Jürgen Rösch sitzt an diesem Nachmittag an seinem Posten am Autobahnsee. Der Steg unten am Ufer ragt gefühlt ewig weit aus dem Wasser. „Dass ich sogar unten durchgehen kann, daran kann ich mich nicht erinnern“, sagt der stellvertretende technische Leiter der Kreiswasserwacht Augsburg-Stadt. Der See habe derzeit gut einen Meter weniger Wasser als üblich. Doch nicht nur an seinem Gewässer ist der Wasserpegel extrem niedrig: Am Augsburger Eiskanal stehen Erwachsene gerade noch hüfthoch im Wasser. Dazu kommt: In den Seen steigen die Wassertemperaturen teils auf 27 Grad. Andernorts bilden sich Algen. Macht Baden da noch Spaß?

Die Wasserwacht am Autobahnsee misst regelmäßig die Temperaturen im See. „Diese schwanken“, erzählt Rösch. Während sie in der letzten Nacht auf 22 Grad gefallen sei, habe man in diesem Sommer tagsüber auch schon 27 Grad gemessen. Monika und Peter nutzen das aus und sitzen an diesem Nachmittag bereits seit zehn Minuten gut gelaunt am Rand im Nass. „Ich gehe nicht gerne in kaltes Wasser. Deshalb ist es so für mich gerade recht und eine schöne Erfrischung“, sagt die Frau lachend. Ihrem Begleiter dagegen ist es mittlerweile „einen Tick zu warm“. Das Wasser sei dafür weiter klar und schön erfrischend, finden die beiden. Das ist aber offenbar nicht überall so.

Hitzesommer: Algen im Wasser, hohe Temperaturen im Sew und kaum Strömung

„Im Luftbad ist mittlerweile alles voller Algen. Das stinkt und ich finde es eklig“, erzählt Gökhan Vural. Er ist deshalb nun auf den Proviantbach ausgewichen. Er und sein Kumpel Nuri Canbolat sinken hier im Stehen noch bis knapp unter die Schulter unter das klare Wasser. Der Kanal sei weniger gefüllt als sonst, aber so sei es noch ok, sagen die beiden. Auch die Temperatur empfinden sie als angenehm erfrischend. Voran kommen sie im Wasser dafür nur mehr laufend oder aktiv schwimmend. „Die Strömung ist so gut wie weg“, findet Canbolat. Einen der Ausstiegspunkte am Kanalrand zu erreichen fällt ihnen daher nicht besonders schwer. An anderen Augsburger Stadtbächen warnt die Stadt jedoch vor gewissen Risiken.

In einer Pressemitteilung hieß es, derzeit herrschten beim Baden in den Augsburger Stadtbächen, in denen das Baden erlaubt ist (Gögginger Luftbad, Proviantbach, Lochbach sowie Hauptstadtbach), aufgrund des Niedrigwasser besondere Bedingungen. Halteseile für den Ausstieg könnten nur erschwert oder teilweise nicht mehr erreicht werden. Dies berge Risiken. Das sieht auch Experte Rösch so. Gerade bei höheren Fließgeschwindigkeiten und glitschigem Bachbett sei es wichtig, die Halteseile als Ausstiegshilfe nutzen zu können. „Wenn der Kinderarm wegen des niedrigen Wassers nicht mehr nach oben reicht, dann ist das nicht ideal. Springen und Strecken geht im Wasser nämlich nicht“, erklärt er.

Am Augsburger Eiskanal kann man nur noch in hüfthohem Wasser baden

Ein Besuch am Eiskanal zeigt, dass der Wasserstand tatsächlich deutlich unter dem üblichen Niveau liegt. Es ist viel Betonwand zu sehen. Erwachsenen, die im Kanal stehen, reicht das Wasser gerade noch bis zum Bauch. Jana Wolff und Noah Fridan kennen das so bisher nicht. „Normalerweise baumeln die Beine im Wasser, wenn ich am Rand sitze, sagt Fridan. Jetzt reichten sie kaum noch zur Wasseroberfläche. Eigentlich besuchten sie den Kanal gerne wegen der schnellen Strömung. Dieser Effekt sei zwar noch da, aber durch das niedrige Wasser spürbar abgeschwächt, bedauert Wollf „Für die Kinder ist das aber vielleicht ganz gut“, meint ihr Freund. Tatsächlich treiben die Kleinen mit sichtlich Spaß das Bachbett entlang und nutzen das Halteseil für Turnübungen.

Im Eiskanal in Augsburg reicht Badegästen das Wasser nur noch bis zur Hüfte.

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Im Eiskanal in Augsburg reicht Badegästen das Wasser nur noch bis zur Hüfte.
Foto: Peter Fastl

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Im Eiskanal in Augsburg reicht Badegästen das Wasser nur noch bis zur Hüfte.
Foto: Peter Fastl

In Seen hat das wenige Wasser dagegen kaum Auswirkungen auf die Sicherheit der Badegäste, sagt Wasserretter Jürgen Rösch. Man könne zwar nun, beispielsweise am Autobahnsee, an mehr Stellen und auch weiter in der Mitte stehen. Aber ein Risiko sehe er darin nicht. Stattdessen beobachtet man an diesem Tag ganze Gruppen Erwachsener, die sich auf einer der Inseln zum Austausch treffen. Nur auf eine Sache weist Rösch hin. „Direkt vor dem Steg und daneben ist das Wasser so flach, dass ein Sturz oder Sprung von oben schlimme Folgen haben könnte.“ Er sei deshalb über den Bauzaun, der den Zugang versperrt, gar nicht so unglücklich, auch wenn dieser optisch kein Hingucker sei.

Wasserqualität in Augsburgs Seen wird regelmäßig geprüft

Damit das Baden nicht zum gesundheitlichen Risiko wird, prüft die Stadt zudem regelmäßig die Wasserqualität in Seen und informiert auf ihrer Homepage. „Das Wasser ist weiter sauber“, urteilt unterdessen Viktoria Bichler in Eigenregie über den Kuhsee. Sie wohne in der Nähe und käme regelmäßig, um sich zu erfrischen. Auch Tilman findet, dass das hier noch gut gelingt. Zusammen mit Freunden ist er aus Ingolstadt zu Besuch. „Dort gibt es einige kleinere Seen, die wärmer sind. Aber wir sind ohnehin eher die Fröstler,“ grinst er. Der Kuhsee sei daher ideal und ein schönes Sommerziel.