Nach der Insolvenz des bisherigen Lieferanten Vitadora hat die Stadt Bad Wörishofen entschieden, wie es im neuen Kitajahr weitergehen wird. Zwei Überraschungen für die Eltern gibt es dabei: Der Vitadora-Käufer kommt nicht zum Zug – und die Essen werden teurer. Außerdem wurde am Freitagnachmittag bekannt, dass es künftig mindestens zwei Essenslieferanten mit unterschiedlichen Bedingungen in Bad Wörishofen gibt, je nachdem, welchen Kindergarten man gebucht hat.

„Nachdem unser bisheriger Vertragspartner für die Essensbelieferung der Kindertageseinrichtungen, die Firma Vitadora, insolvent ist, hat die Stadt Angebote bei anderen Anbietern eingeholt“, teilte die Stadtverwaltung in einem Schreiben mit, das unserer Redaktion vorliegt. Martin Aicher, der Abteilungsleiter Zentrale Dienste im Rathaus, bestätigte am Freitag, dass man diesen Brief an alle Eltern verschickt habe, die Kinder in den städtischen Einrichtungen haben.

Vitadora wurde vor wenigen Wochen übernommen, von der Albrechthof Catering & Menü GmbH im Landkreis Weilheim-Schongau. In Bad Wörishofen wird der Vitadora-Nachfolger aber nicht der neue Lieferant. „Nach Auswertung dieser Angebote hat sich die Stadt für die Firma Gastromenü aus Ulm entschieden“, heißt es in dem Schreiben der Stadt. Das allerdings, gilt zum Beispiel nicht für den größten Kindergarten der Stadt, den St.-Anna-Kindergarten. Das wurde am Freitagnachmittag bekannt.

Deshalb hat sich Bad Wörishofen nicht für den Vitadora-Nachfolger entschieden

„Wichtigstes Kriterium war, dass bei gleicher Qualität die Essen günstiger angeboten wurden“, erläutert die Stadt. Gastromenü übernimmt die Belieferung zum 1. September 2026. Das Essen könne weiterhin über die Vinow-App bestellt werden. Die Eltern müssten sich dazu aber neu registrieren.

„Neu ist jedoch, dass eine Abbestellung am selben Tag nicht mehr möglich ist, sondern am Vortag bis 10 Uhr für den nachfolgenden Tag bestellt werden muss.“

Es gibt noch eine weitere Neuerung. „Im Zuge des Wechsels wurde auch die Servicepauschale, die die Stadt zur Deckung Ihrer Kosten für hauswirtschaftliches Personal erhebt, neu berechnet“, heißt es in dem Schreiben.

Das Ergebnis der Neuberechnung war, dass pro Essen zukünftig eine Servicepauschale von 2,22 Euro erhoben wird, bislang waren es 1,05 Euro.

„Dies führt dazu, dass sich die Preise trotz des geringeren Einkaufspreises bei der Firma Gastomenü, erhöhen werden“, berichtet die Stadtverwaltung. Ein Essen in der Krippe koste zukünftig 7,21 Euro, im Kindergarten und Hort 7,56 Euro.

„Die Pauschale hat sich verdoppelt, weil sie seit vier Jahren nicht mehr berechnet wurde und die Personalkosten, auf denen die Pauschale beruht, seitdem stark gestiegen sind“, erläutert Martin Aicher auf Nachfrage.

Nicht erfüllt wird dagegen ein Wunsch, den mehrere Eltern im Zuge der Vitadora-Insolvenz geäußert hatten. „Das Mitbringen von eigenem Essen ist aus organisatorischen und pädagogischen Gründen weiterhin nicht möglich“, sagt Aicher.

Am Freitagnachmittag wurde dann bekannt, dass es künftig mindestens zwei Essenslieferanten für Bad Wörishofens Kitas geben wird. Caroline Thiel, die Elternbeiratsvorsitzende der Kita St. Anna in der Innenstadt, teilt mit, dass St. Anna den Vitadora-Nachfolger gewählt habe, unter dem Namen Mindelino. Das habe der Kita-Träger St. Simpert des Bistums Augsburg entschieden. Man habe dies so gemacht, da „von Stadtseite keinerlei beziehungsweise sehr späte Informationen gekommen sind, dass eine Ausschreibung für einen neuen Caterer vorgesehen ist“, berichtet Thiel. Martin Aicher war für eine Nachfrage dazu zunächst nicht mehr erreichbar.

„Unser Träger St. Simpert hat dann zu unserem Wohle entschieden den alten und neuen Caterer zu behalten, damit den Eltern vor dem Sommerurlaub eine sichere Essensausgabe für September genannt werden kann“, berichtet Thiel. Am Donnerstag sei dann über den Träger die Information gekommen, dass die Servicepauschale der Stadt erhöht werde. Thiel möchte nun gerne wissen, wie das sein kann, weil das St.-Anna-Personal ja vom kirchlichen Träger bezahlt werde. „Außerdem ist es eine Frechheit, dies so kurzfristig vor den Ferien zu entscheiden und mitzuteilen“, kritisert Thiel. „Die Kindergärten können die Eltern gar nicht mehr rechtzeitig über diese Änderung informieren.“ In St. Anna kosten die Essen laut Thiel künftig 7,57 Euro im Kindergarten und 7,27 Euro in der Krippe, jeweils inklusive der Servicepauschale der Stadt. „Wenn diese nicht erhoben werden würde, wären die Kosten für das Essen absolut okay“, findet die Vorsitzende.