Am Rheinhafen in Karlsruhe soll ein neues Dampfturbinenkraftwerk entstehen: RDK9. Das plant die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW). Der Karlsruher Gemeinderat gab in seiner Sitzung von Dienstag, 28. Juli, grünes Licht über das weitere Vorgehen. Kurz vor der Abstimmung kam es zu einer Protestaktion des Karlsruher Widerstandskollektivs: Eine Person klebte sich mit seiner Hand an einen Tisch fest.

Auch ka-news Leserin Dorothee Rosenbauer ist gegen den Bau des Gaskraftwerks. In einer Nachricht an die Redaktion schreibt sie:

„Haben wir die letzten Jahre verschlafen?“

„Neues Gaskraftwerk? Haben wir die letzten Jahre verschlafen? Als ich den Artikel über das neue Gaskraftwerk gelesen habe, habe ich mich ehrlich gefragt, ob die Gemeinderatsmitglieder eigentlich dieselben Nachrichten sehen wie ich.

Wir erleben Jahr für Jahr neue Hitzerekorde. Wälder brennen. Flüsse führen Niedrigwasser. Ganze Regionen kämpfen mit Dürre. Ständig sehen wir, dass die Klimakrise ernst ist, wir Kipppunkte überschreiten und dass wir jetzt handeln müssen. Aber wenn es um konkrete Entscheidungen geht, wird trotzdem in fossile Energie investiert.

„Kein Plan für die Zukunft“

Der Gemeinderat hat dem Bau eines neuen Gaskraftwerks zugestimmt, obwohl es im jetzt öffentlichen städtebaulichen Vertrag kein verbindliches Ende für den Erdgasbetrieb gibt. Es gibt keinen CO₂-Deckel und keine Verpflichtung, das Gelände später für klimafreundliche Technologien wie Speicher oder Wärmepumpen zu nutzen.

Für mich klingt das nicht wie ein Plan für die Zukunft. Es klingt wie ein Plan, möglichst lange an der Vergangenheit festzuhalten.

Junge Generation trägt Folgen der fossilen Kraftwerke

Dabei gibt es wissenschaftliche Szenarien für den Weg zur Klimaneutralität. Im Ariadne-Report wird beschrieben, dass zusätzliche fossile Gaskraftwerke für den normalen Betrieb nicht vorgesehen sind. Stattdessen soll das Energiesystem schrittweise auf erneuerbare Energien und flexible Spitzenlastkapazitäten umgestellt werden. Deshalb frage ich mich: Wer profitiert eigentlich wirklich von so einem Kraftwerk, das entgegen wissenschaftlichen Ansagen als Voll- oder Mittellastkraftwerk konzipiert ist?

Sicher nicht die junge Generation. Sie muss schließlich mit den Folgen leben. Wenn heute neue fossile Infrastruktur gebaut wird, dann entsteht auch ein Interesse daran, sie möglichst viel und lange zu nutzen. Sonst lohnt sich die Investition nicht.

EnBW stellt Rendite über gesellschaftliche Interessen

Natürlich sagt niemand offen: ‚Lasst uns länger fossile Energien nutzen.‘ Aber genau das passiert am Ende, wenn immer neue Gasanlagen gebaut werden, die lediglich H2-ready sind – was nichts anderes bedeutet, als dass das Gebäudevolumen von der Größe her einen Umbau erlaubt.

Besonders seltsam finde ich das bei der EnBW. Obwohl sich das Unternehmen mehrheitlich in öffentlicher Hand befindet, orientiert sich seine Unternehmenslogik primär an wirtschaftlichen Renditekriterien. Dabei wäre eine Satzungsänderung, die Klimafolgekosten und langfristige gesellschaftliche Interessen stärker einbezieht, möglich.

„Ich würde mir wünschen, dass meine Stadt mutiger ist!“

Andere Länder und Unternehmen zeigen, dass alternative Wege möglich sind. Der dänische Energiekonzern Ørsted hat seine strategische Ausrichtung frühzeitig auf erneuerbare Energien verlagert. Dahinter stand nicht allein Idealismus, sondern die Einschätzung, dass langfristige Wettbewerbsfähigkeit dort entsteht, wo frühzeitig auf die Technologien der Zukunft gesetzt wird.

Statt immer neue fossile Projekte zu unterstützen, könnten wir viel stärker in Dinge investieren, von denen wir wissen, dass wir sie sowieso brauchen werden: Windenergie, Solarenergie, Speicher, Wärmepumpen, intelligente Stromnetze und bessere Energieeffizienz.

Die eigentliche Frage ist doch nicht, ob wir unser Energiesystem verändern werden. Die Frage ist nur, ob wir es freiwillig und rechtzeitig tun oder erst dann, wenn uns die Realität dazu zwingt. Und ehrlich gesagt würde ich mir wünschen, dass meine Stadt mutiger ist!“

Weitere Informationen zum Kraftwerk RDK9

Alle Hintergründe zu dem neuen Kraftwerk haben wir bereits hier zusammengefasst: RDK9 auf dem Vormarsch – bekommt Karlsruhe ein neues Kraftwerk?

EnBW äußerte sich im Juli 2025 zur Umweltkritik

Auch hat sich die EnBW bereits im Juli 2025 zu der Kritik, insbesondere vonseiten von Umweltaktivisten, geäußert: EnBW verteidigt Pläne gegen Umweltbedenken

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