Sonst lädt die Galerie in der Mundenheimer Straße 252 in Ludwigshafen regelmäßig zu Ausstellungen von Gemälden ein, jetzt zeigt sie was „drum herum“ möglich ist. Nach dem historischen Vorbild eines Rahmens im Palazzo Pitti in Florenz hat die Gesellin Chantal Becker als Kontrast zum dunklen Ebenholz ein filigranes Muster aus Ranken, Blüten und Vögeln händisch gestaltet. Dafür hat sie eine der anspruchsvollsten Techniken der Vergolderkunst eingesetzt: die Radierungstechnik (Scraffito), bei der Schicht für Schicht mit einem feinen Holzstift weggekratzt wird, um die Glanzvergoldung darunter freizulegen.
„Das sind Techniken, die wir als Vergolder können, aber die im Alltag selten gefragt sind. Für Scraffito muss man zeichnen und das kann Chantal Becker besonders gut“, erklärt Galerist Werner Lauth, warum er dieses Einzelstück der Öffentlichkeit präsentiert und Interessierte einlädt, die Werkstatt zu besuchen. Die Vögel und Blüten wurden anschließend in der Lüstertechnik mit transparenter Farblasur koloriert. Dadurch schimmert unter dem Rot und Blau das Metall noch effektvoll durch. Ein solch außergewöhnlicher Rahmen könne für einen Spiegel verwendet werden oder für eine moderne Grafik, um sie durch den Kontrast zur Geltung zu bringen.
Rund 40 Stunden Arbeitszeit habe die Gesellin investiert. Der Wert des unverkäuflichen Stücks liege bei 3500 Euro – durch die aufwändige Handarbeit, die ansonsten vor allem bei Restaurierungen von Rahmen gefordert ist. Davon gebe es etwa drei bis vier Aufträge von Kunden pro Monat, für die die vier Mitarbeiter(innen) die alten Techniken beherrschen müssen.
Seit einem Dreivierteljahr sei allerdings wenig los, hört Werner Lauth auch von anderen in der Kunst-Branche und vermutet, dass gespart werde. „Vermutlich floriert jetzt mehr der Klimagerätebau“, scherzt Lauth.
Chantal Becker hat 40 Stunden investiert, um den Rahmen mit Sgraffito und Lüstertechnik zu gestalten.Foto: Galerie Lauth