Es ist ein Material, von dem Patienten deutlich profitieren sollen: Konkret geht es um Hüftgelenk-Arthrose, in der Rheintor-Klinik kommt eine neue Generation Keramik-Kappen zum Einsatz. Die Details.
Neu ist, dass bei dieser Weiterentwicklung sowohl die Hüftkappe, quasi die „Überkronung“ des Hüftkopfes, als auch die Hüftpfanne aus einem keramischen Werkstoff bestehen, wie das Rheinland-Klinikum mitteilt. „Anders als bei herkömmlich verwendeten Metall-Implantaten entsteht hier bei der natürlichen Bewegung des Gelenks im Alltag kein metallischer Abrieb, es gelangen also keine Metall-Ionen ins Blut“, erklären Dr. Martin Schulte-Mattler und Dr. Dirk Glaser.
Von dieser Problematik waren Frauen besonders betroffen, ein solcher Abrieb tritt bei ihnen häufiger auf. Grund dafür ist, dass weibliche Hüftgelenke in der Regel kleiner sind als die von Männern, wie es in der Mitteilung heißt. Für die Patienten könne der Keramik-Ersatz eine Alternative zur Vollprothese sein. Weil sich in diesem Fall Keramik auf Keramik bewege, entstehe nur ein minimaler Abrieb. Der Werkstoff sei zudem langlebig und allergikerfreundlich.
Erster Patient in Neusser Klinik mit Keramik-Implantat
Für den Umgang mit dem Keramik-Implantat wurden die beiden Hauptoperateure der Rheintor-Klinik noch einmal geschult: in Workshops, Kursen und Hospitationen an einer Londoner Klinik. Nach der Implementierung der OP-Methode in der Neusser Klinik sollen sie ihr Wissen an Ärzte aus anderen Häusern weitergeben.
Es gibt bereits einen Patienten, bei dem diese Neuerung zum Einsatz kam: Frank Schrade. Die Operation fand an seinem 68. Geburtstag statt. „Seit Dezember hatte ich unerträgliche Schmerzen“, so der Neusser, der als sportlich-aktiv beschrieben wird. Zuletzt sei er kaum noch in der Lage gewesen, sich allein die Schuhe zu binden. Nun hofft er, bald wieder sein gewohntes Fitness-Training aufnehmen zu können. Nach Angaben des Krankenhauses stehen die Chancen dafür gut: Nach der Operation konnte er noch am selben Tag unter Beaufsichtigung aufstehen und, angeleitet von einem Physiotherapeuten, erste Mobilisations-Übungen machen.
Die Rheintor-Klinik sei nach eigenen Angaben eine der ersten Kliniken in Deutschland gewesen, in denen die sogenannte „McMinn-Prothese“, ein knochensparender Oberflächenersatz des Hüftgelenks, verwendet wurde. Seitdem seien etwa 2500 Oberflächenprothesen implantiert worden, heißt es in der Mitteilung.