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Berlin – Vor drei Wochen zerriss ein islamistischer Attentäter die freudige Stimmung beim CSD. Kurz vor Ende der Veranstaltung raste er mit einem Lieferwagen in den Tiergarten, tötete eine Frau, verletzte 31.
Jetzt ist wieder eine Riesenveranstaltung auf der Straße des 17. Juni: Der „Love Parade“-Nachfolger „Rave the Planet“. Was gleich auffällt: Die Absperrungen sind massiver. Die Polizei hat noch weiträumiger Straßensperren aufgezogen.
Haben die Besucher jetzt trotzdem Angst? BILD hat nachgefragt.
Vanessa (44) ist mit ihrer Tochter Emma (13), Dunja (45) mit ihrer Tochter Nela (18). Die vier sind aus Hannover angereist. Dunja sagt: „Was Autos betrifft, fühle ich mich sicher. Es ist ja auch viel mehr abgesperrt worden.“ Ihre Freundin Vanessa sagt: „Wir kommen aus Hannover vom Hauptbahnhof. Da fühle ich mich hier wohler.“

Die beiden Mütter und ihre Töchter sind aus Hannover zum Rave The Planet angereist
Foto: Sven Meissner
Party statt Angst beim Rave the Planet
Während die Techno-Trucks in Berlin anfangen, mit wummernden Bässen die Straße des 17. Juni hoch und runter zu rollen, stehen die aus Frankreich angereisten Michael (41), Mikado (40) und Wassili (42) am Brandenburger Tor und trinken kaltes Bier. Wassili sagt: „Ich habe über den Terror ehrlich gesagt gerade nicht nachgedacht, bis Du mich jetzt gefragt hast. Ich möchte lieber Party machen und nicht daran denken. Ich war selbst beim CSD und bin eine halbe Stunde vor dem Anschlag nach Hause gegangen.“ Dann wird er nachdenklich und sagt: „Eine Freundin weiß noch nicht, ob sie kommt, weil sie Angst hat.“

Fidney trotzt der Angst und ist beim Rave in Berlin dabei
Foto: Sven Meissner
Fidney (34), ein kräftiger tätowierter Typ, ist mit Kumpels aus Bremerhaven zum Feiern gekommen. Er sagt, seine Freundin habe ihn mehrfach gebeten, nicht nach Berlin zu fahren, weil sie sich Sorgen um ihn mache. Fidney sagt: „Aber ich will nicht in Angst leben. Und ich habe meine Augen immer offen, wenn da einer kommt, bin ich weg.“
Gedenkort an der CSD-Anschlagstelle
Direkt neben der Straße des 17. Juni ist der Tiergarten, eine riesige, grüne, bewaldete Parkanlage. Hier laufen gerade Daniel (39) und Sinti (36) aus Leipzig entlang. Er sagt trotzig, zur Frage, ob er ein mulmiges Gefühl habe: „Nein.“ Sinti sagt: „Sonst dürfte man nirgendwo mehr hin, nicht ins Konzert, nicht auf den Weihnachtsmarkt.“ Daniel fügt hinzu: „Es gibt jetzt auch diesen zusätzlichen Absperrriegel, das gibt schon Sicherheit.“

Daniel (39) und Sinti (36) aus Leipzig sind in Berlin am Start und fühlen sich sicher
Foto: Sven Meissner
An der Stelle, an der der Attentäter Abdul Ballout mit seinem Wagen in einen Baum knallte, ist jetzt ein Gedenkort. Der Baum wurde gefällt, ein neuer wurde gepflanzt. Frische Blumen liegen da. Zwei Polizistinnen patrouillieren auf Pferden. Keule (39), Britta (42), Leonie (18) und Ruby (37) aus Prenzlau (Brandenburg) sind hergekommen, um den Opfern zu gedenken. Und Mut zu zeigen. „Jetzt erst recht“, sagt Britta. „Dieses Jahr sind wir extra zum Rave gekommen, um ein Zeichen zu setzen.“

Zehntausende feiern am Samstag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen den Rave the Planet
Foto: Sven Meissner