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Berlin – Jetzt hängt der nächste Spruch! SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (47) reagiert mit einem eigenen Wahlplakat auf den provokanten CDU-Slogan von Stefan Evers (46). An der SPD-Parteizentrale im Willy-Brandt-Haus in der Berliner Wilhelmstraße 141 setzt Krach dem CDU-Kandidaten entgegen: „Berlin ist nicht konservativ. Und das ist auch gut so.“ Damit nimmt Krach direkt Bezug auf Evers’ riesiges Plakat an der CDU-Bundesgeschäftsstelle in Berlin-Tiergarten. Dort wirbt der CDU-Spitzenkandidat für die Berlin-Wahl am 20. September mit den Worten: „Ich bin konservativ. Und das ist auch gut so.“

Das Wahlplakat mit dem Spitzenkandidaten der CDU, Stefan Evers (46), hängt mit dem Slogan „Ich bin konservativ. Und das ist auch gut so“ hinter der Glasfassade der CDU-Parteizentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus
Foto: Annette Riedl/dpa
Doch Krach belässt es nicht bei dem Spruch. Auf seinem Plakat ist er gemeinsam mit dem früheren Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (72) zu sehen – jenem Politiker, der mit einem ähnlichen Satz Geschichte schrieb.
Vor 25 Jahren, am 10. Juni 2001, erklärte Wowereit auf einem SPD-Parteitag: „Damit auch keine Irritationen hochkommen, liebe Genossinnen und Genossen, ich sag’s euch auch und wer’s noch nicht gewusst hat“, leitete Wowereit in seiner Bewerbungsrede für die Bürgermeister-Kandidatur sein Coming-out ein. Dann hob er seine Stimme und es folgte der Satz: „Ich bin schwul und das ist auch gut so, liebe Genossinnen und Genossen.“ Der Satz wurde zum politischen Kult-Zitat und machte Wowereits Coming-out zu einem historischen Moment. Er war damals der erste deutsche Spitzenpolitiker, der seine Homosexualität so offen und selbstbewusst öffentlich machte.
Wowereit: „Kann jeder verwenden“
Was hält das Original davon, dass Evers seinen berühmten Satz nun politisch umdeutet? Wowereit reagiert erstaunlich gelassen. Zu BILD sagt er: „Natürlich hat vorher keiner gefragt. Ist ja auch nicht geschützt, kann jeder verwenden.“ Eine Verwechslung mit Evers’ politischer Haltung sei ohnehin ausgeschlossen, so Wowereit: „Ich stehe ja für eine progressive Politik.“
Bereits zuvor meinte der ehemalige Regierende Bürgermeister: „Dass Stefan Evers konservativ ist, das wissen wir. Ob das auch gut ist, sei dahingestellt.“

Klaus Wowereit (heute 72) auf einem SPD-Parteitag im Jahr 2001: „Ich bin schwul und das ist auch gut so, liebe Genossinnen und Genossen“
Foto: picture alliance/zb
Der Satz, der vor 25 Jahren Geschichte schrieb
Dabei war der berühmte Spruch von Wowereit selbst spontan. „Dieser Satz kam spontan, er war nicht vorbereitet und stand auch nicht im Manuskript.“ Damals sei die politische und gesellschaftliche Stimmung noch eine andere gewesen: „Das war damals noch eine andere Zeit, in der man eher sagte: Wenn schon, dann bitte nicht darüber sprechen.“
Der Satz wurde zum Wendepunkt. Weitere offen schwule Spitzenpolitiker wie Guido Westerwelle (†54) und Ole von Beust (71) folgten. 2017 wurde die „Ehe für alle“ beschlossen, queere Politiker sind heute deutlich sichtbarer.
Übrigens: Ganz neu war die Formel schon bei Wowereit nicht. Sein Vorgänger Klaus Schütz (†86) hatte einst scherzhaft über sich gesagt: „Ich bin Klaus Schütz, und das ist gut so.“
Jetzt bekommt der alte Spruch also eine neue Wahlkampf-Version. Evers gegen Krach, CDU gegen SPD – und mittendrin ein Satz, der vor 25 Jahren politische Geschichte schrieb. Wer am Ende tatsächlich sagen darf „Und das ist auch gut so“, entscheiden die rund 2,4 Millionen wahlberechtigten Berliner am 20. September bei der Wahl zum 20. Abgeordnetenhaus.
Ab Mitte August bis spätestens 30. August 2026 werden die Wahlbenachrichtigungen per Post zugestellt. Die Briefwahlunterlagen können zeitgleich mit dem Versand beantragt werden. Dies ist auch digital möglich.