Vorsichtiges Aufatmen in Nordrhein-Westfalen: In der von einem Waldbrand im belgischen Hohen Venn bedrohten Eifelstadt Monschau entspannt die Lage nach Angaben der Einsatzkräfte vorerst. „Wir fahren zurück“, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr, Philipp Krüger, der Nachrichtenagentur dpa am Sonntagmorgen in der grenznahen Stadt. Die Flammen breiten sich der „Bild“ zufolge nach Angaben der Feuerwehr nicht mehr so schnell aus, der Wind sei schwächer geworden und habe gedreht.

1,8 Kilometer ist die Feuerfront von den ersten Häusern auf deutscher Seite entfernt, wie die Stadt am späten Sonntagvormittag mitteilte. Sie ging nach aktuellem Stand nicht davon aus, „dass das Brandgeschehen auf deutsches Territorium übergreifen wird“.

Im Hohen Venn Fläche von 4200 Fußballfeldern betroffen

Die Stadt Monschau hatte zuvor rund 5000 Bewohnerinnen und Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich vorsorglich gebeten, sich auf eine Evakuierung einzustellen. Monschau liegt rund zwei Kilometer von der Grenze entfernt. Nun sagte Krüger, diese Warnung werde die Stadt voraussichtlich in Kürze zurücknehmen. Leichte Entspannung, aber noch keine Entwarnung gibt es auch beim Großfeuer im Hürtgenwald im Kreis Düren.

Monschau

Die Eifelstadt Monschau mit ihren rund 12.000 Einwohnern gilt als Touristenmagnet in der Region. Sie ist besonders für ihre mit Fachwerkhäusern geschmückte Altstadt bekannt, die auch immer wieder als Filmkulisse dient. Monschau liegt direkt am Hohen Venn, einem Hochmoor zwischen Deutschland und Belgien. (dpa)

Allerdings dürfen die Einsatzkräfte am Sonntag weder dort noch in Monschau auf Hilfe durch Regen hoffen, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Immerhin solle der Wind dort schwach bis mäßig bleiben.

Der Waldbrand im Osten Belgiens breitet sich in Teilen nach wie vor in Richtung Nordrhein-Westfalen aus. Die Löscharbeiten gestalten sich den belgischen Behörden zufolge als schwierig. Das Gelände in Richtung deutsche Grenze sei besonders schwer zugänglich.

This aerial photograph shows a wildfire burning in the Hautes Fagnes (High Fens) nature reserve in Waimes on August 15, 2026. Residents began evacuating from two villages in eastern Belgium on August 15, 2026 as firefighters, backed by water bombers and helicopters from across Europe, battled one of the biggest wildfires in the country's history. Reinforcements from across the country were fighting the blaze which broke out on August 14, 2026 in the High Fens (Hautes Fagnes) natural park and quickly expanded burning an estimated 1600 hectares of the 4500 hectare reserve. (Photo by Dimitri KORCZAK / AFP) Diese Luftaufnahme zeigt den Brand im Hohen Venn am Samstag.

© AFP/Dimitri Korczak

Die Lage bleibe „kompliziert“, weil der Wind in der Nacht mehrfach gedreht habe, erklärten die wallonischen Behörden am Sonntagmorgen. Demnach waren mehr als 250 Feuerwehrleute und weitere Helfer im Einsatz. Die Feuerfront erstrecke sich aktuell über einen Kilometer, wie der öffentlich-rechtliche Sender RTBF berichtete.

Der Waldbrand im Hohen Venn ist einer der größten in der Geschichte Belgiens. Er hat nach Angaben der belgischen Behörden mittlerweile bis zu 3000 Hektar erfasst. Das entspricht einer Fläche von umgerechnet fast 4200 Fußballfeldern. Beim Brand im nur 20 Kilometer von Monschau entfernten Hürtgenwald in der Eifel sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald vom Feuer betroffen.

Belgien löst EU-Katastrophenschutzmechanismus aus

Die belgischen Behörden ordneten die Evakuierung der Gemeinden Surbrot und Bütgenbach an. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga waren rund 600 Menschen von dem Aufruf betroffen.

Zur Bekämpfung des Waldbrandes löste Belgien den europäischen Katastrophenschutzmechanismus zur Aktivierung von Hilfen aus der EU aus. Ein Löschhubschrauber aus den Niederlanden ist bereits im Einsatz. Zwei weitere Hubschrauber sowie zwei schwedische Löschflugzeuge sollen nach Angaben der EU ab Sonntag die Löscharbeiten unterstützen.

Das Hohe Venn liegt überwiegend in Belgien. Das eigentliche Naturschutzgebiet dort ist etwa 4500 Hektar groß. Der bis nach Deutschland reichende Naturpark Hohes Venn-Eifel misst rund 72.000 Hektar. Brandgeruch von den beiden Feuern löste dem WDR zufolge am Samstag sogar bei den Besuchern der Reit-Weltmeisterschaft in Aachen Besorgnis aus.

Bewohner von Hürtgenwald dürfen zurück

Die Lage im mit Munition aus dem Zweiten Weltkrieg belasteten Hürtgenwald verbesserte sich am Sonntag weiter. Die Bewohner des Ortsteils Gey durften schon am Samstag in ihre Häuser zurück. 1800 Bewohner hatten in der Nacht auf Freitag das Gebiet verlassen müssen. Die Flammen waren bis auf 250 Meter an Grundstücke herangerückt.

