Vorsichtiges Aufatmen in Nordrhein-Westfalen: In dem seit gestern von einem Waldbrand im belgischen Hohen Venn bedrohten Monschau entspannt sich die Lage weiter. Am Sonntagmorgen hatte die Feuerwehr bereits Teile ihrer Einsatzkräfte aus der grenznahen Eifelstadt abgezogen, wie Einsatzleiter Philipp Krüger sagte.
Am Nachmittag gab es dann auch gute Nachrichten aus Belgien. Die Feuerwehr habe eine Feuerfront in der Nähe der deutschen Grenze eingedämmt. Die Flammen in anderthalb Kilometern Entfernung zur Stadt Monschau seien „unter Kontrolle“, teilte Belgiens Innenminister Bernard Quintin mit. Auch eine zweite Front im Norden bei der Ortschaft Jalhay sei unter Kontrolle.
Im Hohen Venn Fläche von 4200 Fußballfeldern betroffen
Die Stadt Monschau hatte zuvor rund 5000 Bewohnerinnen und Bewohner gebeten, sich auf eine Evakuierung einzustellen. Dies sei aktuell nicht mehr erforderlich, sagte eine Sprecherin. Es sei jetzt vor allem die Rauchbelastung, die Sorge bereite. Entspannung, aber noch keine Entwarnung, gibt es auch im Hürtgenwald im Kreis Düren.
Monschau
Die Eifelstadt Monschau mit ihren rund 12.000 Einwohnern gilt als Touristenmagnet in der Region. Sie ist besonders für ihre mit Fachwerkhäusern geschmückte Altstadt bekannt, die auch immer wieder als Filmkulisse dient. Monschau liegt direkt am Hohen Venn, einem Hochmoor zwischen Deutschland und Belgien. (dpa)
Der Waldbrand im Osten Belgiens breitete sich am Sonntag zunächst in Teilen weiter in Richtung Nordrhein-Westfalen aus. Die Löscharbeiten gestalten sich den belgischen Behörden zufolge als schwierig. Das Gelände in Richtung deutsche Grenze sei besonders schwer zugänglich. Die Feuerfront erstrecke sich aktuell über einen Kilometer, wie der öffentlich-rechtliche Sender RTBF berichtete.
Schwierige Löscharbeiten im Hohen Venn in Belgien
Die Feuerwehr in Belgien kämpft mit mehr als 250 Einsatzkräften gegen die Flammen, darunter Helfer aus dem ganzen Land und aus Deutschland. EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib sagte der Nachrichtenagentur AFP, am Sonntag seien zudem zwei Löschflugzeuge aus Schweden eingetroffen. Zwei Hubschrauber aus Belgien und zwei aus den Niederlanden waren bereits im Einsatz.
Die Hilfe aus der Luft ist im Hohen Venn entscheidend. Das Naturschutzgebiet besteht aus Torfflächen und Heideland, in denen schweres Gerät schnell einsinkt. Auch zahlreiche Landwirte in der Region leisteten Hilfe und brachten mit ihren Traktoren Wassertanks an die Einsatzorte.
Flammen schlagen hoch in der Hochmoor- und Sumpflandschaft Hohe Venn unweit der deutschen Grenze.
© dpa/Christoph Reichwein
Der Waldbrand im Hohen Venn ist einer der größten in der Geschichte Belgiens. Er hat nach Angaben der belgischen Behörden mittlerweile bis zu 3000 Hektar erfasst. Das entspricht einer Fläche von umgerechnet fast 4200 Fußballfeldern.
Beim Brand im nur 20 Kilometer von Monschau entfernten Hürtgenwald in der Eifel sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald vom Feuer betroffen.
Das Hohe Venn liegt überwiegend in Belgien. Das eigentliche Naturschutzgebiet dort ist etwa 4500 Hektar groß. Der bis nach Deutschland reichende Naturpark Hohes Venn-Eifel misst rund 72.000 Hektar.
