Bielefeld. Viele Bielefelder lieben den Rosengarten am Bürgerpark, der im Frühsommer 2025 nach einer Runderneuerung wiedereröffnet wurde; auch die Senner Osthusschule mit dem Museumsgarten inklusive Rosariums hat zahlreiche Fans. Von dem privaten Rosenparadies nahe der Uni Bielefeld dagegen wissen wohl eher wenige. Doch es kann mit seinen rund 220 Rosen (100 verschiedene Arten) allemal mithalten. „Und wir kennen sie alle mit Namen“, sagt Annette Vater (84), die ihren Garten zusammen mit Ehemann Ludwig (86) 2003 nach einem Besuch des Europa-Rosariums Sangerhausen zu dessen 100-jährigem Bestehen angelegt hat.

Die überwältigende Farben- und Blütenpracht beginnt schon an der Terrasse mit dem Natursteinboden aus kleinen Grauwacke-Steinen hinter dem Wohnhaus. Sie ist eingerahmt von weißen und pinkfarbenen Hortensien in großen Töpfen – „Die pflanzen wir ausschließlich im Kübel, weil sie viel Wasser brauchen und man sie dort gezielt wässern kann“, erklärt Annette Vater – und blau blühendem Storchenschnabel, dazu natürlich Rosen, in Weiß, Rot, Pink – man weiß nicht, wohin man zuerst schauen soll.

Darunter findet sich eine Sorte, die Bielefelder oft aus dem eigenen Garten kennen: die rosa-weiße „The Fairy“ mit ihren kleinen Blütendolden, die nach dem Verblühen und Abschneiden üppig nachwachsen. Die „Gruß an Germershausen“ wächst ebenfalls hier, eine rosafarbene Kletterrose, die einst ein Mönch gezüchtet und das Ehepaar von einer Reise mitgebracht hat.

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Alte und seltene Rosensorten mit klangvollen Namen


Das "Denkmal der zwölf Freunde" hat Ludwig Vater zum 60. Geburtstag bekommen - natürlich von Freunden. - © Oliver Krato

Das „Denkmal der zwölf Freunde“ hat Ludwig Vater zum 60. Geburtstag bekommen – natürlich von Freunden.
| © Oliver Krato

Alte und seltene Rosensorten gedeihen überall im Garten, konzentriert aber besonders an einer Hausseite. Sie alle tragen klangvolle Namen: die violette Cardinal de Richelieu etwa, benannt nach dem berühmten Berater König Ludwigs XIII; die intensiv duftende Comte de Chambord („Das war lange Zeit meine Lieblingsrose“, sagt Annette Vater), deren Namensgeber der letzte Thronanwärter der Bourbonen-Dynastie in Frankreich ist; oder die rosafarbene, reichblühende Mrs. John Laing, deren Name an die Ehefrau eines bekannten Londoner Gartenbauspezialisten erinnert.

Die Bezeichnungen öffnen oft den Blick in vergangene Zeiten; aber auch die Geschichte ihrer Züchtung lohnt einen näheren Blick. Mitunter verweist der Name zudem auf historische Regionen, wie der der purpurfarbenen Tuscany, die bereits im 16. Jahrhundert dokumentiert wurde. „Alte Rosen blühen nur einmal“, sagt Annette Vater, die von ihrem Mann liebevoll „die Botanikerin von uns beiden“ genannt wird. Aber auf diese kurze Zeit könne man sich das ganze Jahr freuen.

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Von der Terrasse aus verläuft die Blickachse an einem pausbäckigen steinernen Cherubin vorbei quer durch die ganze Anlage, über den beeteingefassten Rasen bis zur hinteren Terrasse. „Dem ,Westend’“, sagt Ludwig Vater, der acht Jahre den Freundeskreis der Deutschen Rosengesellschaft in OWL geleitet hat. Begrenzt wird der Garten hier von zwei markanten, 4,5 Meter hohen Holzstelen aus grau verwittertem Holz, die sich effektvoll vor der Buchenwald-Kulisse abheben. „Ein Dresdener Künstler hat sie erschaffen.“ Rundherum hat das Ehepaar das „Westend“ mit einer Vielfalt an Rosen verschönert: der weißblühenden „Schneewittchen“, der rosafarbenen „Wildfang“, der Kletterrose „Guirlande d’Armour“ oder der seltenen „Netten Ingeborg“, die von einem tschechischen Züchter stammt.


Romantische Rosenbögen setzen mit ihrer Blütenpracht auffällige Akzente im Gartengrün. - © Ludwig Vater

Romantische Rosenbögen setzen mit ihrer Blütenpracht auffällige Akzente im Gartengrün.
| © Ludwig Vater

Lavendel, Katzenminze und Salbei als Begleitung

Frauenmantel, Katzenminze, Salbei, Glockenblumen und Lavendel, aber auch buntbelaubte Schlitzahorn-Büsche, Gräser und Farne begleiten die „Königin der Blume“. Dazwischen stehen einzelne Besonderheiten wie der Woll-Ziest mit seinen auffällig samtigen weißbehaarten Blättern. Duftender Polsterthymian zieht die Insekten an. Der seltene Schwalbenschwanz liebt das blauviolette Eisenkraut (Verbene) mit seinen feinen hohen Blüten.

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Die gesamte Gartenanlage besticht durch geschwungene Linien, gerade (Beet-)Kanten gibt es hier nirgends. Der Rasen wird durch kleine Pflanzinseln durchbrochen: Dort wiegen sich die vielen Blüten des leuchtend gelben Sonnenhuts sacht im Wind, wird eine zarte halbgefüllte „Medley-Pink“-Schönheit begleitet von einer Sternmagnolie und Waldmeister.

Die Eheleute teilen ihr Gartenglück mit ihren Freunden, für die sie jedes Jahr einen Fotokalender gestalten. Wichtig ist ihnen aber nicht nur die Schönheit, sondern auch das Wohlbefinden ihrer Pflanzen. Und, so Annette Vater: „Der Garten hält uns fit. Wir haben keinen Gärtner, wir machen alles selbst.“

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INFORMATION

Wettbewerb: Wer hat den schönsten Garten in OWL?

Die Neue Westfälische und das Haller Kreisblatt suchen 2026 wieder den „schönsten Garten in OWL 2026“. Zahlreiche Bewerber haben sich gemeldet, vielen Dank dafür! Die Redaktion hat jetzt die 14 spannendsten Gärten ausgewählt. Der hier vorgestellte Garten gehört dazu und hat die Chance auf den Sieg. Alle Teilnehmer aus OWL finden Sie im Laufe der kommenden Wochen auf der digitalen Themenseite. In der ersten September-Woche 2026 kann dort dann online abgestimmt werden.