Vor 125 Jahren gestartet
Von Kiel ins ewige Eis: Diese Expedition enttäuscht sogar den Kaiser
14.08.2026 – 05:07 UhrLesedauer: 3 Min.
Das im Eis eingefrorene Forschungsschiff „Gauß“: Fast ein Jahr bleibt das Forschungsschiff während der ersten deutschen Südpolarexpedition eingeschlossen. (Quelle: Leibniz-Institut für Länderkunde)
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Fast ein Jahr sitzt die „Gauß“ im antarktischen Eis fest. Als sie nach Kiel zurückkehren, zählt für Kaiser Wilhelm II. offenbar etwas anderes.
Am 11. August 1901 verlässt die „Gauß“ den Hafen von Kiel. An Bord sind 32 Teilnehmer der ersten deutschen Südpolarexpedition. Geleitet wird sie vom Geografen und Polarforscher Erich von Drygalski. Fünf Jahre lang ist die Reise vorbereitet worden. Ihr Ziel liegt in einem damals weitgehend unbekannten Teil der Antarktis.
Das eigens für die Expedition gebaute Schiff ist für seine Zeit hochmodern ausgestattet. An Bord gibt es Strom, Zentralheizung und Ventilatoren, eine Dampfmaschine mit 325 PS unterstützt den Dreimastsegler auf See. Für die langen Monate der Reise stehen der Mannschaft außerdem eine Bibliothek und sogar ein Klavier zur Verfügung.
Über die Kapverden, Kapstadt und das Kerguelen-Archipel fährt die „Gauß“ immer weiter nach Süden. Am 22. Februar 1902 wird das Forschungsschiff vom Eis eingeschlossen. Weiterfahren kann es zunächst nicht mehr. Fast ein Jahr bleibt die „Gauß“ im antarktischen Eis.
Die „Gauß“ steckt fast ein Jahr im Eis der Antarktis
Die Forscher nutzen die lange Zeit im Eis für ihre Arbeit. Sie nehmen unter anderem meteorologische und zoologische Untersuchungen vor und brechen mit Hundeschlitten zu mehrtägigen Erkundungsfahrten auf. Eine ihrer wichtigsten Entdeckungen ist der Gaußberg, ein rund 370 Meter hoher erloschener Vulkan, der aus der Eislandschaft herausragt.
Erich von Drygalski steigt 500 Meter über das Eis
Besonders spektakulär ist ein Experiment am 29. März 1902. Drygalski steigt in den Korb eines mit Wasserstoff gefüllten Fesselballons und lässt sich bis zu 500 Meter über das Eis ziehen. Von oben nimmt er die Umgebung in Augenschein, führt Messungen durch und hat eine Kamera dabei. Die dabei entstandenen Aufnahmen gehören heute zu den ältesten erhaltenen Luftbildern aus der Antarktis.
Drygalski glaubt zunächst, den ersten Ballonaufstieg in der Antarktis geschafft zu haben. Doch ausgerechnet die britische Konkurrenz war schneller. Die Expedition unter Robert Falcon Scott hatte bereits am 4. Februar 1902 einen Fesselballon steigen lassen – knapp zwei Monate vor den Deutschen.
Warum Kaiser Wilhelm II. von der Gauß-Expedition enttäuscht war
Denn bei der Erforschung der Antarktis geht es zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur um Wissenschaft. Auch nationales Prestige spielt eine Rolle. Die Deutschen, Briten und Schweden brechen 1901 zu koordinierten Expeditionen auf, gleichzeitig wächst der Wettbewerb um neue Entdeckungen. Scotts britische Expedition dringt schließlich weiter nach Süden vor als die deutsche.


