Es war eines der zentralen Wahlversprechen des neuen Augsburger Oberbürgermeisters Florian Freund (SPD): die Rückkehr vom 7,5- zum Fünf-Minuten-Takt bei der Straßenbahn. Jetzt, beim ersten Fazit rund 100 Tage nach Amtsantritt, ist klar, dass es so einfach nicht werden wird. Freund rudert in Teilen zurück. Für manchen Augsburger war dies zu erwarten, andere hoffen weiter – und manche aber sagen, dass sie den Fünf-Minuten-Takt gar nicht brauchen. Wie ist die Stimmung dazu an den Augsburger Haltestellen?

Die Probleme, den Fünf-Minuten-Takt wieder einzuführen, seien bereits vor der Wahl auf dem Tisch gelegen, sagt eine ältere Augsburgerin, während sie auf die Straßenbahn wartet. Es geht unter anderem darum, dass den Stadtwerken auch Personal und Fahrzeuge dafür fehlen. „Das war doch Stimmenfang. Das kommt doch nie mehr“, ärgert sich die Frau. Peter Hittenkofer will die Hoffnung dagegen noch nicht aufgeben. Für ihn wäre die Rückkehr zum Fünf-Minuten-Takt eine „Bereicherung“. Gerade zu Stoßzeiten oder bei Regen oder Hitze sei dies ein Vorteil. Die Wartezeiten würden sich verkürzen. „Zudem könnte es helfen, Menschen zum Umstieg vom Auto auf die Straßenbahn zu bewegen“, denkt er. Und auch die Attraktivität der Innenstadt könne steigen.

ÖPNV in Augsburg: Geht nicht um Minuten, sondern um Pünktlichkeit

Für Ali, 26, ist die Debatte weniger wichtig. „Die 7,5-Minuten sind auch o. k.“, sagt er. Wenn er kurz warten müsse, störe ihn das nicht. Ähnlich sieht es die 61-jährige Albina. „Fünf-Minuten wären natürlich bequemer“, sagt sie. Dringend nötig seien sie aber nicht. Für eine junge Frau zählt dagegen etwas anderes.

„Es ist egal, ob die Bahn alle fünf oder alle siebeneinhalb Minuten fährt. Für mich ist entscheidend, dass sie dann, wenn sie fährt, pünktlich ist“, sagt die junge Frau. Auch einem Senior wäre dieses Thema ein Anliegen. Anschlüsse beim Umsteigen würden seit dem 7,5-Minuten-Takt nicht mehr stimmen. „Das summiert sich bei den Wartezeiten“, sagt er. Er habe daher schon zweimal den Zug verpasst. Hier gelte es nachzubessern – egal über welche Taktung.

Straßenbahn in Augsburg: Stadt diskutiert weiter über Fünf-Minuten-Takt

Die 48-jährige Heidi Meier kann den Wirbel um den Fünf-Minuten-Takt dagegen nicht verstehen. „Es ist immer schön, das Beste zu haben. Aber wir haben es nicht schlecht und wichtigere Probleme in der Stadt“, ist sie überzeugt. Leserbriefschreiberin Ingrid Stettnisch fragt: „Reicht nicht ein Acht- bis Zehn-Minuten-Trakt aus?“ Dabei verweist sie auf Personalmangel und zusätzliche Kosten.

Nach den Ferien sollen die Stadtwerke erst einmal Tageszeiten definieren, in denen die Straßenbahn stark genutzt wird, und aufzeigen, was ein Fünf-Minuten-Takt an Verbesserungen, aber auch an Kosten nach sich ziehen würde. Es zeichnet sich ab, dass eine flächendeckende Rückkehr vermutlich nicht kommen wird. Dafür sollen zumindest die Busse nach Ferienende an Schultagen vom 20-auf den 15-Minuten-Takt zurückkehren.