Sam Altman, CEO von OpenAI, galt lange als erklärter Gegner von Werbung. Im Podcast mit Lex Fridman sagte sogar er einmal: „Ich habe Anzeigen immer gehasst.“ Doch mit dem enormen Erfolg von ChatGPT änderten sich die Vorzeichen. Bereits im Oktober 2025 wurde durch interne Unternehmensunterlagen bekannt, dass OpenAI kostenlose Nutzer:innen künftig monetarisieren will. Mit dem Start des Ads-Managers im Mai 2026 konkretisierte OpenAI die eigenen Werbepläne. Erstmals zeigte das Unternehmen, wie sich Anzeigen in KI-gestützte Konversationen integrieren lassen.
Seit Februar 2026 laufen Werbetests in den USA. Danach folgten Kanada, Australien, Neuseeland, Großbritannien, Japan, Südkorea, Mexiko und Brasilien. Jetzt kommen Deutschland, Frankreich, Irland und Singapur hinzu.
Werbung soll künftig dazu beitragen, die milliardenschweren Investitionen in neue KI-Modelle, Rechenzentren und zusätzliche Rechenkapazitäten zu finanzieren. Denn die Entwicklung immer leistungsfähigerer KI-Systeme hat ihren Preis. Entsprechend ambitioniert fallen die Ziele aus: Bis 2030 will OpenAI 100 Milliarden US-Dollar mit Werbung umsetzen. Marktforscher:innen bezweifeln allerdings, dass sich dieses Ziel erreichen lässt.
OpenAI verfolgt mit dem Ausbau des Werbegeschäfts auch mit Blick auf den geplanten Börsengang ehrgeizige Wachstumsziele, der nach früheren Berichten bereits 2026 hätte stattfinden können, inzwischen aber eher für 2027 erwartet wird. Erst vor wenigen Tagen ernannte das Unternehmen zudem Dali Rajic, den ehemaligen Präsidenten und COO des Cybersecurity-Unternehmens Wiz, zum neuen Chief Revenue Officer.
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Was sich in ChatGPT jetzt ändert
Für viele Nutzer:innen endet die bislang werbefreie Nutzung von ChatGPT bereits Ende August. Welche Anzeigen eingeblendet werden, hängt, zumindest bei Usern außerhalb der EU, zunächst vor allem vom aktuellen Gesprächsthema ab. Wer sich Inspiration für den nächsten Urlaub holt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Werbung sehen als jemand, der sich über Aktien, Ernährung oder KI informiert. Daneben berücksichtigt OpenAI weitere Signale wie den ungefähren Standort oder den verwendeten Gerätetyp. Die Anzeigen erscheinen direkt unter den Antworten in ChatGPT, sind als „Sponsored“ gekennzeichnet und fügen sich optisch in den Chatverlauf ein.
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Wer keine Werbung sehen möchte, muss allerdings nicht zwangsläufig ein kostenpflichtiges Abo abschließen. OpenAI führt erstmals auch eine kostenlose, werbefreie Alternative ein. Dafür gelten jedoch niedrigere Nutzungslimits und Einschränkungen bei einzelnen Funktionen wie der Bildgenerierung oder Deep Research.
OpenAI betont außerdem, dass Anzeigen keine Empfehlungen darstellen. Eine bezahlte Platzierung bedeutet nach Angaben des Unternehmens ausdrücklich nicht, dass Produkte, Dienstleistungen oder Unternehmen von ChatGPT empfohlen oder unterstützt werden.
Was sich laut OpenAI nicht ändern soll
Mit der Einführung von Werbung wächst auch die Sorge, dass kommerzielle Interessen die Antworten der KI beeinflussen könnten. OpenAI versucht, diese Bedenken früh auszuräumen. Das Unternehmen betont, dass Anzeigen keinen Einfluss auf die Antworten von ChatGPT haben und immer klar vom eigentlichen Gespräch getrennt bleiben.
Auch die Chats selbst sollen weiterhin privat bleiben. Werbetreibende erhalten laut OpenAI weder Zugriff auf einzelne Unterhaltungen noch auf den Chatverlauf, Erinnerungen oder persönliche Daten. Für die Auswertung von Kampagnen werden ausschließlich aggregierte Leistungsdaten genutzt.
Warum für Nutzer:innen in der EU andere Regeln gelten
Mit dem Deutschland-Start erreichen die Anzeigen nun auch ChatGPT-Nutzer:innen hierzulande. Anders als in vielen anderen Märkten gelten für ChatGPT-Ads in der EU jedoch strengere Datenschutzvorgaben. Zum Werbestart hat OpenAI deshalb auch die europäische Datenschutzrichtlinie überarbeitet. Die neue Fassung wurde am 14. August veröffentlicht und tritt noch im Laufe des Monats in Kraft.
Der größte Unterschied: Personalisierte Werbung ist in Deutschland und anderen Ländern im Europäischen Wirtschaftsraum sowie in der Schweiz zunächst deaktiviert. Frühere Chats und gespeicherte Erinnerungen werden also nicht automatisch ausgewertet, um passende Anzeigen auszuwählen. Stattdessen berücksichtigt OpenAI vorerst nur Informationen aus dem aktuellen Gespräch sowie allgemeine Angaben wie den ungefähren Standort, die Sprache oder den verwendeten Gerätetyp.
Wer personalisierte Werbung sehen möchte, muss dieser Nutzung zunächst ausdrücklich zustimmen. Erst danach dürfen zusätzliche Informationen wie frühere Unterhaltungen oder Interaktionen mit Anzeigen berücksichtigt werden. Die Entscheidung lässt sich jederzeit in den Einstellungen ändern oder widerrufen.
Nutzer:innen erhalten darüber hinaus deutlich mehr Kontrolle über ihr Werbeerlebnis. Anzeigen können ausgeblendet oder gemeldet werden. Außerdem lässt sich nachvollziehen, warum eine bestimmte Anzeige eingeblendet wurde. Auch die für Werbezwecke gespeicherten Daten können jederzeit gelöscht werden.
Während viele Nutzer:innen Ende August zum ersten Mal Werbung in ChatGPT sehen, haben zahlreiche Unternehmen den neuen Werbekanal längst für sich entdeckt. Welche Marken aktuell besonders präsent sind und wo die Anzeigen auftauchen, zeigt eine Übersicht der Top 10 der Advertiser auf ChatGPT.
Der Artikel stammt von Larissa Ceccio aus der OnlineMarketing.de-Redaktion und wird im Rahmen einer Content-Kooperation auf t3n veröffentlicht.
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