Lebensmittelpreise unter Druck
Jetzt beginnt der Kampf ums Essen
MeinungEin Gastbeitrag von Michael Scharfschwerdt
15.08.2026 – 12:10 UhrLesedauer: 4 Min.
Rebenlese in Sachsen-Anhalt (Archivbild): Kriege und Extremwetter führen weltweit zu Ernteausfällen. (Quelle: steffen schellhorn via www.imago-images.de)
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Der Iran-Krieg und das Extremwetter haben weitreichende Folgen für die Landwirtschaft. Gastautor Michael Scharfschwerdt warnt in der Folge vor Hungerkrisen und steigenden Lebensmittelpreisen weltweit.
Ein Gastbeitrag von Michael Scharfschwerdt
Spätestens seit den US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar blickt die Welt wieder gebannt auf den Ölpreis. Sie wäre besser beraten, auf den globalen Lebensmittelpreisindex zu schauen, denn er ist massiv gestiegen, und das könnte erst der Anfang sein.
Schuld daran sind insbesondere die fehlenden Düngemittelexporte aus der Golfregion. Rund ein Drittel des weltweiten seegestützten Düngemittelhandels läuft laut den Vereinten Nationen normalerweise durch die Straße von Hormus. Der Grund ist simpel. In vielen Düngemitteln stecken Harnstoff, Ammoniak, Phosphate und Schwefel. Ihre Verarbeitung benötigt viel Energie, und diese ist in Ländern wie Saudi-Arabien, Katar oder den Vereinigten Arabischen Emiraten günstig. Von dort werden die Produkte exportiert. Als Reaktion hat China beispielsweise bereits im März eigene Düngemittelexporte ausgesetzt. So soll der eigene Bedarf sichergestellt werden. Damit wird die Situation auf dem Weltmarkt jedoch weiter verschärft.
(Quelle: Sorin Morar)Zum Autor
Michael Scharfschwerdt ist Kommunikations- und Strategieberater bei der globalen Unternehmensberatung Kearney. Zuvor leitete er 2021 die Wahlkampftour von Annalena Baerbock und war von 2022 bis 2025 Chef des Planungsstabs im Auswärtigen Amt.
Es gibt aber einen gewaltigen Unterschied zwischen Erdöl und Dünger. Sobald die Straße von Hormus wieder geöffnet wird, könnten Tanker wieder fahren und die Nachfrage nach Öl und Gas wieder bedient werden, auch wenn die Preise nicht automatisch auf das Vorkriegsniveau sinken dürften. Im Agrarsektor verhält es sich anders.
Eine wiedereröffnete Meerenge würde zwar den Düngerhandel wieder möglich machen, dies hätte jedoch kaum noch Einfluss auf die Ernten 2026. Man könnte jetzt noch so viel Dünger auf die Äcker schütten, wie man wollte: Die Erträge werden trotzdem schlechter ausfallen, weil Pflanzen sich nicht nach Kriegs- und Blockadelogiken richten, sondern zu bestimmten Zeitpunkten Dünger brauchen. Diese Zeitpunkte sind in vielen Regionen der Welt bereits verstrichen.
Schlechtes Erntejahr erwartet
In Europa werden vor allem Landwirte, die Agrarwirtschaft und Verbraucherinnen und Verbraucher die Folgen spüren. Die einen werden weniger verdienen, die anderen höhere Preise zahlen. So warnte der Deutsche Bauernverband schon vor Wochen vor einem quantitativ und qualitativ schlechten Erntejahr, geringen Düngemittelbeständen für 2027 und hohen Einkaufspreisen. Die ersten Ernteergebnisse bestätigen dies nun. Zugleich sinken die Gewinnmargen der Landwirte weiter – bedingt durch hohe Dieselpreise infolge des Kriegs am Golf und die erfolgreichen ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis Landwirte und die Agrarwirtschaft nach finanziellen Hilfen rufen.
