Mehr als 100 Besucher haben am Sonntag, 9. August, trotz hochsommerlicher Temperaturen die Eröffnung der neuen Ausstellung des Kunstvereins Langenfeld besucht. Im Mittelpunkt steht diesmal zeitgenössische Kunst aus China. Für einen besonderen Höhepunkt sorgte der aus Ningbo in Ostchina angereiste Künstler Wang Chen, der seine Kunst in einer öffentlichen Live-Performance präsentierte.
Möglich wurde das besondere Kunstevent durch die Unterstützung der VR Bank Bergisch Gladbach Leverkusen. Beate Domdey-Fehlau vom Kunstverein dankte dem Sponsor und begrüßte dessen Vertreter Oliver Böhm und Markus Fischer. Auch der stellvertretende Bürgermeister Sven Lucht sowie zahlreiche Ratsvertreter aus der Politik waren zur Ausstellungseröffnung gekommen. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der jungen Pianistin Rong Chen, die ihr Studium an der Musikhochschule Münster absolviert hat.
Weiqun Peper-Liu, Kuratorin und zweite Vorsitzende des Kunstvereins, ordnete die ausgestellten Arbeiten in ihrer Einführung in die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst Chinas ein. Deren entscheidende Anfänge reichen in die 1980er-Jahre zurück – eine Zeit, in der sich China nicht nur wirtschaftlich gegenüber dem Westen öffnete, sondern auch einen tiefgreifenden gesellschaftlichen und kulturellen Wandel erlebte. „Die chinesische zeitgenössische Kunst wurde stark durch diese historischen und gesellschaftlichen Veränderungen Chinas getragen und entwickelte im Spannungsfeld zur internationalen Kunst ihre ganz eigene Sprache“, erläuterte Peper-Liu.
Sie kennt diese Entwicklung aus eigener Erfahrung: In den 1980er-Jahren studierte sie an der Kunsthochschule Guangzhou und lehrte dort auch. Die sechs Künstler der Langenfelder Ausstellung sind der avantgardistischen Bewegung jener Zeit zuzurechnen, die heute als „85er Neue Welle“ bekannt ist. Einen Höhepunkt erreichte diese Entwicklung 1989 mit der legendären Ausstellung „China/Avantgarde“ in Peking.
Entsprechend vielfältig sind die Positionen, die der Kunstverein in Langenfeld präsentiert. Shan Zeng verbindet traditionelle chinesische Tuschemalerei mit abstrakten Bildwelten. Jin Geng setzt sich in seinen Acrylbildern mit buddhistischer Philosophie auseinander. Li Xiaoqiang richtet den Blick auf Macht und Gesellschaft, während Liang Yue in seinen Siebdrucken Fragen nach Tradition und Identität aufgreift. Einen ungewöhnlichen Zugang zur Gegenwartskunst zeigt Tie Ying. Seine fotografischen Arbeiten erinnern an abstrakte florale Strukturen. Ausgangspunkt sind jedoch Pressefotografien von Menschenansammlungen, die mithilfe künstlicher Intelligenz in neue Bildwelten überführt werden.
Besonders eindrucksvoll wurde die Verbindung von Tradition und Gegenwart bei Wang Chen. Seine Arbeiten greifen die Bildsprache traditioneller chinesischer Landschaftsmalerei auf, entstehen jedoch mit einer ungewöhnlichen Technik: Beim sogenannten „Whip Painting“ dient eine Peitsche als Malwerkzeug. Wie aus dieser ungewöhnlichen Arbeitsweise Kunst entsteht, konnten die Besucher bei der Eröffnung unmittelbar erleben. Statt auf Asphalt arbeitete Wang Chen auf einer rund fünf Quadratmeter großen Leinwand. Mit erheblicher körperlicher Anstrengung setzte er dynamische Bewegungen in ein abstraktes Gemälde um. Das Ergebnis sorgte beim Publikum für Gesprächsstoff – und zeigte zugleich, wie unterschiedlich sich traditionelle chinesische Bildsprache und zeitgenössische Street Art miteinander verbinden lassen.
Die Ausstellung im Kunstverein, Hauptstraße 135, läuft bis zum 13. September: Dienstag, Freitag, Samstag von 10 bis 13 Uhr; Donnerstag von 15 bis 20 Uhr und Sonntag von 15 bis 18 Uhr.