Auffällig viele weiße Wagen mit einem roten Kreuz drauf zeigen am Freitagmorgen: Hier ist etwas anders als sonst am Zeittunnel in Wülfrath. Am 14. August fiel der Startschuss zu einem besonderen Weltrekordversuch: Die Notfallsanitäter-Azubis vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Wülfrath und Schwelm wollen 72 Stunden am Stück eine Reanimation durchführen.
30-mal Drücken zu „Stayin‘ Alive“
Nicht ganz pünktlich um 10.02 Uhr wurde damit begonnen. Die Azubis Toni Bayarzt (DRK Schwelm) und Noah Anlauf (DRK Wülfrath) machten den Anfang: Die leblose Person auf dem Boden ansprechen – keine Reaktion. Atemkontrolle – kein Atem. Es besteht also Handlungsbedarf. Bayarzt beginnt mit der Herzdruckmassage: In Höhe der Brustwarzen und mittig vom Oberkörper drückt sie mit beiden Händen rund sechs Zentimeter tief auf den Brustkorb im 30er-Takt (bei Frauen sollte im oberen Drittel des Oberkörpers gedrückt werden). Anlauf nimmt die Intubation vor – nach 30-mal Drücken folgt zweimal Drücken auf den Beatmungsbeutel. Dann wieder 30-mal Drücken und so weiter. Passend dazu läuft der Song „Stayin‘ Alive“, dessen Takt genau dem Drückrhythmus entspricht.
Der Start ist geglückt. „Ich bin erleichtert“, sagt Toni Bayarzt. Das heiße Wetter erschwert allerdings den Versuch, da die Reanimation durchaus körperlich sehr anstrengend ist. „Wir werden darauf achten, dass jeder ausreichend trinkt und genügend zur Verfügung steht“, erklärt Bayarzt. Sie wird mit ihren DRK-Azubi-Kollegen bis Montagmorgen (17. August) am Zeittunnel sein, um Menschen bei der Reanimation anzuleiten und zwischendurch selbst zu übernehmen. Der THW-Ortsverband Heiligenhaus-Wülfrath hat ihnen Feldbetten zur Verfügung gestellt, auf denen sie sich im WüRG-Haus ausruhen können. Etwa acht von ihnen sind nachts anwesend. Denn auch nachts muss für den Rekord ununterbrochen wiederbelebt werden.
Jeder ab 16 Jahren kann mitmachen
Neben einer Gruppe der Deutschen Apotheker- und Ärztebank war auch schon eine Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr Wülfrath kurz nach Startschuss am Freitag vor Ort, um zu unterstützen. Doch es dürfen gerne über das Wochenende noch mehr Freiwillige ab 16 Jahren werden – gerne auch nachts. Für die Teilnahme gibt es auch eine Urkunde.
Die Übernahme erfolgt so: Während der eine noch drückt, nimmt der andere schon einmal den Beatmungsbeutel in die Hand. Wenn es Zeit wird, diesen zu drücken, drückt er die zwei Mal und macht dann mit dem Drücken auf dem Oberkörper weiter. Zwei unabhängige Zeugen müssen die ganze Zeit dabei sein und Logbücher führen. Auch dafür werden noch ein paar Freiwillige gebraucht.
Versuch macht auf wichtiges Thema aufmerksam
„Für den Weltrekord muss alles genau dokumentiert sein“, berichtet Lukas Mutzberg vom DRK Wülfrath. Auf die Frage, was passiert, wenn etwas schiefgeht, sagt er selbstbewusst: „Es wird alles klappen!“ Neben dem Weltrekordversuch geht es den DRKlern aber vor allem darum, auf das lebenswichtige Thema Reanimation aufmerksam zu machen. In der Regel machen Menschen einmal vor dem Führerschein einen Erste-Hilfe-Kurs und danach nie wieder. Die Hemmung steigt, im Ernstfall eine Wiederbelebung durchzuführen. „Genau da wollen wir ansetzen und die Menschen motivieren“, so Mutzberg.
Einweisung und Rahmenprogramm
Angst braucht man bei der Puppe allerdings nicht zu haben. Zudem gibt es nach der Registrierung zur Teilnahme vor Ort auch noch eine kurze Einführung, wer Bedarf hat. Es wird aber nicht „nur“ reanimiert, Samstag und Sonntag gibt es auch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Parkmöglichkeiten gibt es nicht direkt am Zeittunnel – bitte in der Umgebung parken, etwa am Wanderparkplatz Hammerstein.