Milana Reitmayer hat ihr Geschäft Ideenreich in der Augsburger Altstadt zuletzt an drei Tagen früher geschlossen als sonst. Über ihre Social-Media-Kanäle schrieb sie mit Verweis auf die Temperaturen: „Bis 17 Uhr geöffnet.“ Die dauerhafte Hitze ist für die Händlerin ein Problem: „Zum Anfang des Sommers kamen viele Menschen in die Stadt, ich war mit dem Geschäft zufrieden“, sagt sie. Doch je länger die Hitzeperiode anhalte, umso weniger Kunden würden kommen. „Als ich an einem der Tage einen Umsatz hatte, den ich eher als Schmerzensgeld bezeichnen würde, habe ich entschieden, früher zu schließen“, erzählt sie. Auch andernorts in Augsburg sorgt die Hitze für Mehrkosten und Umsatzeinbußen.

Bei Eilles in der Annastraße standen Kunden dieser Tage mehrmals vor verschlossener Türe. „Hitzefrei“ hieß es zunächst auf einem Zettel im Schaufenster. Kurz darauf der zweite Aushang. „Klimaanlage defekt. Wir schließen um 14.30 Uhr“. Neben Kaffee bietet Eilles Pralinen und andere schokoladige Süßwaren, die den hohen Temperaturen offenbar nicht standhalten. Ein Augsburger Gastronom wiederum erzählt, die Reservierungen seien deutlich zurückgegangen. „Ich würde selbst auch nicht bei 29 Grad Raumtemperatur in meinem Restaurant sitzen wollen“, zeigt er Verständnis.

Kühlung in der Hitzewelle: In Augsburger Museen steigt der Stromverbrauch

„Brauer dürfen über Hitze nicht klagen“, stellt dagegen Braurei-Chef Sebastian Priller klar. Der Getränkeabsatz steigt. Dennoch habe auch sein Unternehmen mit der Hitze zu kämpfen – etwa im Sudhaus oder auch in der Küche des Restaurants. Die Kühlung im Biergarten sei derart in die Knie gegangen, dass mobile Kühlgeräte der Bierakademie zusätzlich eingesetzt werden mussten. Dazu habe sich der Motor des Sonnensegels derart überhitzt, dass dieses nicht mehr eingefahren werden konnte. Um für die Beschäftigten eine Abkühlung von Innen zu ermöglichen, sei eine ganze Palette Spezi-Eis bestellt worden. „Ich selbst schleiche mich ab und zu in den Lagerkeller, um bei 0 Grad herunterzukühlen“, verrät der Brauerei-Chef.

Auch in dieser Woche kratzt die Temperatur wieder öfter an der 30-Grad-Marke.

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Auch in dieser Woche kratzt die Temperatur wieder öfter an der 30-Grad-Marke.
Foto: Frank Rumpenhorst, dpa

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Auch in dieser Woche kratzt die Temperatur wieder öfter an der 30-Grad-Marke.
Foto: Frank Rumpenhorst, dpa

Auch bei der Stadt spürt man die Hitzewelle. In den Museen sei der Stromverbrauch für die Kühlung der Ausstellungsräume nach oben gegangen, heißt es auf Anfrage. Die Kühldecke in der Zentrale der Stadtbücherei stoße bei diesen Temperaturen ebenfalls an ihre Grenzen. Im Botanischen Garten werde täglich frühmorgens gewässert, hochwertige Bereiche würden priorisiert.

Dazu gebe es im gesamten Stadtgebiet Trockenschäden, insbesondere an Gehölzen und Bäumen. „Das Ausmaß der Schäden wird sich über die nächsten Jahre zeigen und erst mit den laufenden und kommenden Baumkontrollen messbar werden.“ Rund 1300 Bäume und 300 Kübelpflanzen und Beete werden von den städtischen Mitarbeitenden regelmäßig gegossen.

Straßenschäden durch Hitzewellen: Augsburg erwartet Mehrkosten beim Unterhalt

Gute Nachrichten kommen zunächst von der Straße. Dort und an Straßenbahnschienen seien derzeit keine akuten Schäden bekannt. Die anhaltend hohen Temperaturen könnten jedoch Verformungen von Asphaltbelägen begünstigen. Solche temperaturbedingten Beeinträchtigungen machten mittel- bis langfristig Instandsetzungsmaßnahmen erforderlich.

Welche finanziellen Schäden die Hitzewelle konkret verursacht, könne man derzeit nicht beziffern, so die Stadt. Auch die Wirtschaft tut sich schwer. Laut einer Berechnung des Forschungs- und Beratungsunternehmens Prognos können die Schäden bei Temperaturen von mehr als 35 Grad an einem Tag für die gesamte deutsche Wirtschaft auf annähernd eine Milliarde Euro steigen. Regionale Berechnungen gibt es laut der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Schwaben nicht. Dass die Hitzewelle der Wirtschaft finanzielle zusetze, sei dennoch unstrittig, sagt Niklas Gouverneur, Abteilungsleiter Wirtschaftsforschung und Politik bei der IHK. Er nennt Beispiele.

Hitze wird für Wirtschaft zum Kostenfaktor

„Beschäftigte arbeiten langsamer, brauchen mehr Pausen und machen leichter Fehler. Gleichzeitig steigt der Aufwand für Kühlung, Wartung und Organisation“. Zudem gerieten temperaturempfindliche Prozesse schneller aus dem Takt. Im schlimmsten Fall stünden Anlagen still. Schäden an Straßen oder Schienen oder das aktuelle Niedrigwasser in den Flüssen könnten Transporte verzögern. Dann fehlten Vorprodukte, Lieferungen kämen später an und die Kosten würden steigen. Dazu kämen die Kosten für die Vorsorge. Unternehmen investierten in Verschattung, Dämmung, Lüftung, Kühltechnik und robustere Anlagen. „Hitze ist deshalb längst nicht mehr nur ein Wetterthema. Sie wird immer mehr zum Kosten-, Produktivitäts- und Standortfaktor für die regionale Wirtschaft“, so Gouverneur.