Tom Scharbert und seine Ehefrau Daniela sind ein eingespieltes Team. Das müssen sie auch sein, schließlich verbringen die beiden viel Zeit miteinander. Als Betreiber eines urigen Dorfladens mit angeschlossenem Mittagstisch, Lieferservice und Catering managt das Ehepaar seit vielen Jahren schon Privat- und Berufsleben unter einem Dach.

„Vor lauter Stress hat Tom schon alle Haare verloren", witzelt Ehefrau Daniela.Bild vergrößern

„Vor lauter Stress hat Tom schon alle Haare verloren“, witzelt Ehefrau Daniela. (Foto: Claudia Marsal)

Seit 2019 geben sich bei ihnen Einheimische und Auswärtige die Klinke in die Hand. Tendenz steigend. Das bedeutet auch Stress, manchmal liegen die Nerven blank, bestätigt der 57-jährige Chef im Gespräch mit dem Nordkurier. „Umso wichtiger ist, dass wir zusammen lachen können“, setzt seine Gattin schmunzelnd hinzu.

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Bei dieser Gelegenheit zeigen sie der Nordkurier-Reporterin fürs Video einen Social-Media-Post, der vor Kurzem für viel Wirbel gesorgt hat.

Eigentlich hatte die 54-Jährige nur das neue Angebot in der Küche promoten wollen, doch dann brach ein Shitstorm los. Auslöser war einzig und allein ein witzig gemeinter Spruch von Tom Scharbert, betonen die Unternehmer. Eine Bekannte hatte gefilmt, wie sich der Koch in einem freien Moment grinsend hinter seine Holde schob und Folgendes sagte: „Meine Frau ist heute so heiß, da brauche ich Handschuhe.“ Ein Grund, sich aufzuregen?

Über 350.000 Klicks

Die Eheleute sagen ganz klar: Nein. Etliche andere Follower ihrer Instagram-Seite sahen das indes anders. Nachdem der Post über 350.000-mal geklickt worden war – „normal sind bei uns eigentlich 1000 Klicks“ – lasen die beiden Unternehmer auch den ein oder anderen nicht so netten Spruch über sich beziehungsweise hörten „hintenrum“ davon.

Im Laden begrüßen stumme „Verkäuferinnen" die Kunden.Bild vergrößern

Im Laden begrüßen stumme „Verkäuferinnen“ die Kunden. (Foto: Claudia Marsal)

Ließen sie sich davon die Laune vermiesen? Wieder kommt ein lautes Neinzur Antwort: „Da stehen wir drüber.“ Das müssen sie auch, denn was kämpfen heißt, haben sie in den Jahren der Selbstständigkeit schmerzlich gelernt. Die erste große Krise samt Einbruch der Geschäfte brachte Corona, doch die Scharberts gaben nicht auf.

Mittagessen für Senioren, Familien und Firmen

„Nachdem wir unsere Küche im Haus ausgebaut hatten, begannen wir 2023 mit der Lieferung der Mittagsmenüs an Senioren, Familien und kleinere Firmen. Dankbar sind wir unseren treuen Kunden, zu denen unter anderem die Gemeindeverwaltung gehört, die ihre Präsentkörbe bei uns bestellt.“

Gefragt sind auch die selbstgemachten Marmeladen vom Küchenchef.Bild vergrößern

Gefragt sind auch die selbstgemachten Marmeladen vom Küchenchef. (Foto: Claudia Marsal)

Zunehmend besser lief es aber auch, weil „Onkel Toms Laden“ Versorgungsaufträge für Dorf- und Erntefeste erteilt bekam. „Trödelmärkte und Familienevents sind uns ebenfalls ein Bedürfnis. Bis zu 50 Gäste kann mein Mann im Catering versorgen“, sagt Daniela Müller-Scharbert. „Er hat auch schon mal drei Jugendweihen gleichzeitig geschafft“, setzt sie grinsend hinzu.

