Wo einst das rund 70 Meter hohe Landratsamt-Hochhaus stand, wächst künftig ein rund 90 Meter hoher Neubau aus Holz und Beton. Inzwischen sind erste Teile der Fassade fertig, auch der Innenausbau läuft. Die Fertigstellung ist für 2027 und 2028 vorgesehen.
Flachbau weitgehend fertig – Hochhaus folgt
Wie der Landkreis Karlsruhe am 23. Juli mitteilte, ist der fünfgeschossige Flachbau im ersten Baufeld inzwischen vollständig im Rohbau errichtet. An der Gebäudehülle wird bereits intensiv gearbeitet: Im Bereich des Gemeindetags waren Unterkonstruktion und Fensterelemente einschließlich Verglasung bereits eingebaut. Die weiteren Fassadenflächen werden Geschoss für Geschoss geschlossen. Auch im Inneren laufen unter anderem Trockenbau-, Fliesen- und Malerarbeiten.
Gleichzeitig wächst der sogenannte „Lückenschluss“ im Bereich des späteren Hochhauses. Der Rohbau hat dort bereits das zweite Obergeschoss erreicht. Nach Angaben des Landkreises soll dieser Teil bis September 2026 fertiggestellt werden. Anschließend soll das Hochhaus selbst weiter nach oben wachsen. In der späteren „grünen Mitte“ des Areals wurden zudem bereits Rigolen zur Entwässerung eingebaut.
Das Projekt ersetzt damit Schritt für Schritt den früheren Gebäudekomplex des Landratsamts. Über den Abbruch des markanten Hochhauses und dessen Ersatz durch KARLA berichteten auch die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN).
90 Meter hoch – und zur Hälfte aus Holz
Eine Besonderheit des Neubaus steckt in seinem Tragwerk. Das rund 90 Meter hohe Hochhaus wird als Holz-Hybrid-Konstruktion errichtet. Nach Angaben des SWR sollen rund 50 Prozent des Hochhauses aus Holz bestehen. Die Holzelemente werden bereits zugeschnitten auf die Baustelle geliefert und dort montiert. Das soll den Bauablauf beschleunigen.
Auch bei der Klimabilanz soll die Konstruktion Vorteile bieten. Objektverantwortlicher Ragnar Watteroth erklärte dem SWR, durch die Kombination von Holz und Beton könne der Betonanteil bei den Geschossdecken deutlich reduziert werden. Nach seiner Einschätzung könnten dadurch im Vergleich zu einer konventionellen Bauweise rund 15.000 Tonnen CO₂ eingespart werden. Das für KARLA verwendete Holz stammt laut SWR aus Rheinland-Pfalz.
Ganz ohne Beton kommt das Gebäude allerdings nicht aus. Die Aussteifungskerne und die beiden Untergeschosse werden konventionell in Stahlbeton ausgeführt, wie das Ingenieurbüro schlaich bergermann partner (sbp) erläutert. Dort sind unter anderem Technikflächen und Parkgaragen vorgesehen.
Vom Architekturwettbewerb zum konkreten Gebäude
Die heutige Gestaltung geht auf einen Architekturwettbewerb zurück. Bereits bei der Vorstellung des Siegerentwurfs wurde insbesondere die städtebauliche Einbindung hervorgehoben. Laut der von archlab dokumentierten Pressemitteilung bezeichnete die Jury den Entwurf als die „verträglichste Lösung“. Ein entscheidender Punkt war zudem die Verlegung des Haupteingangs an das Ettlinger Tor.
Der Entwurf stammt von Wittfoht Architekten. Archlab erstellte für HPP Architekten die 3D-Visualisierungen des Wettbewerbsprojekts. Der damalige Entwurf sah bereits ein rund 90 Meter hohes Hochhaus sowie einen mehrgeschossigen Flachbau vor. Vorgesehen waren neben Büros auch Seminar- und Konferenzräume, eine betriebsärztliche Praxis und eine Kindertagesstätte.
Inzwischen ist aus den damaligen Visualisierungen eine reale Baustelle geworden. Das Büro sbp beziffert die Bruttogeschossfläche des Gesamtprojekts mit rund 63.000 Quadratmetern. Neben den Verwaltungsflächen sollen unter anderem Seminar- und Konferenzbereiche, eine Kindertagesstätte sowie weitere Nutzungen Platz finden.
Fertigstellung bis 2028 geplant
Auch beim Zeitplan zeichnet sich derzeit kein grundlegender Verzug ab. Der Flachbau soll laut aktuellem Bericht des SWR ab Ende 2027 bezogen werden können. Die Fertigstellung des Hochhauses ist für 2028 vorgesehen. Die prognostizierten Gesamtkosten liegen demnach weiterhin bei rund 390 Millionen Euro.
Damit steht KARLA vor einem entscheidenden Bauabschnitt: Während der Flachbau bereits seine spätere Gestalt erkennen lässt, soll in den kommenden Monaten der Hochhausbereich zunehmend in die Höhe wachsen. Aus dem ehemaligen Landratsamt-Areal am Ettlinger Tor entsteht so ein neuer Verwaltungsstandort, der nicht nur architektonisch ein markantes Zeichen setzen soll, sondern mit seiner Holz-Hybrid-Bauweise auch neue Wege beim öffentlichen Bauen beschreitet.