Mit Protestaktionen wie dieser drängen die Ingenieure, Betriebsräte und Gewerkschafter „Rohde & Schwarz" in Dresden, einen Tarifvertrag abzuschließen. Foto: Heiko WeckbrodtMit Protestaktionen wie dieser drängen die Ingenieure, Betriebsräte und Gewerkschafter „Rohde & Schwarz“ in Dresden, einen Tarifvertrag abzuschließen. Wortführer in der Mitte ist Betriebsrat Lars Adam. Foto: Heiko Weckbrodt
Betriebsrat und IG Metall drängen mit Protestaktion auf Tarifvertrag

Dresden, 17.08.26. Mit einer öffentlichen Aktion nahe am Postplatz haben Dresdner Ingenieure des Elektronikkonzerns „Rohde & Schwarz“ ihre Forderung nach einem Tarifvertrag für die sächsische Niederlassung untermauert – mit Plakaten, öffentlichen Buh-Rufen und Pfeifkonzerten zusammen mit der IG Metall. „Rohde & Schwarz ist gesprächsbereit“, betont derweil die Geschäftsleitung.

Geschäftsleitung bietet Betriebsvereinbarung an, Gewerkschaft ist dagegen

„Die Geschäftsleitung hat einen Tarifvertrag abgelehnt und will darüber gar nicht mehr mit uns verhandeln“, erklärt Betriebsrat Lars Adam. Stattdessen habe das Management nur eine Betriebsvereinbarung angeboten und auf den Bedarf an flexiblen und krisenfesten Lösungen verwiesen. Solch eine lokale Vereinbarung würde aus seiner Sicht jedoch unhaltbare Nachteile die Dresdner Beschäftigten des bayrischen Unternehmens zementieren: „Wir bekommen hier 20 bis 30 Prozent weniger als die Kollegen in München“, ärgert sich Adam. Zudem gelte in Dresden die 40- statt die 35-Stunden-Woche.

Vorerst (noch) keine Streiks geplant

Dies könne so nicht weitergehen, finden der Betriebsrat: „Gleiche Arbeit verdient gleiche Anerkennung und faire Bedingungen“, argumentiert er. „Wenn da Worte nicht mehr weiterhelfen, müssen wir Taten folgen lassen.“ Damit seien Proteste wie die jüngste Kurzkundgebung vor dem Niederlassungsgebäude gemeint, betonte er auf Oiger-Nachfrage. „Streiks bleiben die ultima ratio.“

Konzernzentrale setzt auf lokale Lösung

Das Unternehmen habe den Dresdner Beschäftigten „wiederholt eine lokale Lösung der von der IG Metall adressierten Themen in Form einer Betriebsvereinbarung angeboten“, kommentierte die Münchner Unternehmenssprecherin Bianca Stupp den Konflikt auf Anfrage. Rohde & Schwarz setze „weiterhin auf einen konstruktiven Dialog für eine baldige, einvernehmliche Lösung“.

Einstige Uni-Ausgründung kam über Xilinx und AMD zu „Rohde & Schwarz“

An das Team in Sachsen war der Münchner Konzern über mehrere Ecken gekommen: 2013 gründete die TU Dresden das auf flexible Mobil-Antennentechnik spezialisierte Unternehmen „Airrays“ aus. 2019 übernahm die US-Elektronikfirma Xilinx das Team – und wurde drei Jahre später selbst von AMD geschluckt. Damit war der US-Chipkonzern AMD, der lange Zeit in Dresden seine größte Prozessorfabrik betrieben und dann als „Globalfoundries“ ausgegliedert hatte, gewissermaßen indirekt nach Sachsen zurück. Derweil profilierte sich der ehemalige Intel-Rivale im Prozessorsektor immer mehr als Spezialist für KI- und Grafikchips, wollte viele Nebengeschäftsfelder loswerden – und verkaufte in diesem Zuge auch den Dresdner Standort an „Rohde & Schwarz“. Der Münchner Konzern hat übrigens mit „Inradios“ eine weitere TU-Ausgründung in der sächsischen Landeshauptstadt akquiriert.

Alles begann mit dem Physikstudium in Jena

Das bayrische Unternehmen hat indirekt auch mitteldeutsche Wurzeln: 1933 gründeten Lothar Rohde und Hermann Schwarz nach ihrem Physikstudium in Jena ein „Physikalisch-Technisches Entwicklungslabor“ in München. Daraus ist bis heute ein Messtechnik-Unternehmen mit Milliardenumsätzen geworden, das zunehmend auch im Rüstungsgeschäft aktiv ist.

„Der Standort Dresden ist für Rohde & Schwarz von großer strategischer Bedeutung.“
Sprecherin Bianca Stupp von „Rohde & Schwarz“

Der Dresdner Entwicklungsstandort von „Rohde & Schwarz" nahe am Postplatz in der Innenstadt. Foto: Heiko WeckbrodtDer Dresdner Entwicklungsstandort von „Rohde & Schwarz“ nahe am Postplatz in der Innenstadt. Foto: Heiko Weckbrodt
Dresdner Dependance auf Wachstumskurs

Das Team in Dresden ist seit der Übernahme durch im Jahr 2023 durch Rohde & Schwarz mit damals 40 Leuten auf inzwischen rund 90 Köpfe gewachsen. Die sächsischen Software-Ingenieure sind unter anderem am Auftragsentwicklungen sowie Projekten wie Führungsfunk-Lösungen beschäftigt, wie sie Behörden, Polizei und Militär benötigen, außerdem an der Modernisierung alter Funksysteme sowie demnächst auch an Lösungen für den Weltraumeinsatz. „Der Standort Dresden ist für Rohde & Schwarz von großer strategischer Bedeutung“, heißt es aus der Münchner Konzernzentrale. Daher wachse die Niederlassung auch. Allein im Juni habe man 22 neue Stellen ausgeschrieben. Unseren Informationen zufolge ist ein weiterer Ausbau geplant, womöglich letztlich mit einer Verdoppelung der Belegschaft verbunden. Dies könnte dann womöglich auch einen Umzug vom bisherigen Mietobjekt an der Hertha-Lindner-Straße in ein größeres Domizil nötig machen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IG Metall, Betriebsrat und Unternehmensleitung „Rohde & Schwarz“, Oiger-Archiv, Wikipedia, Linkedin, Northdata, TUD