Was ist Vordergrund, was Hintergrund? Was ist tatsächlich zu sehen und was entsteht erst im Kopf des Betrachters? Wer am Samstagnachmittag die Galerie Wertheim Arts am Rathausplatz in Büttgen betrat, musste sich auf diese Fragen einlassen. Mehr als 25 Arbeiten der Meerbuscher Künstlerin Michaela Kura sind dort unter dem Titel „Zwischenwelt – Zwei Welten: Text und Bild“ zu sehen.
Für Kura war die Vernissage ein besonderer Moment. Sichtlich gerührt begrüßte sie die Besucher ihrer ersten Einzelausstellung. Immer wieder blieb sie im Gespräch vor ihren Arbeiten stehen, erklärte Hintergründe und freute sich über die unterschiedlichen Interpretationen. Denn eine eindeutige Antwort darauf, was in ihren Werken zu entdecken ist, gibt es häufig gerade nicht.
Kura verbindet Fotografien, Collagen und Texte zu sogenannten Fotosynthesen. Unterschiedliche Ebenen überlagern sich, Motive treten hervor und verschwinden wieder, Worte verändern den Blick auf ein Bild. Das Davor und Dahinter ist nicht immer sofort auszumachen. Genau daraus entwickelt sich der Reiz der Ausstellung: Die Besucher müssen selbst genauer hinsehen.
Die Laudatio zur Eröffnung hielt die Kaarster Aquarell-Künstlerin Christine Berlinson-Eßer. Sie stellte dabei nicht allein die Kunst, sondern auch den Menschen hinter den Arbeiten in den Mittelpunkt. Kuras Offenheit, ihre Neugier und insbesondere ihr herzliches Lächeln seien charakteristisch für sie. „Man fühlt sich in ihrer Nähe einfach willkommen“, beschrieb Berlinson-Eßer die Künstlerin.
Diese Offenheit findet sich auch in Kuras künstlerischer Arbeit wieder. Sie legt sich nicht auf eine einzige Technik fest, sondern experimentiert mit verschiedenen Materialien und Ausdrucksformen. In ihrem Atelier in Strümp arbeitet sie nicht nur selbst künstlerisch, sondern begleitet auch Kinder und Erwachsene auf deren kreativen Wegen. Dort wird gemalt, geschrieben, gefilmt und mit Collagen gearbeitet. „Sie sucht nicht den einfachen Weg. Im Gegenteil: Sie liebt Herausforderungen“, sagte Berlinson-Eßer in ihrer Laudatio. Bevor ein neues Werk entsteht, beschäftige sich Kura intensiv mit einer Idee oder Fragestellung, verwerfe Ansätze und entwickle sie weiter. Dabei sei für die Künstlerin der Entstehungsprozess ebenso bedeutend wie das fertige Ergebnis. Der Titel „Zwischenwelt“ könnte deshalb kaum passender gewählt sein. Kura bewege sich zwischen Fotografie und Sprache, Realität und Interpretation. Text und Bild ergänzen sich in ihren Arbeiten und eröffnen neue Assoziationsräume.
Kura selbst formuliert ihren künstlerischen Anspruch zurückhaltend und zugleich sehr persönlich: „Ich möchte die Welt ein Stück weit mitgestalten und nicht komplett verändern.“