Radsport

Stand: 16.08.2026 00:01 Uhr

Die 29. Auflage der Cyclassics in Hamburg wartet mit einem prominenten Teilnehmerfeld auf, die Siegchancen der deutschen Fahrer sind gering. Die 205,3 Kilometer lange Strecke kommt Ausreißern entgegen und soll Spannung bringen – ein genereller Trend im Radsport, zulasten der klassischen Sprinter.

Rory Townsend konnte es selbst nicht fassen. Der Ire raste auf der Mönckebergstraße vor einem Jahr als Erster über die Ziellinie und packte sich immer wieder ungläubig an den Kopf. Als Ausreißer, der über 174 Kilometer als Teil einer Fluchtgruppe fuhr, rettete sich Townsend vor den anrauschenden Sprintern zum überraschenden Sieg.

Es war ein packendes Finale, ein spannendes Rennen – geht es nach den Veranstaltern, darf 2026 genauso dramatisch verlaufen. Dafür wird erneut fünfmal der Waseberg in Blankenese befahren, die 700 Meter lange Passage, die bis zu 16 Prozent Steigung aufweist. Kletterstarke Fahrer werden hier probieren, sich abzusetzen, für die in der Regel schwereren Top-Sprinter ist jeder Anstieg eine Qual.

Die „Steinfalltaktik“ der Sprinter

Ex-Profi André Greipel gewann zahlreiche Massensprints, feierte unter anderem elf Etappensiege bei der Tour de France. Über die Anstiege rettete sich der Rostocker mit der „Steinfalltaktik“: „Vor jedem Berg ganz vorne reinfahren, in der Hoffnung, hinten im Feld wieder rauszukommen, um noch den Anschluss zu haben. In meinen 17 Jahren als Profi habe ich sie an fast jedem Berg anwenden können.“

Greipel ist der bis dato letzte deutsche Cyclassics-Sieger, 2015 gewann er das Rennen, damals ging es „nur“ dreimal über den Waseberg. „Das Ganze noch schwieriger zu gestalten, ist momentan sehr ‚in‘ bei den Veranstaltern“, sagte Greipel am Mittwoch.

Video:
Greipel: „Die Sprinter haben sich komplett verändert“ (1 Min)

Ein Trend zulasten der klassischen Sprinter

Prominentestes Beispiel im Radsport ist die Tour de France, die auf der letzten Etappe in Paris in den vergangenen beiden Austragungen nicht mehr in einem Massensprint zu Ende ging, sondern über einen kurzen, harten Anstieg über den Montmartre führte. Die Sprinter, die auf den Champs-Elysées sonst ihre inoffizielle Weltmeisterschaft austrugen, wurden eines prestigeträchtigen Sieges beraubt. Auch das andere deutsche World-Tour-Rennen, Eschborn-Frankfurt, führte 2026 über eine längere und mit mehr Höhenmetern gespickte Strecke.

Die Profis fahren bei den Cyclassics über die Köhlbrandbrücke

„Wir probieren natürlich, Rennen spannend zu gestalten, auch für den Fernsehzuschauer“, sagte Fabian Wegmann, ARD-Radsportexperte und sportlicher Leiter der deutschen Rennen, am Mittwoch in Hamburg. „Wenn man ein Rennen hat, das 200 Kilometer flach ist und dann im Ziel endet, weiß eigentlich jeder, wann er einschalten muss. So haben wir die Möglichkeit, es vorher spannend zu machen, sodass für die Ausreißer vielleicht eine 50:50-Chance besteht.“

Prominentes Teilnehmerfeld

Vorjahressieger Townsend geht wieder an den Start, ebenso der Belgier Arnaud de Lie und der Franzose Paul Magnier, Zweiter und Dritter im Vorjahr in der Hansestadt. Gemeldet ist auch der diesjährige Tour-Gesamtdritte Isaac del Toro aus Mexiko, ein antrittsstarker Kletterer. Favoriten sind dennoch die endschnellsten Fahrer, also de Lie, Jonathan Milan (Italien) oder Olav Kooij (Niederlande).

„Die Sprinter haben sich komplett verändert, viele sind sehr bergfest“, sagte Greipel, der auf Biniam Girmay (Eritrea) als Sieger setzt. Für die deutschen Fahrer wie Phil Bauhaus (Bocholt) oder John Degenkolb (Gera) bleibt die Außenseiter-Rolle. Greipel drückt die Daumen, dass elf Jahre nach seinem Erfolg doch wieder einer seiner Landsmänner jubeln darf: „Es wird eine kleine Wundertüte am Sonntag.“

Die Zieleinfahrt wird gegen 16.30 Uhr erwartet, bereits am Vormittag rollen die insgesamt 12.000 Teilnehmer der beiden Jedermann-Rennen über 60 und 110 Kilometer durch die Mönckebergstraße.

Amateur-Teilnehmer bei den Cyclassics in Hamburg fahren am Rathaus vorbei.

Heute findet wieder das Radrennen Cyclassics statt. Dafür werden Straßen in Hamburg gesperrt – aber auch im Umland.

v.l. Jonathan Milan, Biniam Girmay und Sieger Olav Kooij

Der Italiener Rossano Brasi war 1996 der erste Sieger. Alle Gewinner des Rennens in der Hansestadt im Überblick.

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