Ein neuer archäologischer Fund in der kaukasischen Stadt Derbent im Süden Russlands sorgt derzeit für einiges Aufsehen. Es handelt sich um mehrere außerordentlich seltene Objekte, von denen eines besonders hervorsticht.
Archäologischer Fund: Ein Gefäß auf Abwegen
Der archäologische Fund ereignete sich durch eine vom Institut für Archäologie der russischen Akademie der Wissenschaften organisierte Ausgrabung in einer alten Festung in der südrussischen Stadt. So berichtet das Nachrichtenportal Nauka, dass die Entdeckung mehrere Gegenstände aus dem 13. und aus dem 17. Jahrhundert nach Christus umfasst. Bei Letzterem geht es um ein glasiertes Keramikgefäß, in dem sich eine arabische Inschrift fand.
Zu deren Übersetzung gibt es bereits eine Hypothese. So vermuten die Forschenden, dass dort „Hergestellt von dem Meister Matan“ geschrieben steht. Überdies war das Objekt wohl Teil einer größeren Schale, deren Reste allerdings verschwunden sind. Das lässt sich daraus schließen, dass weitere Teile der Inschrift durch Abbruchstellen unleserlich geworden sind.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit stammt das Fragment aus dem Osmanischen Reich, allerdings aus dessen europäischen Teil. Dieses kontrollierte im 17. Jahrhundert weite Teile der Region, die heute als Balkan bekannt ist. Es ist also anzunehmen, dass das Gefäß einen sehr weiten Weg bis in den Kaukasus zurücklegte, um dort schließlich als archäologischer Fund zu enden.
Topaktuell
Ein Fund kommt selten allein
Die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS zitiert Wladimir Kowal, den Leiter der Abteilung für Mittelalterarchäologie bei dem Institut, mit einer deutlichen Charakterisierung der Entdeckung: „Geschirr mit arabischen Inschriften ist extrem selten“. Dem Institut seien „keine vergleichbaren Gefäße aus dieser Zeit bekannt“, wenngleich es ähnliche Gegenstände aus anderen Zeiten gebe.
Doch das Schalenfragment bleibt nicht allein. Dazu kommt noch eine besondere Münze, die von einem feudalen Staat, der einst im Kaukasusgebirge herrschte, geprägt wurde. Die Münze wurde Nauka zufolge von den mittelalterlichen kaukasischen Awaren hergestellt, die den Herrscher Bayar abbildet, der als „Sohn von Suraka“ bezeichnet wird. Solche „Nutsal-Münzen“ sind demnach ebenfalls außerordentlich selten. Allerdings entdeckten die Forschenden nur ein Fragment des Artefakts.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde sie in Khunzakh geprägt, dem damaligen politischen Zentrum des Staats der Awaren. Diese besiedelten ab etwa dem fünften Jahrhundert nach Christus unter anderem den Kaukasus, wurden jedoch nach und nach von arabischen, persischen und russischen Eroberern unterworfen. Der archäologische Fund liefert jedoch ein eindrucksvolles Zeugnis der Zeit, als die Angehörigen dieses Volks noch unabhängig lebten.
Quellen: TASS; Nauka
Hinweis: Ukraine-Hilfe
Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. Hier kannst du den Betroffenen helfen.