Ja, die Kunst verschleiert die wahren Probleme

Das Positive gleich vorneweg: Immerhin hat es die Stadt Frankfurt mit ihrer Aktion geschafft, dass über die Konstablerwache gesprochen wird. Mehr Gutes lässt sich über dieses kostspielige Vorhaben allerdings nicht sagen. Die Kunstinstallation an der „Konsti“, wie die Frankfurter die Konstablerwache gern nennen, kann man getrost unter der Kategorie „Gut gemeint, aber überflüssig“ verbuchen.

2,3 Millionen Euro sind zu viel Geld für ein paar im Wind baumelnde Netze an vier Streben, die nachts angestrahlt werden. Ein Platz wie die Konstablerwache braucht keine dekorativen Kunstobjekte, sondern echte Lösungen. Für die Menschen, die ihn täglich nutzen und mit seinen Problemen leben müssen.

Was haben sich die Macher dabei gedacht? Dass sich alle Herausforderungen verflüchtigen, sobald man nach oben auf die Kunst blickt? Das ist naiv. Unten zeugt die zubetonierte Konstablerwache immer noch von Tristesse, der Platz leidet unter Dreck und einem florierenden Drogenhandel, weshalb viele ihn meiden, sobald es dunkel wird.

Aus diesem Kriminalitätsbrennpunkt durch bunte Wölkchen eine Piazza zu machen, ist so, als würde man ein paar Luftballons an die Videokameras der Polizei hängen, die hier seit einigen Jahren alles aufzeichnen, um der Lage überhaupt noch Herr zu werden.

Die Skulptur muss zudem im Winter abgebaut werden, nach drei Jahren ist die Aktion abgelaufen und das Netz verschwindet wieder komplett. Die Probleme des Platzes aber werden bleiben. Das Geld für die Installation hätte besser in soziale Projekte und die Infrastruktur investiert werden sollen, insbesondere an einem Standort mit hoher sozialer und wirtschaftlicher Bedeutung. Schon etwas mehr Grün wäre ein Anfang gewesen.

Solange Frankfurt unter Wohnungsnot und steigenden Mieten, Sanierungsstau an Schulen oder grassierender Drogennot am Hauptbahnhof leidet – um nur ein paar Beispiele zu nennen –, sollte kein Geld für teure Prestigeprojekte ausgegeben werden, nur weil man sich ein Jahr lang „World Design Capital“ nennen darf.