Der Hürtgenwald in NRW

Im Herbst und Winter 1944/45 tobte in der Nordeifel eine der brutalsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Schauplatz war der Hürtgenwald, ein rund 140 Quadratkilometer großes Gebiet zwischen Aachen, Düren und dem Fluss Rur. US-Soldaten nannten den Hürtgenwald „Death Factory“ – Todesfabrik. Bis heute werden in der Region Kampfmittel gefunden. (dpa)

Der Landrat hatte am Abend noch ein Gewitter und mögliche starke Winde, welche die Flammen wieder hätten anfachen können, abgewartet, bevor die Entscheidung für die Rückkehr der Bewohner gefallen war.

Zuvor wurde bereits der Einsatz von Hubschraubern zur Brandbekämpfung eingestellt. Es gebe aktuell keinen Bedarf mehr, sagte eine Sprecherin des Kreises Düren zur Begründung. Bei der Bekämpfung des Brandes hatten in einem massiven Einsatz rund zehn Hubschrauber die Einsatzkräfte aus der Luft unterstützt.

Die Löscharbeiten werden nach Angaben der Feuerwehr jedoch noch Tage andauern. Bei dem Waldbrand handelte es sich nach Einschätzung der Landesregierung wohl um den größten in der Geschichte des Bundeslandes. Bis zu 1400 Kräfte waren und sind im Einsatz.

Die genaue Brandursache ist weiter unklar. Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet. NRW-Innenminister Herbert Reul und NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (beide CDU) sehen die Verantwortung für den größten Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes bei unachtsamen Menschen.

Loescharbeiten der Feuerwehr in Gebieten des Waldbrandes in Huertgewald Hürtgenwald im Kreis Dueren Düren Foto vom 15.08.2026. Der Grossbrand in der Gemeinde in Huertgenwald hat sich in der Nacht zu Samstag nicht weiter ausgebreitet. 1.400 Einsatzkraefte sind im Einsatz. Der Brand war am Donnerstagabend in der Eifelgemeinde ausgebrochen und hatte sich am Freitag auf etwa 300 Hektar ausgebreitet, eine Flaeche fast so gross wie der Central Park in New York. Es ist der groesste jemals dokumentierte Waldbrand in Nordrhein-Westfalen. Siehe epd-Bericht vom 15.08.2026 EDITORIAL USE ONLY *** Firefighters battling the wildfire in Huertgenwald, in the district of Düren. Photo taken on August 15, 2026. The major fire in the municipality of H Copyright: epd-bild/GuidoxSchiefer 260815_Waldbrand_H__rtgenwald_32 Eine Einsatzkraft der Feuerwehr löscht Glutnester im Hürtgenwald.

© imago/epd/IMAGO/Guido Schiefer

„Irgendein Idiot hat das Feuer verursacht. Und darüber muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen und einfach irgendwas wegwerfen“, sagt Reul am Samstag. Oft reiche schon eine „weggeworfene Klippe“ oder zurückgelassenes Glas, um einen Waldbrand auszulösen – insbesondere, weil die extreme Trockenheit als Brandbeschleuniger wirke, sagte Gorißen im Deutschlandfunk.

Am Freitagabend meldete der Landkreis, dass bei den Löscharbeiten fünf Personen verletzt worden seien. Eine ältere Person habe Herzprobleme bei der Evakuierung bekommen, sagte der Landrat des Kreises Düren, Ralf Nolten (CDU), der dpa. Außerdem seien vier Einsatzkräfte leicht verletzt. Darunter seien eine Schnittverletzung und Kreislaufprobleme.

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Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) dankte Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen. Viele von ihnen seien im Hürtgenwald seit Donnerstagnachmittag ohne Pause im Einsatz gewesen. „Unser Land hält zusammen!“, hob er auf der Plattform X hervor.

Am Samstag sagte er bei einem Besuch vor Ort: „Wir erleben das hier in dieser Art eines großen Feuers zum ersten Mal, aber wir erleben eben nicht zum ersten Mal diese Extremwetterlage.“ Diese hätte „auch was mit Klimawandel zu tun. Das wird nun ernsthaft keiner mehr leugnen.“

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Das Land werde es „in Zukunft häufiger mit Extremwetterereignissen ganz unterschiedlicher Art zu tun haben“, sagte Wüst. Dies könnten Waldbrände sein oder etwa Starkregenereignisse. „Insofern sind Klimafolgenanpassungen und Klimaschutz weiter auf der Agenda“, sagte der nordrhein-westfälische Regierungschef.

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Aufgrund der akuten Trockenheit kommt es derzeit an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen zu Waldbränden. Innenminister Reul und Landwirtschaftsministerin Gorißen appellierten eindringlich an die Bevölkerung, Wälder derzeit nicht zu betreten. „Brände können sich rasant schnell ausbreiten und Fluchtwege abschneiden“, mahnten sie.

Auch Kanzler Friedrich Merz äußerte sich. „In vielen Teilen des Landes wüten Waldbrände“, schrieb er auf X. Er werde laufend über die Entwicklung unterrichtet. „Ich danke allen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen und oft bis zur Erschöpfung reichenden Einsatz“, schrieb der CDU-Chef. (mit Agenturen)