadteinwärts sehr langsam. Diejenigen Badbesucher ohne Auto warten teilweise stundenlang und völlig durchnäßt, bis spät abends auf die Straßenbahn. Viele sind inzwischen zu Fuß in die Stadt gelaufen oder wurden von Autofahrern mitgenommen.

Jedoch helfen nach Ende des Sturms etwa 80 junge Leute in Rappenwört beim Aufräumen.

In Baden-Württemberg wird nur Karlsruhe getroffen

In Baden-Württemberg richtet der Sturm nur in Karlsruhe Schäden an, die zuerst auf mehrere hunderttausend Mark geschätzt werden. Neben den entwurzelten Bäumen haben der Sturm und der Hagel außerdem zwei Fabrikschornsteine so stark beschädigt, dass sie noch in der Sturmnacht abgerissen werden müssen.

Auf dem Gelände der Bundesgartenschau sind einige Gewächshäuser zerstört und durch umstürzende Bäume auch zahlreiche Kulturen vernichtet worden. Obwohl der Sturm nur etwa eine Stunde dauert, sind die Schäden beträchtlich.

Insgesamt beläuft sich der Gesamtschaden in den betroffenen Bundesländern nach ersten Schätzungen auf acht Millionen Mark. Neben Karlsruhe waren verschiedene bayerische Landkreise, die Gemeinde Scheibenhardt und Neuß am Rhein besonders von dem Umwetter betroffen.