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Dresden – Dürre, Hitze, Brandgefahr! Durch die verheerenden Waldbrände in Deutschland wächst die Angst in der Bevölkerung, dass es durch ausgetrocknete Böden und fehlenden Regen hierzulande immer öfter brennen könnte. Drohen jetzt auch bei uns die Feuer-Höllen wie in Südeuropa? Was sind die Ursachen der Flammen und was sind jetzt die ungeahnten Gefahren? Waldschutz-Professor Michael Gunter Müller (64) von der TU Dresden und Waldbrand-Doktor Dirk Schneider (56) von der Feuerwehr in Sachsen sprechen bei BILD über Mythen und Gefahren.

Was hat der Klimawandel damit zu tun?

Brandkatastrophen wie in Kroatien, Frankreich oder Griechenland fürchtet Prof. Müller vom Lehrstuhl Waldschutz hierzulande nicht. „Das liegt an den unterschiedlichen Vegetationsformen. Die Brandlast in unseren Wäldern ist geringer“, so Müller. Hier gebe es mehr Mischwälder, statt kilometerlanger Kiefernwälder – mit ihren vielen Nadeln und dünnen Ästen seien sie in Südeuropa ideales Brennmaterial.

Waldschutz-Professor Michael Gunter Müller (64) ist Deutschlands renommiertester Waldexperte

Waldschutz-Professor Michael Gunter Müller (64) ist Deutschlands renommiertester Waldexperte

Foto: tu-dresden.de

Der Leitende Branddirektor Dr. Schneider sagt aber auch: „Wir spüren hier die Auswirkungen des Klimawandels. Mit einer einhergehenden Dürre gibt es auch bei uns eine längere Waldbrandsaison. Früher waren es die Sommermonate, jetzt ist es ganzjährig. Durch die Trockenheit gibt es schnellere Brandausbreitung und höhere Brandintensität. Der Klimawandel an sich löst keinen Waldbrand aus. Es braucht immer eine Zündquelle.“

Brände meist von Menschen gemacht

Laut Schneider, Sachsens oberstem Feuerwehr-Ausbilder, sind nur zwei Prozent der Flammen natürlichen Ursprungs. „Das könnten Blitzeinschläge sein“, sagt Müller. Dazu kämen äußerst seltene Torfbrände. „Da ist, übertrieben gesagt, aber die Wahrscheinlichkeit größer, den Eurojackpot zu gewinnen“, so Schneider zu BILD. 98 Prozent der Feuer haben eine menschliche Ursache wie Fahrlässigkeit. „Die berühmte weggeworfene Zigarette“, erklärt der Feuerwehrmann. Dazu käme die Gefahr durch heiße Auto-Katalysatoren am trockenen Waldboden. Aber auch Mähdrescher und Funkenflug von Güterzügen (Bremsanlage) könnten erst Feld- und Böschungsbrände, dann den Wald entzünden.

Leitender Branddirektor Dirk Schneider (56) hat zu Waldbrandschutz promoviert

Leitender Branddirektor Dirk Schneider (56) hat zu Waldbrandschutz promoviert

Foto: Dirk Schneider/Facebook

Einige Feuer werden laut den Experten absichtlich gelegt. Doch wer macht so etwas? „Diejenigen, die sich teure Waldpflege durch Brandlegung sparen wollen“, sagt Schneider. Aber auch „Gelegenheitsbrandstifter oder Leute mit sexuellen Motivationen“, fährt er fort. Pyrophilie nennt man es im Fachjargon, wenn Menschen sexuell von Feuer erregt werden– etwa beim Beobachten, Entzünden oder Spielen mit den Flammen. Mit einem Mythos räumen die Experten auf: Einen Brennglaseffekt durch Scherben gebe es nicht. Schneider: „Ich bitte dennoch jeden, keine Flaschen in den Wald zu werfen.“ Selbstentzündung ist laut Prof. Müller nicht möglich. „Wir brauchen 300 Grad Celsius, die Sonne schafft nur 60 Grad.“