Bewohner von Hürtgenwald dürfen zurück
Die Lage im mit Munition aus dem Zweiten Weltkrieg belasteten Hürtgenwald verbesserte sich am Sonntag weiter. Die Löscharbeiten liefen dort auch am Sonntag weiter, aber es gab nach Angaben des Kreises Düren keine offenen Flammen mehr. „In diesen Stunden geht es vor allem darum, die Glutnester einzudämmen.“
Das gesamte betroffene Gebiet sei nun mit einer Schneise von etwa drei Metern umgeben, sodass sich Flammen nicht weiter ausbreiten könnten. Zuletzt waren bis zu 1800 Einsatzkräfte an den Löscharbeiten beteiligt. Am Sonntag waren es noch rund 900 Einsatzkräfte.
Der Hürtgenwald in NRW
Im Herbst und Winter 1944/45 tobte in der Nordeifel eine der brutalsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Schauplatz war der Hürtgenwald, ein rund 140 Quadratkilometer großes Gebiet zwischen Aachen, Düren und dem Fluss Rur. US-Soldaten nannten den Hürtgenwald „Death Factory“ – Todesfabrik. Bis heute werden in der Region Kampfmittel gefunden. (dpa)
Verschont blieb der Ortsteil Hürtgenwald-Gey von den Flammen. Bereits am Samstagabend waren Bewohnerinnen und Bewohner des evakuierten Ortsteils in ihre Wohnungen und Häuser zurückgekehrt, wie eine Sprecherin mitteilte.
„Stand Sonntagmorgen waren rund zwei Drittel der Betroffenen wieder vor Ort.“ Etwa 2000 Personen hatten das Gebiet in der Nacht zu Freitag verlassen müssen. Die Flammen waren bis auf 250 Meter an Grundstücke herangerückt.
Zuvor wurde bereits der Einsatz von Hubschraubern zur Brandbekämpfung eingestellt. Es gebe aktuell keinen Bedarf mehr, sagte eine Sprecherin des Kreises Düren zur Begründung. Bei der Bekämpfung des Brandes hatten in einem massiven Einsatz rund zehn Hubschrauber die Einsatzkräfte aus der Luft unterstützt.
Bei dem Waldbrand handelte es sich nach Einschätzung der Landesregierung wohl um den größten in der Geschichte des Bundeslandes. Bis zu 1400 Kräfte waren und sind im Einsatz.
Die genaue Brandursache ist weiter unklar. Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet. NRW-Innenminister Herbert Reul sieht die Verantwortung für den größten Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes bei unachtsamen Menschen.
Eine Einsatzkraft der Feuerwehr löscht Glutnester im Hürtgenwald.
© imago/epd/IMAGO/Guido Schiefer
„Irgendein Idiot hat das Feuer verursacht. Und darüber muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen und einfach irgendwas wegwerfen“, sagte Reul.
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Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) dankte Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen. Am Samstag sagte er bei einem Besuch vor Ort: „Wir erleben das hier in dieser Art eines großen Feuers zum ersten Mal, aber wir erleben eben nicht zum ersten Mal diese Extremwetterlage.“ Diese hätte „auch was mit Klimawandel zu tun. Das wird nun ernsthaft keiner mehr leugnen.“
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Das Land werde es „in Zukunft häufiger mit Extremwetterereignissen ganz unterschiedlicher Art zu tun haben“, sagte Wüst. Dies könnten Waldbrände sein oder etwa Starkregenereignisse. „Insofern sind Klimafolgenanpassungen und Klimaschutz weiter auf der Agenda.“
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Auch Kanzler Friedrich Merz äußerte sich. „In vielen Teilen des Landes wüten Waldbrände“, schrieb er auf X. Er werde laufend über die Entwicklung unterrichtet. „Ich danke allen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen und oft bis zur Erschöpfung reichenden Einsatz“, schrieb der CDU-Chef. (mit Agenturen)