Die Ukraine hat in der Nacht auf Sonntag einen ihrer bislang grössten Drohnenangriffe auf Moskau und andere Teile Russlands geflogen. Mehr als 600 ukrainische Drohnen seien allein gegen die russische Hauptstadt und ihre Umgebung eingesetzt worden, berichtet die Financial Times. Bei den Angriffen wurden nach russischen Angaben mehrere Menschen getötet und verletzt. Zudem geriet ein grosses Logistikzentrum des russischen Onlinehändlers Wildberries in Brand.

Brand im Wildberries-Lager im Industriepark Koledino bei Podolsk (Symbolbild)
Stringer/EPA/Keystone
Der Gouverneur der Region Moskau, Andrei Worobjow, sprach von einem der grössten ukrainischen Angriffe dieses Sommers. Ein 83-Jähriger starb demnach nahe Ramenskoje, nachdem eine abgeschossene Drohne auf ein Wohnhaus gestürzt war. In Podolsk und weiteren Orten wurden insgesamt sechs Menschen verletzt. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, landesweit und in russisch besetzten Gebieten der Ukraine 828 Drohnen abgeschossen zu haben.
Im Mittelpunkt der ukrainischen Angriffe stand erneut die russische Logistik. Das ukrainische Rüstungsunternehmen Fire Point bekannte sich zum Angriff auf das Wildberries-Lager in Podolsk. Kiew wirft dem Unternehmen vor, Bauteile anzubieten, die auch für Drohnen und andere militärische Zwecke eingesetzt werden können. Nach Angaben des russischen Exilmediums «Agentstvo» ist das Lager bereits das siebte der zehn grössten Wildberries-Zentren, das in diesem Sommer getroffen wurde.
Auch andernorts griff die Ukraine nach eigenen Angaben russische Infrastruktur an. Der ukrainische Generalstab meldete Treffer gegen eine russische Raketeneinheit auf der Krim, eine für den militärischen Nachschub wichtige Eisenbahnbrücke in der von Russland kontrollierten Region Saporischschja sowie Munitionslager im Gebiet Donezk.
Parallel setzte Russland seine Angriffe auf ukrainische Städte fort. Die ukrainische Luftwaffe meldete 106 Angriffsdrohnen sowie mehrere Raketen. 85 Drohnen und drei Marschflugkörper seien abgefangen worden. Gegen ballistische Raketen, die unter anderem Kiew und Krywyj Rih trafen, gelang dies nicht. Zwei Menschen wurden nach ukrainischen Angaben getötet und 14 verletzt. Kiew führt die Lücke in der Luftabwehr auf fehlende Patriot-Abfangraketen zurück.
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Russland habe allein innerhalb einer Woche mehr als 1550 Angriffsdrohnen, fast 1560 gelenkte Bomben und 62 Raketen gegen die Ukraine eingesetzt. Moskau erklärte seinerseits, bei den jüngsten Angriffen unter anderem ukrainische Rüstungsbetriebe, eine Raffinerie und ein Stahlwerk ins Visier genommen zu haben.