Die Machthaber verrücken seit jeher die Staatsgrenzen, ohne die Menschen, die auf diesen Gebieten leben, in Betracht zu ziehen. Flucht, Enteignung, Diskriminierung – die Heimatvertriebenen haben sie in der jüngsten Geschichte am eigenen Leib erfahren. Sigrid Kruschinski zeigt einen handgeknüpften Teppich, der von seiner mittlerweile verstorbenen Macherin, Frau Nolde, mit „Verlorene Heimat“ betitelt wurde. Von 1226, als der deutsche Ritterorden nach Ostpreußen kam, führt die gewebte Geschichte des Teppichs bis zur Vertreibung auf Beschluss der alliierten Siegermächte 1945. Glaube, Liebe und Hoffnung hat die Künstlerin symbolhaft zwischen Dornen und Disteln dargestellt. Der Flüchtlingswagen hat kreuzförmige Räderachsen, die für die Verstorbenen stehen. Kruschinski, die sich heute als Schriftführerin im Vorstand des Bundes der Vertriebenen in Wuppertal engagiert, ist 1941 im Kreis Lyck in Südostpreußen, dem heutigen Kreis Ełk in Polen, geboren. Ihre Familie durfte damals im Haus der Großeltern bleiben.