Draußen wird bereits für die nächsten Veranstaltungen geworben.Bild vergrößern

Draußen wird bereits für die nächsten Veranstaltungen geworben. (Foto: Claudia Marsal)

Den Protest schon erahnend, der prompt von ihm kommt: „Noch einmal geht das nicht, dann verliere ich alle Haare.“ Nun ja, bereits jetzt leuchtet da eine Glatze, über die seine Ehefrau liebevoll streicht.

Eine „Wanderkneipe“, die mehrmals im Jahr durch die Gemeinde tourt, betreut das Paar übrigens sogar ehrenamtlich.

Bei einem Frühstück mit Freunden, die vor drei Jahren mit dem Wohnmobil bei ihnen Halt gemacht hatten, entstand dann die Idee, einen Teil ihres an der Ortsdurchfahrt gelegenen Grundstücks für durchreisende Touristen herzugeben.

Am Dienstag fand der Linseneintopf von Tom Scharbert reißend Absatz.Bild vergrößern

Am Dienstag fand der Linseneintopf von Tom Scharbert reißend Absatz. (Foto: Claudia Marsal)

Die Stellplätze bei ihnen sind seitdem begehrt. „Die Camper lieben die Ruhe und die Annehmlichkeiten bei uns. Fast alles, was sie benötigen, finden sie ja hier im Dorfladen, der von montags bis samstags geöffnet hat“, resümiert Tom Scharbert zufrieden: „Vom Brötchen über kalte Getränke bis hin zum Mittagessen gibt es alles.“

Am Dienstag stand neben Bouletten, Rote-Bete-Burger und Putenschnitzel leckerer Linseneintopf auf dem Plan – auf Wunsch sogar in der vegetarischen Variante.

Das letzte Projekt im Haus, der gemütliche Gastraum, gingerst vor zwei Jahren in Betrieb. „Wir haben ihn mit viel Herzblut und noch mehr Handarbeit her- und eingerichtet“, bestätigen die zwei Uckermärker: „Er bietet Platz für maximal 18 bis 20 Gäste, auch hier erfinden wir uns immer wieder neu.“

Bei der Deko hat Daniela Müller-Scharbert ein sicheres Händchen. Wer in den Dorfladen kommt, bleibt meist staunend stehen.Bild vergrößern

Bei der Deko hat Daniela Müller-Scharbert ein sicheres Händchen. Wer in den Dorfladen kommt, bleibt meist staunend stehen. (Foto: Claudia Marsal)

Diner, Cocktailabend und Weinfest

Dazu kommt seit Neuestem der großzügig angelegte Sitzbereich im Freien. Drinnen wie draußen finden seit geraumer Zeit kleine Events statt. Am Freitag, dem 14. August, beispielsweise wird zum zweiten Mal in „Onkel Toms Diner“ eingeladen. Ab 17.30 Uhr serviert der Küchenchef dann selbstgemachte Burger, Nuggets, Salate, Suppen, Sandwiches und vieles mehr. Die Erstauflage hatte den Veranstaltern Mut gemacht: „Die Plätze waren ruckzuck weg, auch für die nächste Auflage gibt es nur noch wenige Restplätze.“ Ein Happy-Hour-Cocktailabend (29. August) und ein Weinfest mit Büchermarkt und Vorlesung (18. September)  sind ebenfalls geplant.

Tom Scharbert war übrigens vor mehr als zehn Jahren durch die Neuausschreibung der Schulessen-Versorgung in die schöne Nordwestuckermark gekommen, seine Frau zog mit ihm in ihre alte Heimat zurück.

Das Grundstück liegt direkt an der Ortsdurchfahrt Gollmitz in Richtung Boitzenburg.Bild vergrößern

Das Grundstück liegt direkt an der Ortsdurchfahrt Gollmitz in Richtung Boitzenburg. (Foto: Claudia Marsal)

Obwohl die Ära der Mittagsversorgung für die Kinder inzwischen leider Geschichte ist, bereuen die beiden ihren Schritt zurück in den Norden nicht: „Wir lieben unsere Arbeit, den kurzen Arbeitsweg und die Chance, genau das machen zu können, was wir möchten, und davon sogar überleben zu können. Wir hoffen, dass es immer irgendwie weitergeht und wir glücklich, zufrieden und vor allem gesund bleiben.“