Farage hatte die Nachwahl als Duell zwischen den Wählern und dem politischen Establishment zu inszenieren versucht. Entwickelt hatte sich der Wahlkampf jedoch zu einer regelrechten Farce. Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen. PA sprach im Vorfeld von „einer der seltsamsten Nachwahlen der jüngeren Geschichte“.
Die Untersuchung gegen Farage wird britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wieder aufgenommen. Sollte dabei ein Vergehen des Reform-Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus – und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Eine Untersuchung konnte er also nur kurzfristig zum Erliegen bringen. Mit dem Wahlsieg kann er nun jedoch seine Erzählung untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben.
Labour: Farage muss endlich reinen Tisch machen
Die regierende Labour-Partei von Premierminister Andy Burnham bezeichnete die Nachwahl als Ablenkungsmanöver. „Um es klar zu sagen: Das ist kein Sieg für Nigel Farage“, erklärte die Parteivorsitzende Bridget Phillipson nach PA-Angaben am Morgen.
„Der Berg an Filz und Skandalen, in dem er und die Reform-Partei mittlerweile versinken, ist gewachsen und gewachsen, während er versucht hat, die Öffentlichkeit mit einer Nachwahl gegen eine Mülltonne abzulenken.“ Farage müsse reinen Tisch machen und alle Fakten zu dem Fünf-Millionen-Pfund-Geschenk und weiteren Skandalen seiner Partei auf den Tisch legen.
Ein Ritter mit Mülleimer-Helm als größter Gegner
Trotz der vielfachen Kritik an den Umständen der Nachwahl fanden sich auf dem Wahlzettel neben Farage 33 weitere Kandidaten. Durch die Absage etablierter Parteien galt als Hauptkonkurrent ausgerechnet der Spaßkandidat Count Binface alias Jon Harvey.
Count Binface tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an. Er erinnert an eine Art Weltraumkrieger in einem vage an den Star-Wars-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und Mülltonne als Helm.
Britische Medien munkelten zuletzt, ob der in Großbritannien bekannte Komiker nicht doch für eine Überraschung sorgen könnte – denn Proteststimmen gegen Farages Manöver galten als möglich. Eine Umfrage im Kreis Clacton prophezeite jedoch bereits den deutlichen Sieg von Farage.
Quatschkandidaten wie Count Binface haben in Großbritannien Tradition. Als der frühere Premier Boris Johnson 2019 seinen Sieg bei der Parlamentswahl feierte, tummelten sich neben dem Weltraumkrieger unter anderem noch ein Kandidat im Kostüm der Sesamstraßenfigur Elmo und ein Lord Buckethead (Lord Eimerkopf) gemeinsam auf der Bühne mit dem siegreichen Kandidaten.
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