Die Idee der Auszubildenden des DRK-Ortsvereins Wülfrath, einen neuen Weltrekord in der Langzeit-Reanimation aufzustellen, hat mich von Anfang an fasziniert. Doch das Vorhaben, 72 Stunden ununterbrochen zu reanimieren, kam mir sehr ambitioniert vor. Natürlich lud das DRK alle ein, sich zu beteiligen. Denn mit diesem Weltrekord-Versuch wollte sich das DRK Wülfrath nicht nur selbst etwas beweisen, sondern vor allem das Thema „Wiederbelebung“ bekannter machen.
Noch immer schrecken Menschen im Ernstfall zurück, weil sie Angst haben, bei einer Reanimation etwas falsch zu machen. Bei der dreitägigen Weltrekord-Aktion jedoch konnte sich jeder eine Einweisung bei den Mitarbeitern des DRK-Kreisverbands Mettmann geben lassen. So hofft das DRK, möglichst vielen Menschen die Scheu zu nehmen. Und diese Rechnung ist durchaus aufgegangen.
Ich bin da ein gutes Beispiel. Die Idee, an einem neuen Weltrekord mitwirken zu können, hat auch meine Hemmschwelle fallen lassen. So stand ich am Samstagnachmittag vor dem Zelt des DRK-Kreisverbandes und schaute noch etwas verhalten auf die beiden Dummys hinab, die gleich Opfer meiner Versuche werden sollten. Immerhin muss ich zugeben, dass es 39 Jahre her ist, als ich mich das letzte Mal ganz praktisch mit Reanimation befasst habe.
Allerdings habe ich mich theoretisch immer wieder mit der Wiederbelebung beschäftigt – nicht nur bei Presseterminen, sondern auch in meiner Tätigkeit als Krimiautorin. Schließlich kommen meine Kommissare hin und wieder in Situationen, in denen eine Reanimation nötig ist. Also, theoretisch war ich zumindest vorbereitet.
Trotzdem war ich für die Einweisung äußerst dankbar. Und die erfolgte sehr verständlich, freundlich und motivierend. Jörg Mölleken, Murron Scholler und Simao Vidal Germano erklärten mir, dass ich mich im rechten Winkel neben den Dummy knien soll. Außerdem betonten sie immer wieder: „Sie können nichts falsch machen.“ Und das gilt nicht nur für die Puppe, sondern auch für den Ernstfall. „Hauptsache, Sie tun überhaupt etwas“, sagte Jörg Mölleken. Denn wie der Name schon sagt, kann Wiederbelebung Leben retten.
Was man im Ernstfall ebenfalls wissen muss, zählte Mölleken auf: „Niemals auf dem Bett oder Sofa reanimieren, immer auf dem nackten Boden.“ Murron Scholler fügte hinzu: „Wenn die Person eine Jacke anhat, die Jacke vorher öffnen.“ Wo der Druckpunkt ist, konnte an der Puppe gut erkannt werden, allerdings hatte ich auch die Regel: „zwei Fingerbreit oberhalb des unteren Rippenbogens“ im Kopf. Der Rhythmus war: dreißigmal drücken, zweimal mit dem Beatmungsbeutel beatmen und wieder von vorne.
Als ich begann, merkte ich allerdings schnell, dass es unmöglich ist, zu zählen und gleichzeitig „Staying alive“ zu singen, um den richtigen Drückrhythmus zu finden. Also konzentrierte ich mich auf das Zählen. Nach einigen Versuchen fühlte ich mich gut gerüstet. Also ließ ich mich registrieren. Ich hatte die Nr. 133.
Und dann ging es auch schon los. Ich durfte mich bereits hinknien, während mein Vorgänger noch drückte. Ich übernahm die Beatmung und dann das Drücken. Fünf Minuten lang. Schnell kam ich in eine Art konzentrierten Tunnel. Die fünf Minuten vergingen schneller als gedacht. Ein bisschen lahme Arme hatte ich schon danach. Aber es war trotzdem ein sehr gutes Gefühl. Das sagte auch Lars Mader: „Ich finde es wahnsinnig spannend, an einem Weltrekord teilzunehmen.“ Er bezeichnete sich als „Anfänger mit Vorkenntnissen“, weil er zwischendurch eine Ersthelferschulung absolviert hat. „Wülfrath lebt davon, dass man sich gegenseitig unterstützt.“ Tatsächlich freuen sich auch Lara Spettmann und Noah Anlauf vom DRK über die Resonanz. „Es kommen sehr viele Bürger.“
Stand Sonntagvormittag haben sich schon über 180 Menschen beteiligt. Viele Leute blieben bis 2 Uhr in der Nacht, auch befreundete DRK-Verbände, Feuerwehr und THW kamen zur Unterstützung. „Außerdem kam um 5 Uhr die Freiwillige Feuerwehr direkt von einem Einsatz hierher.“ Zeittunnel und WüRG unterstützen mit Essen und Schlafmöglichkeiten. So ist die Zuversicht groß, dass der Weltrekord in der Langzeit-Reanimation in Wülfrath gebrochen wird.