Weltkriegsmunition löst Feuer aus

Beide Experten warnen aber vor einem deutschen Problem: dem sogenannten kampfmittelbelasteten Boden. Damit gemeint: abgeworfene oder verklappte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg, die Brände auslösen kann. Laut Dr. Schneider handelt es sich „unter anderem um alte Phosphormunition, die umsetzt“ – also chemisch reagiert. Er erklärt: „Hohe Temperaturen regen die Oxidation an, dadurch kommt es zum Feuer. Hier spielt uns der Klimawandel durch steigende Temperaturen schlecht in die Karten.“ Solche Feuer gab es u. a. schon in der Gohrischheide (Sachsen/Brandenburg).

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Ob Feuer außer von Menschen und der Natur selbst auch von Tieren entfacht werden kann, damit beschäftigt sich Feuerwehr-Lehrer Schneider – und beschreibt ein Phänomen aus Australien. „Hier haben bestimmte Milan-Arten eine raffinierte Methode entwickelt, vom Feuer zu partizipieren. Der Greifvogel nimmt brennende Äste auf und verteilt sie, weil der Brand seine Beute aus dem Wald heraustreibt. Fliehende Tiere am Boden kann er so besser fangen.“ Das Feuer selbst legt er nicht. „Er benötigt einen Urbrand“, so der Waldbrandschutz-Experte.

Im Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen unterstützt die Polizei aus der Luft bei der Brandbekämpfung

Im Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen unterstützt die Polizei aus der Luft bei der Brandbekämpfung

Foto: Federico Gambarini/dpa

Müssen wir Angst vor mehr Waldbränden haben?

Bilder von Waldbränden aus Spanien, Italien und Deutschland schüren die Sorge, dass es künftig häufiger bei uns brennen könnte. Prof. Müller beruhigt: „Die Zahl der Waldbrände ist stabil. Wir haben in Deutschland ein niedriges Niveau. Das liegt am Waldumbau, so ist die Gefahr von Vollfeuern geringer geworden.“ Zudem haben wir „modernste Überwachungsmaßnahmen“. Der Experte weiter: „Die meisten Waldbrände sind in ein bis zwei Stunden unter Kontrolle, werden unter einem Hektar gehalten.“ Schwierig sind die Löscharbeiten aber in munitionsbelasteten Wäldern, da die Löschtrupps hier nur mit großem Sicherheitsabstand löschen können.

Prof. Müller – Experte für Waldschutz

Prof. Dr. Michael Gunter Müller (64) ist Professor für Waldschutz an der Technischen Universität Dresden in Tharandt und leitet dort die Professur für Waldschutz. Seit 1999 ist der gebürtige Brandenburger Professor an der TU Dresden, zunächst für Forstschutz, seit 2013 für Waldschutz. Seine Fachgebiete sind Waldschutz, Waldökologie, Holzschutz, Waldbrände, Schadinsekten (Borkenkäfer) sowie Jagd- und Wildmanagement. Er gilt als Deutschlands profundester Waldexperte.

Dr. Schneider – Experte für Waldbrandschutz

Dr.-Ing. M. Sc. Dipl.-Ing. Dirk Schneider (56) ist Leitender Branddirektor. Er studierte an der Universität Wuppertal Sicherheitstechnik (Schwerpunkt Brand- und Explosionsschutz) und an der Technischen Hochschule Köln Rettungsingenieurwesen und promovierte an der Technischen Universität Dresden im Fachgebiet Waldbrandschutz. Schneider leitete von 2002 bis 2009 die Werkfeuerwehr des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS in München und war von 2011 bis 2019 Abteilungsleiter Einsatzdienste der Berufsfeuerwehr Chemnitz. Ab 2019 war er Landesbranddirektor des Freistaates Sachsen. Seit 2025 ist er Leiter der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Sachsen.